Zu schüchtern für das Leben

Ein skurriles Stück um einen Verlierertyp, der für sich selber einen Killer engagiert, probt die Theater-AG des Johann-Vanotti-Gymnasium. Vorlage ist Aki Kaurismäkis Film "I hired a contract killer".

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Henri Boulanger (Martin Knab, Mitte) begießt mit den zwei Kleinganoven Pete und Al (Philipp Meßmer und Michael Nix) einen Vertragsabschluss, mit dem er für sich selber einen Killer engagiert hat. Foto: Christina Kirsch

Erika ist Henris ganze Liebe. Erika ist eine Zimmerpflanze und die einzige Freundin des einsamen Franzosen Henri Boulanger. Haltlos, verloren, aber sehr korrekt lebt Henri in London. Im Theaterstück "I hired a contract killer" nach dem gleichnamigen Film von Aki Kaurismäki ist Erika ein Weihnachtsstern. In der Inszenierung der Theater-AG des Johann-Vanotti-Gymnasiums wird die Topfpflanze von Martin Knab als Titelhelden verehrt.

Der schüchterne Held gießt seine Erika liebevoll, während er selber an einem Teebeuteltee nippt. Die eigenen vier Wände sind Henris einzige Rückzugsmöglichkeit in einer hektischen Großstadtwelt, mit der der in sich gekehrte Buchhalter nichts anfangen kann. Knab spielt den ängstlichen Neurotiker, der sogar seine Kündigung gleichsam beiläufig und unbewegt annimmt.

Die Figur braucht nicht viel Worte und einige der Dialoge mussten von den Schülern unter der Regie von Volker Sonntag erst entwickelt werden. Denn die Vorlage lässt viel offen und so wird in London auch mal schwäbisch geschwätzt.

So introvertiert Henri durch sein Leben geistert, so ausgelassen ist der Rest des Ensembles. Man stürmt die U-Bahn, feiert Party und schwelgt in hippen Fummeln, die das schräge Milieu gut wiedergeben. Nur Henri ist der graue Büromäuserich im korrekten Anzug. Der Verlust seiner Arbeit lässt Henri still verzweifeln. Er will sich umbringen. Aber um sich selber zu erhängen ist er zu unpraktisch. Also heuert er im zwielichtigen Milieu einen Auftragskiller an, der Henri umbringen soll. Nach Vertragabschluss taucht wie die gute Fee aus dem Wunderland die Blumenverkäuferin Alice (Kristina Kessler) auf und prompt hat Henri keine Lust mehr auf Sterben.

Das übrige Bühnenpersonal ist reichhaltig und meistens schräg drauf. Es gibt harmlose Gangster, eine keifende Managerin, ein verzweifelnde Fotografin und eine hilfreiche Taxifahrerin. Das normalste in diesem Stück scheint noch Erika zu sein. Damit ihr kein Leid geschieht, wird sie sogar vor unangenehmen Anblicken geschützt. Henri verhängt ihr den Blick, als er versucht, sich aufzuhängen. Das allerdings ist sehenswert.

Info Aufführungen morgen und am Freitag jeweils 19 Uhr in der Aula des Gymnasiums. Eintritt frei, um Spenden fürs Theater wird gebeten

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