Zukunft des Dorfladens in Griesingen bleibt offen

Wie lässt sich in Griesingen wieder ein Dorfladen ins Leben rufen? Rund 70 Interessierte kamen am Montag zum Infoabend ins Jakob-Griesinger-Haus.

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    Groß war das Interesse beim Informationsabend zum Dorflädele in Griesingen. Foto: 
  • Bürgermeister Oliver Klumpp (am Rednerpult), Frank Sauter, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Dorfladens in Aßmannshardt (links) und Bernhard Fiderer, Verkaufsberater der Firma Utz, informierten die rund 70 Besucher.  2/2
    Bürgermeister Oliver Klumpp (am Rednerpult), Frank Sauter, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Dorfladens in Aßmannshardt (links) und Bernhard Fiderer, Verkaufsberater der Firma Utz, informierten die rund 70 Besucher.  Foto: 
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„Seit März hat unser Dorflädele geschlossen. Das ist vor allem für die älteren Bürger schmerzhaft“, sagte Bürgermeister Oliver Klumpp einleitend in den Infoabend. Einen Dorfladen und damit eine Grundnahversorgung zu haben sei von hoher Bedeutung für die Dorfentwicklung, befand er. Deshalb habe sich der Gemeinderat intensiv mit einer Wiederaktivierung des Dorflädeles beschäftigt.

Um zu zeigen, wie dies in anderen Ortschaften gelungen ist, hatte der Bürgermeister zwei Experten eingeladen. Bernhard Fiderer, Verkaufsberater der Firma Utz Lebensmittel in Ochsenhausen, hat vor 25 Jahren bereits die Familie Gräter bei ihrem Tante-Emma-Laden betreut, und in den vergangenen Jahren Inge Freudenreich von der Eröffnung bis zur Schließung ihres Geschäfts. Fiderer berichtete über den Wandel von den „Tante-Emma-Läden“ in jedem Dorf weit in die 70er-Jahre hinein, bis die Supermärkte die kleinen Geschäfte verdrängt hätten.

Seit anderthalb Jahrzehnten finde nun ein Umdenken statt, zahlreiche genossenschaftliche Dorfläden seien aus der Taufe gehoben worden. „Und es gibt aktuell viele Ortschaften, die einen „Tante-Emma-Laden“ etablieren möchten“, sagte Fiderer. Er verwies auf die Variante einiger Gemeinden, die unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ eine Genossenschaft mit Anteilseignern aus der Bürgerschaft gegründet haben. „Wir haben bisher niemanden gefunden, der das Dorflädele selbständig betreiben würde. Was für Möglichkeiten gibt es für Griesingen?“, wollte Oliver Klumpp von Bernhard Fiderer wissen. Dieser plädierte für eine Genossenschaft.

Zum Standort des Dorfladens meinte er: „Die Fläche ist sehr begrenzt, aber für die Grundversorgung reicht es.“ Man müsse alle Bürger in die Pflicht nehmen. „Es liegt in eurer Hand, ob ein Laden aktiviert werden kann und dieser überlebt.“

Spannend waren die Ausführungen von Frank Sauter. Der ehrenamtliche Geschäftsführer der Unternehmergesellschaft (UG) „Unser Dorfladen“ in Aßmannshardt schilderte, wie aus einem samstäglichen Brötchenverkauf ein gut frequentierter Dorfladen entstanden ist. Die Initialzündung und die Umsetzung seien vom Ortschaftsrat getragen. Man habe die Form einer Unternehmergesellschaft (UG) gewählt, weil eine Genossenschaft viel mehr an Geld verschlinge, allein schon durch die jährliche Prüfung, zudem eine hohe Einlage notwendig sei.

Die UG lasse sich mit wenigen hundert Euro realisieren. Die Gemeinde habe ein altes Lagergebäude gekauft, teils aus ELR-Mitteln finanziert, und die rund 60 Quadratmeter große Fläche fünf Jahre mietfrei zur Verfügung gestellt. Den Grundstock zum Kauf von Einrichtung und Waren bildeten Anteile von je 200 Euro, die rund 80 Bürger erworben haben, und die Unterstützung durch einen örtlichen Förderverein. „Wir sind seit dem ersten Jahr in der Gewinnzone. Bisher haben die Mitglieder schon 100 Euro Gewinn gemacht.“ Allerdings mahnte auch Sauter, dass die Bürger hinter der Idee Nahversorgung stehen müssten, „sonst funktioniert es nicht.“

Weil sich beim Infoabend keine Lösung abzeichnete, will Bürgermeister Klumpp Fragebögen an alle Haushalte verteilen, um den Bedarf eines Dorfladens und die Wünsche der Bürger einzuholen. Mehrere Zuhörer befanden, dass der jetzige Standort für einen künftigen Laden viel zu klein sei.

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