Busunglück: Fahrt zur Kur endet tödlich

Ulm/Elchingen.  Zwei Menschen sind am Sonntag beim Unfall eines Reisebusses auf der A 8 ums Leben gekommen. 16 erlitten schwere, 32 leichte Verletzungen. Der Bus war von der Fahrbahn abgekommen und hatte sich überschlagen.

War es der Hustenanfall eines Fahrgasts, der den 37 Jahre alten Busfahrer abgelenkt und zu einem Fahrfehler veranlasst hatte? „Jedenfalls haben wir keine Hinweise auf Fremdverschulden“, stellte Erhard Kratzel von der Autobahnpolizei in Günzburg am Sonntagmittag am Unfallort fest. Was auch immer der Anlass gewesen sein mag: Ein mit zwei Fahrern und 48 Reisenden im Alter zwischen 53 und 88 Jahren besetzter Doppelstock-Bus ist kurz nach 6 Uhr zwischen der Raststätte Seligweiler und dem Windrad in Richtung München von der Fahrbahn abgekommen.

Der etwa drei Jahre alte Neoplan-Bus eines im Südschwarzwald ansässigen Unternehmens rollte auf die an dieser Stelle nicht Leitplanken gesicherte drei Meter tiefe Böschung zu, kippte nach rechts und schlitterte auf der Seite liegend etwa 70 Meter parallel zur Autobahn einen Feldweg entlang.

Die Fahrgäste, Einzelreisende aus verschiedenen Gemeinden im Schwarzwald, waren auf dem Weg ins kroatische Istrien. In einen „Kur-Laub“ ins Küstenstädtchen Rabac, einer Mischung aus Urlaub und Kur also. Einmal die Woche stehe eine solche Fahrt auf dem Programm der Firma, berichtet ein Mitarbeiter des Unternehmens.

„Weil die obere rechte Fensterreihe des Busses völlig zerschlagen war und auf dem Feldweg noch viel Schnee gelegen hatte, schob der sich ins Businnere, sodass wir verschiedene Leute unter Schneehaufen bergen mussten“, berichtete Markus Tschiharsch, Kommandant der Thalfinger Wehr, die mit 25 Helfern unmittelbar nach der Ulmer Wehr eingetroffen war. „Ziemlich viele Leute waren bei unserer Ankunft noch angeschnallt. Vier aber derart eingeklemmt, dass sie aus dem Sitz geschnitten werden mussten.“ Die Verunglückten hätten sich recht ruhig verhalten. Er habe keinen Insassen schreien oder um Hilfe rufen hören, berichtete der Kommandant. „Alle standen massiv unter Schock.“

Die traurige Bilanz: Ein Ehepaar, er 78 sie 77 Jahre alt, aus Offenburg wurde getötet, eine 53jährige Frau aus Raststatt lebensgefährlich verletzt, 15 weitere Männer und Frauen erlitten schwere Verletzungen. Alle Verunglückten stammen aus dem südbadischen Raum.

Um sie in die umliegenden Krankenhäuser zu bringen, waren insgesamt neun Rettungshubschrauber auf dem angrenzenden Acker gelandet. Die leichter Verletzten wurden mit einem Bus in den 400 Meter entfernten Rasthof Seligweiler gebracht. Trotz der zahlreichen Gäste, die dort bewirtet wurden, und der für den weiteren Tagesverlauf angesetzten Konfirmationsfeiern wurde für sie ein Saal zur Verfügung gestellt. Dort wurden sie fürs erste versorgt und von Notfallseelsorgern und Kriseninterventions-Teams betreut.

Der Unglücksfahrer wurde selber leicht verletzt. „Die Ermittlungen zur Unfallursache und zum Unfallhergang dauern noch an“, hieß es weiter aus dem zuständigen Polizeipräsidium in Kempten. Auf Wunsch der Staatsanwaltschaft Memmingen sei ein Unfallgutachter zu den Ermittlungen hinzugezogen worden. Nach bisherigen Erkenntnissen habe kein technischer Defekt an dem Reisebus vorgelegen. Dessen Schaden: 200.000 Euro.

Nach Bergung der Verunglückten wurde der Bus mittels großer Kräne wieder auf die Räder gestellt und anschließend auf die Autobahn zurückgehievt, von wo aus er abtransportiert wurde. Die Autobahn selbst war zwischen den Anschlussstellen Ulm/Ost und Oberelchingen für zwei Stunden in beide Fahrtrichtungen komplett gesperrt. Die Sperrung in Richtung München konnte erst gegen 13.15 Uhr aufgehoben werden. Die Feuerwehr Unterelchingen hatte sich um die Absperrungen gekümmert.


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Autor: JÜRGEN BUCHTA | 14.03.2010

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