Zum Wegwerfen viel zu schade: Paul Diepold ist Sammler aus Leidenschaft

Eigentlich wollte er nur den Stapel Gartengeräte hinter seinem Haus aufräumen. Nun hat der Schlechtenfelder Paul Diepold eine Wand mit Gerätschaften bestückt und ist stolz auf sein kleines Hängemuseum.

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Paul Diepold vor seiner Gartengerätesammlung. In der Hand hält er ein selbst gebautes Gerät, das der akkuraten Pflanzlochbestimmung dient.  Foto: 

Wegwerfen geht bei Paul Diepold in Schlechtenfeld gar nicht. Und deshalb gibt es auf dem großen Grundstück am Ortseingang von Schlechtenfeld jede Menge Dinge, die man irgendwann für irgendetwas gebrauchen kann.

Der ehemalige Heizungsbauer ist ein leidenschaftlicher Bastler und dafür braucht er beinahe jedes Material. In einer Zeitschrift hat er ein so genanntes "Hängemuseum" gesehen, bei dem an einer Hauswand alte Gartengeräte aufgehängt sind. "Ich hab dann meinen Stapel mit Arbeitsgeräten aufgeräumt", sagt der 75-Jährige, "weil man da nichts mehr gefunden hat vor lauter Gruscht." In dem großen Haufen lagen Schippen, Rechen, Spaten, Schaufeln und Harken. Eben alles, was an Handwerkszeug beim Bauen und in der Landwirtschaft unentbehrlich ist. An der Garagenwand sind unter anderem nun zehn verschiedene Rechen und alle möglichen Varianten von Gabeln zu sehen. Die mit den meisten Zinken ist eine Kartoffel- oder Schottergabel und die vierzinkige Gabel gilt als klassische Mistgabel. Paul Diepolds alte Heugabel, die den Reigen komplett macht, zählt nur drei Zinken.

Auch zwei Schäferschippen sind in dem Gerätereigen gelandet. Als Kuriosum hängt eine Art Abstandhalter an der Wand, den sich Paul Diepold aus Heizungsteilen gebaut hat. Mit dem Rad fährt er beim Setzen von Zwiebeln über die frische Erde und erhält so immer gleiche Pflanzabstände. "Ich hätte aber gut und gerne nochmal so viel Sachen", sagt der Rentner. Bloß fehlt ihm dafür mittlerweile eine freie Wand.

"Das Zeug hat er alles schön in Reihe gehängt, weil er das noch von seinem Berufsleben kennt", lobt Paul Diepolds Frau Hildegard. Denn auch als Heizungsbauer musste er Rohre parallel verlegen und rechte Winkel einhalten.

Paul Diepold kommt aus Öpfingen und hat sieben Geschwister. Sparsamkeit lernt man da von alleine. Die Mutter habe ein kleines Äckerle gehabt und in den 1970er Jahren konnte der Heizungsbauer in Schlechtenfeld ein großes Grundstück erwerben. Dort baute sich der Handwerker erst selber ein Haus und später noch eines für die Söhne Rainer und Jürgen, so dass jeder der Jungs nun eine Haushälfte für sich hat. Auf dem Grundstück leben außerdem zwei Katzen, einige Laufenten und zehn Schafe, die die Wiese kurz halten. Der Schafstall ist ein ehemaliger Hühnerstall des Ehinger Krankenhauses. "Da gab es etwa vier Hühnerställe, einen Schweinestall und eine Gärtnerei", erinnert sich Paul Diepold.

28 Jahre lang arbeitete er im Krankenhaus im technischen Dienst. In der Zeit wurde viel gebaut und abgerissen. Diepold hatte immer ein Auge darauf: Ein großes Fenster aus dem Krankenhaus macht seinen Schuppen hinter dem Haus hell. Bei einer Toilette, die sich Paul Diepold in den Garten gebaut hat, wundert man sich über den Schriftzug "Eingang", der spiegelverkehrt zu sehen ist. Auch die grüne Rahmenfarbe erinnert an den Eingangsbereich des Ehinger Krankenhauses. "Man kann alles wieder verwenden", ist Paul Diepolds ausgelebte Maxime.

Deshalb lagern auf seinem Grundstück nicht nur Gerüststangen und Bretter, sondern auch Muttererde, die bei der Renaturierung in Mühlen übrig war. Paul Diepold hatte dafür Verwendung. Man wisse ja nie, wo man mal Erde brauche. Momentan ist das Haus des Sohnes eine Baustelle, denn dort entsteht eine Terrasse. Und damit kein Platz verschenkt ist, wird unter der Terrasse ein Kellerraum geschaffen.

Paul Diepold hat also den ganzen Tag Arbeit. Im Winter sind die vielen Obstbäume zu schneiden, die er gepflanzt hat. Ringlotten, Zwetschgen und Äpfel gehen bei Diepolds nie aus. Die Sammelleidenschaft haben auch die Söhne geerbt. "Der Jürgen läuft in den gleichen Stapfen", sagt Paul Diepold. Der Sohn pflegt jedoch noch eine andere Leidenschaft: Mit schrottreifen Autos, deren Auspuff nach oben hochgelegt ist, fährt Jürgen Diepold in Frankreich Autocross. "Die fahren durch richtig tiefe Seen", erzählt der Vater, der bisher nur Fotos von dieser Aktion gesehen hat. Die entsprechenden Fahrzeuge werden bei Diepolds nicht nur von Schafen, sondern auch von Bienen umkreist. Die Bienen sind die Leidenschaft von Jürgens Freundin, die sich als Imkerin um die Obstbäume kümmert und auf dem Erdhügel eine Bienenweide angelegt hat.

Von Paul Diepold kann man das Basteln und das Wiederverwerten von Materialien lernen. Als Ausgleichsgefäß für die Gewächshausheizung dient beispielsweise ein Bierfass und die Balken im Schuppen sind wiederverwertete Maibäume sowie ausrangierte Silobretter. Der Hit ist aber sicherlich die Gästetoilette mit der Tür des früheren Krankenhauseingangs.

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