Naturschützer unter Beschuss

Ulm.  Der Dialog zwischen Naturschutzbund und Fischereiverband zum Thema Kormoran fand ansatzweise beim Artenschutzsymposium im Stadthaus statt. Die 4500 Fischer auf dem Münsterplatz waren nur laut.

Egal, ob sie norddeutsch, sächsisch, bayerisch oder schwyzerdütsch sprachen, die rund 4500 Fischer auf dem Münsterplatz meinten lautstark alle dasselbe: "Stoppt den Kormoran". Der Landesfischereiverband Baden-Württemberg hatte für Samstag Angler, Teichwirte und Berufsfischer zur bundesweiten Großkundgebung auf dem Ulmer Münsterplatz aufgerufen, um gegen den Schutz des Kormorans zu demonstrieren.

Dieser schwarze und bis zu 80 Zentimeter große "Meer-Rabe", der ursprünglich nur an der deutschen Nordseeküste lebte, hat sich in den vergangenen zehn Jahren bis nach Süddeutschland ausgebreitet. Da er keine natürlichen Feinde hat, kann er sich vermehren und Fische jagen, wie ihm der Schnabel (mit der Hakenspitze) gewachsen ist.

Die Kormorane - sie bilden Treiberketten - können ein Fischgewässer fast vollständig ausräumen, was bei Berufsfischern europaweit zu Ertragseinbußen führt. Da der Vogel aber gleichzeitig unter EU-Vogelschutz steht und trotzdem in Einzelfällen immer wieder abgeschossen wurde, suchen Fischer und Naturschützer seit Jahren vergeblich nach einer Lösung.

Der Landesfischereiverband hatte Ulm deshalb als Kundgebungsort gewählt, weil am Samstag im Stadthaus ein Artenschutzsymposium zum Kormoran, dem "Vogel des Jahres 2010", stattfand. Aber von einer Annäherung beider Lager kann nicht die Rede sein. Die Zeit drängt: Kommt es zur verschärften Kormoranverordnung, wie mal mehr, mal weniger streng in den Bundesländern geplant, könnte der Problemvogel schon ab 16. August zum Abschuss freigegeben werden - eventuell gar in geschützten Gebieten. Die Vogelschützer wüssten, dass die Fischer scharf kalkulieren müssen, deshalb brauche man bald ein "intelligentes Kormoran-Management", ähnlich dem bereits erfolgreichen Modell in der Schweiz (siehe Infokasten), sagte Ludwig Sothmann, der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz (LBV). Management bedeutet, dass in fischereiwirtschaftlich wertvollen Zonen der Kormoranbestand stark verringert wird, der Vogel in entlegenen Gebieten aber geduldet ist.

Dass es gar nicht so leicht ist, den klugen Räuber gebietsweise abzuwehren, verdeutlichte Reinhart Sosat, Naturschutzexperte beim Landesfischereiverband Baden-Württemberg, in seinem Referat während des Artenschutzsymposiums. Brutkolonien zu zerstören oder den Kormoran "flächig abzuschießen" bringe kaum Erfolg, da er sich umso schneller wieder vermehre. Alle Fischteiche mit Netzen zu überspannen, "ist hässlich, teuer und gefährdet andere Vögel", warnte Sosat. An eine Vergrämung, also Lärm, um den Kormoran zu verscheuchen, gewöhne sich das Tier sehr schnell.

Was soll man dann tun? "Hängt den schwarzen Räuber", stand auf einem Transparent bei der Demo. "Nicht ausrotten, aber den Kormoran per Abschuss und Brutkontrolle auf ein gesundes Maß dezimieren", sagte Robert Trutter, 36, vom Anglerverein Karlsruhe. Dies ist mit mehr als 5500 Mitgliedern der größte Anglerverein in Baden-Württemberg.


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Autor: CAROLIN STÜWE | 22.03.2010

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