Zentrale Praxis in Ehingen

Vom neuen Jahr an gibt es in Ehingen im Krankenhaus eine zentrale Notdienstpraxis. Mit dieser Regelung für den Raum Ehingen-Munderkingen wollen Ärzte eine patientennahe Versorgung sicherstellen.

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An der Veränderung führt kein Weg vorbei: Es gibt so etwas wie den Druck von oben, sagt Andreas Rost als Vorsitzender des ärztlichen Notdienstvereins Ehingen-Munderkingen, und es gibt große Unzufriedenheit vor Ort. Die Rede ist vom ärztlichen Bereitschaftsdienst, mit dem die ambulante ärztliche Versorgung in der sprechstundenfreien Zeit sichergestellt wird. Organisiert im Rahmen der ärztlichen Selbstverwaltung von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Baden-Württemberg, gibt es derzeit etwa 400 Notfallbezirke, drei davon im Raum Ehingen: Ehingen mit Rißtissen, Oberdischingen, Öpfingen, Allmendingen; Munderkingen mit Rottenacker, Oberstadion, Obermarchtal, und Granheim sowie Schelklingen mit Blaubeuren.

In der Praxis sieht das nach Angaben des Allgemeinmediziners Rost so aus, dass die Kollegen in Ehingen im Verlauf eines Jahres 17 bis 20 Dienste haben, die im Raum Munderkingen gar 30. Das macht den Arztberuf extrem belastend und damit unattraktiv. Und hat, wie Kollege Dr. Martin Wagner erklärt, auch konkrete Folgen für die Versorgung der Menschen: "Arztpraxen, die alle zwei Wochen mal einen Tag frei haben, sind heute praktisch unverkäuflich." Verschwindet ein Arztsitz, bedeute dies Mehrarbeit für die anderen Kollegen und ein Ausblutung vor Ort, denn gehe der Arzt, gebe es alsbald auch die Apotheke nicht mehr. Und anderes.

Weil solche Prozesse überall stattfinden, hat die KV sich zum Ziel gesetzt, bis 2014 die Zahl der Notfallbezirke von 400 auf etwa 70 zu senken. Die sollen dann mindestens 50 Ärzte groß sein mit dem Ergebnis, dass jeder nur noch sieben bis zehn Dienste im Jahr absolvieren müsste. Erste Regelungen gibt es schon, zum Beispiel in Biberach, wo eine Notdienstpraxis den ganzen Kreis versorgt. Das funktioniere, sagt Rost, weil Biberach ziemlich in der Mitte des Kreises liege, "doch wo ist die Mitte des Alb-Donau-Kreises?"

Um zu verhindern, dass der Alb-Donau-Kreis bei einer Lösung von oben eine Struktur bekommt, die sich schon abgezeichnet hat, haben sich die Ärzte im Raum Ehingen-Munderkingen um Verbesserungen bemüht. "Im Raum stand, dass es eine zentrale Praxis in Ulm geben wird und von dort aus fünf Fahrdienste", berichtet Andreas Rost, ein Konzept, das der Facharzt für Allgemeinmedizin nicht gut findet. "Wir fühlen uns für die Leute hier zuständig", ergänzt Wagner, deshalb wurde in Kontakt mit dem Krankenhaus eine andere Lösung erarbeitet, die verhindert, dass in Fällen, in denen kein Hausbesuch des Arztes stattfinden kann, die Patienten nach Ulm müssen. Hilfreich war dabei das dichte Netz, in dem die Mediziner hier in der Region ohnehin schon zusammenarbeiten - über den Notdienstverein hinaus sind das vor allem das Gesundheitsnetz Süd (GNS), eine Genossenschaft von rund 1000 Ärzten in Südwürttemberg, das Ärztenetz im Alb-Donau-Kreis (Aida) und die im Juli in Ehingen gegründete "Gsundregion" (siehe unten). Unterstützt vom einflussreichen GNS mit Wagner als dessen Vorstandssprecher und in engem Kontakt mit der KV, die jeder Neuregelung zustimmen muss, entstand das Konzept der Notdienstpraxis im Ehinger Krankenhaus, von der Wagner und Rost sagen, dass sie sowohl dem Arzt den Dienst erleichtere als auch für die Patienten die wohnortnahe Versorgung sichere.

Künftig werden sich 65 Ärzte die Dienste teilen, und in der Praxis wird es - anders als bei vielen Notdiensten jetzt - auch medizinische Fachangestellte geben. Bisher ist es für Ärzte, die Bereitschaft haben, ein wirtschaftliches Risiko, bei 10 bis 15 Patieten je Notdienst in Munderkingen und 15 bis 20 in Ehingen auch eine Arzthelferin zu beschäftigen. Den Start in die neue Regelung übernehmen in den ersten drei Wochen die sechs Kollegen vom Vorstand des Notdienstvereins: "Wir wollen sicherstellen, dass das Konzept auch funktioniert", sagt Rost.

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