Der Zuschauer als Kritiker für das Stück "Die lustige Witwe"

Glitzer, Grisetten, Glamour? "Die lustige Witwe" tippelt am Theater Ulm durch 60er-Jahre-Dekor samt Showtreppe. Die Zuschauer finden das unterhaltsam bis kitschig. Samira Eisele hat mit einigen gesprochen.

SAMIRA EISELE |

Janet Loos (42), Neu-Ulm: Ich habe einen unterhaltsamen Abend erwartet, und den habe ich bekommen. Besonders toll fand ich an der Inszenierung Benjamin Künzels, dass alle Sänger auch wirklich bei den Tanzszenen mitgemacht haben. Und die Details: Zum Beispiel die pinkfarbene Locke von Baron Zeta (Hans-Günther Dotzauer), die zum Kleid seiner Gattin gepasst hat. Die Kostüme (Angela C. Schuett) fand ich schrill, aber das hat mich nicht gestört. Auch die Lichteffekte fand ich sehr schön. Die Liebespaare haben die Spannung filmreif bis zum Schluss gehalten und ihre Zerrissenheit gut rübergebracht.

Max Bauer (75), Günzburg: Lustig war's! Aber ich war auch überrascht und zuerst einmal irritiert: Bin ich denn in einer Faschingsveranstaltung? Bei den Tanzszenen des Damenchors und wenn sich der Baron bei jeder Erwähnung des Vaterlands den Fuß beim Salutieren verrenken muss, habe ich mich gefragt, was das soll. Musikalisch und stimmlich war jedenfalls nichts auszusetzen. Insgesamt war es sehr amüsant - so soll es ja auch sein.

Rolf Wößner (52), Ulm: Ich fand den zweiten Akt besser, temperamentvoller, passender zur "lustigen Witwe". Bei dieser Operette ist es ja ein leidiges Thema: Die tollen Evergreens kennt man - etwa von Jopi Heesters gesungen. Da waren die männlichen Darsteller etwas blass dagegen! Aber die Musik war wunderbar, die Chorszenen im zweiten Teil haben Dampf gemacht und das bei karnevalesker Stimmung - mir hat's gefallen.

Daniela Schuon (45), Ulm: Die Inszenierung fand ich sehr humorvoll. Gesang und Musik haben mir gefallen. Das Bühnenbild (Britta Lammers) war schlicht wie immer, aber wirkungsvoll. Die besten Darsteller waren für mich Sally du Randt als Hanna Glawari und Tomasz Kaluzny als Graf Danilo Danilowitsch. Kanzlist Njegus (Joachim Pieczyk) hat die komödiantische Ader gut übersetzt. Den Camille de Rossillon (Thorsten Sigurdsson) im weißen Anzug und mit Elvistolle könnte man vielleicht abschwächen, aber alles in allem fand ich auch die Kostüme harmonisch.

Klaus Kirschke (77), Achstetten: "Die lustige Witwe" ist halt schon eine Klamotte - wenn man darüber wegsieht, war es gut gemacht. Ein großes, tolles Erlebnis war es nicht, aber eine gute Abwechslung zu den manchmal sehr modernen Stücken und eine schöne Abendunterhaltung. Das Glitzerige war mir ein bisschen zu kitschig.

Robert Bader (46), Vöhringen: Das Bühnenbild und die Kostüme haben nicht das Pariser Flair widergespiegelt, sondern eher Saturday Night Fever. Das hat mir nicht so gut gefallen. Die Musik hingegen war leicht und locker. Die Valencienne (Maria Rosendorfsky) wurde witzig und spritzig rübergebracht, Hanna Glawari (Sally du Randt) mit der besten Stimme absolut überragend. Graf Danilo war mir zu wenig dynamisch in Gestik und Mimik. Insgesamt war es eine sehenswerte Aufführung.

Christina Lutzenberger (17), Nersingen: Für mich war es die erste Operette und ich fand den hohen Gesang schwer verständlich. Die Übertitel waren hilfreich. Beim Vilja-Lied habe ich nicht verstanden, was es mit der Handlung zu tun hat. Ansonsten fand ich alles richtig gut. Da ich selbst in einer Theatergruppe spiele, habe ich auf die schauspielerische Leistung geachtet - und keine Fehler entdeckt.

Marie-Kristin Hauke (46), Ulm: Hans-Günther Dotzauer ist für mich der ungekrönte Operettenkönig. Das Orchester (Leitung: Michael Weiger) war sehr gut, hat aber manchmal die Sänger etwas erdrückt. In den Sprechparts war der Ton sehr leise und oft schwer verständlich. Schön fand ich, dass keine betonte Walzerseligkeit aufkam, sondern bei "Lippen schweigen" auch am Text orientiert nicht zu viel Bewegung war. Damit ist man der Kitschfalle entkommen. Das penetrante Hüftgewackel war mir etwas zu viel - Rosillon hatte am Ende bestimmt Muskelkater. Richtig rausgerissen haben es die Grisetten: geballte "Weiblichkeit". Wir sind ausgesprochen gut gelaunt nach Hause gegangen. Und mein Mann hat einen ganz einfachen Slogan: Dotzauer for president!

Philipp Schwarzwälder (30), Neu-Ulm: Ich bin für meine Frau eingesprungen und habe meine Schwiegermutter begleitet, obwohl ich dachte: oje, eine Operette. Dann war ich positiv überrascht. Eine geniale Inszenierung, die sich selbst nicht zu 100 Prozent ernst nimmt: Alles andere als verstaubt! Auch die Running Gags wie, dass der pensionierte Oberst Pritschitsch (Girard Rhoden) immer wieder von seiner Frau Praskowia (Johanna Ewals) gerufen wird - vorhersehbar, aber nett. Ich war rundum zufrieden.

Die nächsten Termine

Die nächste Aufführung von "Die lustige Witwe" ist heute, Mittwoch, 20 Uhr.

Termine im Dezember: Mittwoch, 3. Dezember, Sonntag, 14. Dezember, Sonntag, 21. Dezember, Mittwoch, 31. Dezember - jeweils 20 Uhr. Karten an der Theaterkasse (Telefon 0731/161 4444 oder E-Mail theaterkasse@ulm.de) oder online unter www.theater.ulm.de/karten und an der Abendkasse.www.theater-ulm.de

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