Zuflucht auch für die Erschöpften

Vor 200 Jahren, Ende August 1814, wurde das österreichische Militärhospital Nummer vier in den unteren Räumen des Schlosses Obermarchtal von Fürst Karl Anselm von Thurn und Taxis aufgelöst.

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  • Im so genannten Befreiungskrieg gegen Napoleon Bonaparte  wurde die französische Vorherrschaft über große Teile des europäischen Kontinents beendet. 1814 und 1815 war das Schloss Obermarchtal unter Fürst Karl Anselm von Thurn und Taxis als Militärspital vereinnahmt worden. Fotos: Ingeborg Burkhardt 1/3
    Im so genannten Befreiungskrieg gegen Napoleon Bonaparte wurde die französische Vorherrschaft über große Teile des europäischen Kontinents beendet. 1814 und 1815 war das Schloss Obermarchtal unter Fürst Karl Anselm von Thurn und Taxis als Militärspital vereinnahmt worden. Fotos: Ingeborg Burkhardt Foto: 
  • Im so genannten Befreiungskrieg gegen Napoleon Bonaparte  wurde die französische Vorherrschaft über große Teile des europäischen Kontinents beendet. 1814 und 1815 war das Schloss Obermarchtal unter Fürst Karl Anselm von Thurn und Taxis als Militärspital vereinnahmt worden. Fotos: Ingeborg Burkhardt 2/3
    Im so genannten Befreiungskrieg gegen Napoleon Bonaparte wurde die französische Vorherrschaft über große Teile des europäischen Kontinents beendet. 1814 und 1815 war das Schloss Obermarchtal unter Fürst Karl Anselm von Thurn und Taxis als Militärspital vereinnahmt worden. Fotos: Ingeborg Burkhardt Foto: 
  • Im so genannten Befreiungskrieg gegen Napoleon Bonaparte  wurde die französische Vorherrschaft über große Teile des europäischen Kontinents beendet. 1814 und 1815 war das Schloss Obermarchtal unter Fürst Karl Anselm von Thurn und Taxis als Militärspital vereinnahmt worden. 3/3
    Im so genannten Befreiungskrieg gegen Napoleon Bonaparte wurde die französische Vorherrschaft über große Teile des europäischen Kontinents beendet. 1814 und 1815 war das Schloss Obermarchtal unter Fürst Karl Anselm von Thurn und Taxis als Militärspital vereinnahmt worden. Foto: 
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Vor 200 Jahren, Ende August 1814, wurde das österreichische Militärhospital Nummer vier in den unteren Räumen des Schlosses Obermarchtal von Fürst Karl Anselm von Thurn und Taxis aufgelöst. Von März bis zur Schließung waren dort 6500 Verletzte, Erschöpfte oder an Nervenfieber (Typhus) erkrankte Soldaten aufgenommen und von einem 300-köpfigen Ärzte- und Pflegeteam versorgt worden. Mehrere Hundert Soldaten aus Böhmen, aus dem Österreichischen Kaiserreich, Frankreich, Mähren, Ungarn und Russland starben innerhalb der einstigen Klostermauern an den "Kriegsfolgen". Sie wurden auf dem "Friedhof der Fremden" auf Gemarkung Untermarchtal, der auch Soldatenfriedhof Obermarchtal genannt wird, bestattet, wie eine Sterbeliste belegt. Auch Details über das Militärspital in Marchtal, das 1815 wieder eröffnet werden musste, sind im Landesarchiv sowie im Fürst-Thurn-und-Taxis-Zentralarchiv in Regensburg und in Archiven in Wien dokumentiert. Dr. Martin Dallmeier, langjähriger Leiter des fürstlichen Archivs, hat sie ausgewertet und einen Aufsatz publiziert. Ein Großteil der Niederschriften, vor allem der Schriftverkehr zwischen den Behörden, liegen im Landesarchiv in Sigmaringen, wie die Munderkinger Archivarin Ursula Erdt festgestellt hat.

Laut der Protokolle hatte es in Marchtal schon im 18. Jahrhundert Lazarette gegeben. Nach der großen Schlacht bei Meßkirch 1799, die später auf dem Triumphbogen in Paris vermerkt wurde, dienten das alte Schulhaus, der so genannte Kriminalsaal und die alte Schlosserei des Klosters als Spitäler. Viele der Verletzten aus Meßkirch kamen nach dem langen Transport in einem so erbärmlichen Zustand an, dass sie bald ihren Verletzungen erlagen und hier bestattet wurden, wie etwa Josef Hauenkam aus dem Kreis Pilsen oder Johann Nepomuk Horwarth aus Günz in Ungarn, der trotz 16-monatiger Pflege an schweren Verletzungen starb.

