Elefanten im Visier und Enten im Gänsemarsch
Ulm. Der Ulmer Weihnachtszirkus zeigt fliegende und muskulöse Menschen - und erstmals Kühe. Aber auch drei Elefanten, was Tierschützer bei einer Demo bemängelt haben. Das Ulmer Veterinäramt ist präsent.
Den Vorhang weit auf, damit die drei Elefanten durchkommen, ohne gleich die schöne Weihnachtsdekoration herunterzureißen. "Elefanten gehören doch dazu zum Zirkus, das war schon immer so", findet Edeltraud Wochner, die mit ihrem Mann und den Kindern Lioba (8) und Linus (11) extra aus Ravensburg zur Vorpremiere nach Ulm gekommen war.
Vier Stunden später, kurz vor der Premiere am Abend, wurde dann vor dem Zirkuszelt die konträre Meinung zu Wildtieren im Zirkus kundgetan: 20 Aktivisten der Tierrechtsorganisation Peta zeigten ein Video, auf dem Elefanten geschlagen werden. Nach Meinung von Matthias Bergstaedt, dem Manager des Ulmer Weihnachtszirkus, wurde die Tierquälerei extra inszeniert.
Laut Polizei verlief die Peta-Demo an sich friedlich. Und als es zwischen Aktivisten und Zirkusmitarbeitern "Spannungen" gab, habe die Streife "jetzt zur Weihnachtszeit besänftigend auf alle einwirken können", bestätigt die Polizei.
Elefanten-Dompteur Lars Hölscher sagte zu den Vorwürfen der Tierschützer gegenüber der SÜDWEST PRESSE: Er habe ein Verfahren gegen Peta eingeleitet. Zur umstrittenen Wildtierhaltung im Zirkus meint Hölscher: Sollte das Verbot eines Tages kommen, "habe ich keinen Plan". Bei der Sitzung des Bundestags vor neun Tagen wurde ein Antrag der SPD für ein Wildtierverbot im Zirkus von der Regierungskoalition abgelehnt.
Hölschers drei Dickhäuter im Alter zwischen 38 und 44 Jahren seien im Zirkus aufgewachsen und seine "Kinder" - und die seiner Frau Christine. Sie bewegen sich frei im beheizten Stallzelt, umgeben von einem Elektrozaun. In der Vorführung wird das gegenseitige Vertrauen gezeigt, indem ein Elefant über den liegenden Dompteur steigt und Christine Hölscher zwischen zwei Elefantenköpfen Spagat macht.
Über die Tierhaltung urteilt Thomas Ley, der Leiter des Ulmer Veterinäramtes: "Die Tiere sehen wirklich gut aus", und meint damit ebenso die Makaken, Affen, die wie berichtet ebenfalls im Weihnachtszirkus auftreten. Alle Papiere seien in Ordnung. Jedoch werde es aufgrund der Vorwürfe der Tierschützer nicht bei den bisher drei Kontrollen bleiben. Ley: "Wir wollen sehen, ob an den Anschuldigungen etwas dran ist."
Zirkusmanager Bergstaedt ist davon überzeugt, das alles in Ordnung ist. Deshalb: Vorhang weit auf für die vielen engagierten Artisten wie die Truppe "Havanna". Die hübschen jungen Menschen zeigen Kraftakrobatik an Metallstangen und fantastische Sprünge am Springseil. Wunderbar anzusehen ist die Tempojonglage der "Glorias" mit Keulen und Fackeln. Bei der Truppe "Lanik" katapultieren sich die Akrobaten mittels Schleuderbrett in die Luft - sogar auf Stelzen.
Das "Duo Tarantini" erhält viel Applaus, wenn er seine Partnerin am Vertikalseil herumschleudert oder mit ihr unter der Zirkuskuppel auf der "Todesschaukel" balanciert. Beeindruckend ist auch die Equilibristik der drei Herren, die mit ungeheurer Körperbeherrschung zur Männerskulptur verschmelzen.
Und das alles zu Live-Musik des "Ukrainischen Staatsorchesters", das die temporeichen Nummern lautstark anheizt. Die fünf Musiker an Schlagzeug, Saxophon, Trompete, Gitarre und Keyboard haben sogar alpenländische Musik drauf. Damit begleiten sie "Anton und Heidi aus Tirol": Denn diese beiden bringen Laufenten, Kühe, Ziegen und Schafe in die Manege, lassen die Ziegen über die Kühe sowie die Enten im Gänsemarsch über die Rampe watscheln. Zirkus mit Haustieren - statt mit Wildtieren.
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Autor: CAROLIN STÜWE | 24.12.2011
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Kommentare (7)
gegen Zirkusse mit Tieren
Tiere gehören nicht in den Zirkus, sondern in die freie Wildbahn. Der Lebensraum "Zirkus" ist für die Tiere viel zu klein. Großkatzen z.B. stoßen nach einigen Schritten an Gitterstäbe, zwischen denen sie stundenlang verzweifelt hin und her streichen. Bären wiederum, eine von Natur aus sehr neugierige Art, leiden vor allem unter der Monotonie des Zirkusalltags. Und an Perversion grenzt die Haltung von Seelöwen: Tiere, die in freier Wildbahn bis zu 100m tief tauchen, müssen ihr Leben in umgebauten LKW's fristen. Hinzu kommt bei allen Tieren der krank machende Streß durch die ständigen Transporte und Auftritte vor klatschendem und johlendem Publikum. Deswegen sollte man in Zirkusse gehen, in denen nur Menschen auftreten, wie den Chinesischen Zirkus, Cirque du Soleil oder Flic Flac.Elefanten im Visier - Artikel 24.12.11
"Elefanten gehören zum Zirkus, das war schon immer so". Wenn eine Mutter diese Einstellung an ihre Kinder weitergibt, wird sich zukünftig nichts änderen. Die Nachfrage, also das Publikum ist da. Es will sich amüsieren, lacht über andressiete "Kunststückchen", die unter fragwürdigen, oft tierschutzwidrigen Umständen beigebracht werden. Wir müssen unsere Kinder sensibilisieren, nachzudenken, ob es für einen Elefanten erstrebenswert ist, in Gefangenschaft an Kettten zu liegen und in der Manege Männchen zu machen? Einem Wildtier die Freiheit zu nehmen, das sonst Kilometerweite Fußmärsche in seinem natürlichen Umfeld unternimmt? Solange die Nachfrage nach dieser Tierqual besteht, wird es auch das Angebot nach solcher geben. Dagmar Kaufmann-Widder, Vorsitzende Tierheim u.Tierschutzbund Ulm/Neu-Ulm u.U.e.V.Augen
...die Elefanten haben sehr traurige Augen......