Der Unterricht steht Kopf

Sebastian Schmidt steht auf umgedrehten Unterricht. Der Lehrer hat im Mathematik-Unterricht an der Inge-Aicher-Scholl-Realschule den "Flipped Classroom" ausprobiert - mit sichtbarem Erfolg.

MADITA DIEZ |

Mathematik-Lehrer Sebastian Schmidt hat nach einer Lösung gesucht. Wie konnte es gelingen, seine Schulklasse zur aktiveren Teilnahme am Mathematikunterricht zu motivieren? Beim Stöbern im Internet stieß er vor ungefähr drei Jahren auf eine Idee aus den USA und begann, selbst gestaltete Erklärvideos im Netz bereit zu stellen. Seine damalige achte Klasse der Inge-Aicher-Scholl-Realschule war plötzlich Teil des "Flipped Classroom", was so viel heißt wie umgedrehter Unterricht.

"Der Lehrstoff wird über ein Video dargestellt, das die Schüler sich zuhause anschauen. Wenn etwas unklar ist, kann immer wieder zurückgespult werden. Im Unterricht bleibt dann mehr Zeit zum Üben und Vertiefen des Materials", erklärt Schmidt. Anfangs habe die Klasse wenig begeistert reagiert, doch nach und nach sei ein positiver Effekt sichtbar gewesen, und zwar ziemlich konkret: Die Schüler bekamen bessere Noten. Neben den Erklärvideos kamen auch noch andere Lehr-Methoden zum Einsatz. "Die Klasse sollte ihren Wissensstand selbst einschätzen und dann Gruppen bilden. Mädchen und Jungen, die weniger Übung brauchten als andere, konnten so die schwächeren Mitschülern als Tutor bei den Übungsaufgaben unterstützen", erzählt der Lehrer.

Für den umgedrehten Unterricht haben Schmidt und drei Kollegen aus Baden-Württemberg nun den ersten Platz beim Wettbewerb "Mint von morgen" (wobei Mint für die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik steht) belegt, der von der 2008 gegründeten Joachim-Herz-Stiftung ins Leben gerufen wurde. Die vier Preisträger sind die ersten Lehrer in Deutschland, die das amerikanische Konzept über einen längeren Zeitraum ausprobiert haben. "Dieser Preis bedeutet mir viel. Ich würde zwar auch ohne ihn mit dem Flipped Classroom weitermachen, aber natürlich ist es eine Bestätigung und Wertschätzung meiner Arbeit", sagt der 33-jährige Lehrer.

Zu machen sei das alles natürlich nur, wenn die eigene Schule auch dahinter steht. Da hatte Schmidt Glück, denn Schulleiter Stefan Vielweib hat das Projekt von Anfang an unterstützt, da er sich selbst seit Jahren für den Einsatz neuer Medien im Unterricht stark macht. Entsprechend stolz ist er auf seinen Kollegen: "Es ist toll, dass er einen sichtbaren Erfolg damit erreicht hat. Sowohl Lehrerkollegium als auch Eltern haben die Idee nie kritisiert. Und unsere Schule ist zudem medientechnisch optimal ausgestattet."

Inzwischen hat die erste Projektklasse ihren Abschluss gemacht. Die Schüler haben die Inge-Aicher-Scholl-Realschule verlassen, die Methode ist jedoch geblieben. Schmidt unterrichtet damit jetzt zwei neue Klassen im Fach Mathematik. Auf seiner Videoplattform sind mittlerweile mehr als 300 Videos zu sehen. Außerdem reist der technikaffine Lehrer von Stadt zu Stadt, hält Vorträge und bietet Workshops zu seinem Unterrichtskonzept an. Dabei liegt ihm eines besonders am Herzen: "Die Leute dürfen mich nicht falsch verstehen. Ich möchte den Unterricht nicht komplett durch Videos ersetzen. Viel mehr soll jede Lehrkraft für sich selbst entscheiden, wo ein digitaler Input notwendig ist, und wo nicht. Der umgedrehte Unterricht ist ganz klar ein Mehraufwand und vielleicht nicht für jede Klasse geeignet, aber einen Versuch ist es wert."

Info Wer sich selbst ein Bild von Sebastian Schmidt, seinen Erklärvideos und Erfahrungen mit "Flipped Classroom" machen möchte, kann seine Internetseite besuchen: www.flippedmathe.de

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