"Die schwerste Belastung für das fürstliche Schloss in der napoleonischen Zeit" sollte das Jahr 1814 bringen. Schon im Dezember 1813 hatte der kaiserliche Generalquartiermeister, Johann Freiherr von Prochaska-Coronini, von Freiburg aus eine Kommission gesandt, die prüfen solle, ob unter anderen großen Objekten auch das Schloss Marchtal für die Einrichtung eines Lazaretts samt Rekonvaleszenz-Abteilung geeignet wäre. Einwände, dass sich mit dem Spital nahe der durch Truppenmärsche stark frequentierten Militärstraße das Nervenfieber weiter ausbreiten könnte, schlug eine zweite österreichische Militärkommission aus Ulm im Februar 1814 ebenso in den Wind wie den Hinweis auf das leerstehende Schloss in Uttenweiler. In Marchtal habe es schon einmal ein Militärspital für 2000 Köpfe gegeben, war eines der Argumente, das für den Standort spreche. Unter der Auflage, dass das Spital sofort geschlossen wird, wenn es nicht mehr gebraucht wird, genehmigten Kaiser Franz I. und Fürst Metternich, dass das fürstliche Schloss für den militärischen Zweck beschlagnahmt wird.

164 Räume und Gänge in den unteren Etagen wurden als "K:K. Militärhospital Nr. 4" für 1500 Personen eingerichtet. Zuvor waren die kostbaren Textiltapeten und Möbel in die dritten Etagen, in die fürstlichen Räume und Pavillons, gebracht oder ins Schloss Heudorf ausgelagert worden. In den Nebengebäuden wurden die Ärzte, das Spitalpersonal samt Laboranten und die Verwaltung, insgesamt 367 Personen, untergebracht. Der Fürst wollte dafür entlohnt werden: Er forderte eine Brandversicherung in Höhe von 250 000 Gulden und für jeden Raum im Spitaletablissement drei Gulden Miete monatlich.

Noch während die Verhandlungen liefen, kamen am 13. März bereits die ersten 94 Kranken, die "auf dem Marsch marod geworden waren", im Schloss an. Bis 22. August wurden 6500 Kranke behandelt. "Um die 250 Soldaten starben an verschiedenen Krankheiten", wurde registriert.

Nach Abzug des Feldspitals wurde "das Schloss und seine Umgebung wieder in einen reinlichen Zustand gebracht und die baulichen Veränderungen beseitigt. Dazu zählte auch der Ausbau von 300 Ventilatoren an den Fenstern und die Räumung der Kloaken. Die Kosten für die Reparaturen samt Reinigung beliefen sich auf 2894 Gulden. Die Gemeinde bekam für ihre von Weihnachten 1813 bis August 1814 durch Truppendurchzüge und durch das Militärhospital entstanden Unkosten in Höhe von 10 085 Gulden vom württembergischen Oberamt nur 3888 Gulden erstattet.

Nach dem "Wiederausbruch des Krieges" befürchteten der fürstliche Oberrentmeister Payr in Bad Buchau, die Geheime Kanzlei in Regensburg sowie Oberamtmann Schlitz aus Ehingen im Mai 1815, dass das Schloss wieder als Militärhospital dienen müsse. Ihre Bemühungen zur Abwehr der Requisition blieben ohne Erfolg. Am 19. Juli wurde das Schloss mit dem "K.K. Feldspital Nr. 46" belegt, die Verlegung von 200 Patienten aus den Spitälern in Waldenbuch und Hellenstein wurde angekündigt. Ende August hatte sich die militärische Lage der K.K. Armeen gebessert. Man ging davon aus, dass mit keinem weiteren Zustrom von Kranken gerechnet werde musste. Von den 158 Kranken konnten 58 zur Armee zurückgeschickt werden.

Der Antrag der "fürstlichen Lokalbehörde" in Stuttgart für die Auflösung des Lazaretts wurde erst im folgenden Frühjahr umgesetzt. Im Oktober hatte Oberrentmeister Payr in Bad Buchau notiert, dass das Kommando zu Marchtal den Befehl, das Schloss zu verlassen und in Söflingen ein Filialspital einzurichten, ignoriert habe. Einem Gerücht zufolge werde das Hauptspital nach Krems in Österreich verlegt, ist der Notiz weiter zu entnehmen.

In der Tat zogen am 18. November vom Spitalpersonal in Marchtal ein Offizier, der zweite Chefarzt mit vier Unterärzten und 50 Krankenwärter nach Krems ab. Der fürstliche Generalagent Mörike hatte in Stuttgart von der Order gehört, dass das Marchtaler Lazarett aber erst aufgelöst wird, wenn die Patientenzahl unter die Grenze von 100 sinkt. Ein längerer Transport der Kranken könne bei dieser Witterung nicht erlaubt werden.

Die letzten fünf Kranken wurden am 15. März nach Ulm transportiert, Monate später hat eine Kommission die Schäden begutachtet. Schlossverwalter Rottacker hatte auf einer Liste in 16 Punkten zusammengestellt, was noch zu erledigen ist, wie die Abfuhr von elf Fuhren "zur Wegschaffung des Unrats", die Aussiedung der Schlosskapelle und des Gartensalons sowie der Rücktransport der ausgelagerten Möbel von Heudorf mit sechs vierspännigen Wagen. Die Klärung der strittigen Höhe der Miete sowie die Entschädigung an das Fürstenhaus für zwei Jahre Verzicht auf die Nutzung der Residenz zogen sich bis 1818 hin.

Vom Friedhof der Fremden zum Soldatenfriedhof

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