Wo Kummer und Harm schweigen

Liederstammtisch - Singen, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Das bietet der Liederstammtisch der VHS, der wieder sehr gut besucht war.

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Wolfgang Gentner begleitete am Klavier Advents- und Winterlieder beim Liederstammtisch im Franziskanerkloster.  Foto: 

„In einem Chor würden wir die Aufnahmeprüfung sicher nicht bestehen“, schmunzelte eine Seniorin beim Liederstammtisch im Ehinger Franziskanerkloster. Wer daran teilnahm, singt vorzugsweise unter der Dusche oder beim Fensterputzen. Selten jedoch im Chor und meist überhaupt nicht nach Noten. Das unbedarfte Singen ist auch die Intention dieses lockeren Treffens, das immer mehr Leute anzieht und einmal pro Semester zum gemeinsamen Singen einlädt. „Einfach mal singen“, sagt Wolfgang Gentner, der den Abend moderiert und am Klavier begleitet.

Zu früh für Weihnachtslieder

Am Dienstagabend waren Advents- und Winterlieder an der Reihe. „Ich habe noch keine Weihnachtslieder im Programm“, sagte der Chorleiter des katholischen Kirchenchors St. Michael und des Montagschors. Denn Weihnachtslieder sollten erst an Weihnachten gesungen werden. Auch seine Siebtklässler hätten sich schon Weihnachtslieder gewünscht, berichtete Gentner. Er habe sie dann gefragt, wie lange ihrer Meinung nach Weihnachten dauere. „So drei Tage“, schätzten die Schüler. Doch die Weihnachtszeit geht nach religiösem Verständnis bis Lichtmess am 2. Februar.

Wolfgang Gentner plauderte immer wieder aus der Schule. Bei dem Lied „Leise rieselt der Schnee“, das die Liederstammtischler als erstes sangen, heißt es in einer Zeile „still schweigt Kummer und Harm“. Das wisse heute kein Kind mehr, wer oder was Kummer und Harm seien, berichtete Wolfgang Gentner. Aber es beschäftige die Schüler auch nicht weiter. „Die denken dann, ‚lassen wir die beiden doch einfach schweigen‘“, erzählte Gentner. Der Liederstammtisch sang „Jingle Bells“ auf Deutsch und Klassiker wie „Es ist ein Ros‘ entsprungen“.

Nicht nur zu Gentners Lieblingsliedern gehört „Maria durch den Dornwald ging“. Das darin enthaltene „Kyrie eleyson“ stammt aus dem Urchristentum. „Und noch früher war es in vorchristlicher Zeit ein gebräuchlicher Huldigungsruf für Götter und Herrscher“, erklärte der Chorleiter. Im spätantiken Hofzeremoniell wurde der Kaiser mit diesem Ruf begrüßt, wenn er den Raum betrat. Die Christen haben diesen Huldigungsruf übernommen und heute hat fast jeder Schlagerstar dieses Lied auf der Weihnachts-CD.

Beim Liederstammtisch konnte man auch ein bisschen in den Schlagern seiner Kindheit schwelgen. „Zwei Spuren im Schnee“ hat Vico Torriani 1955 herausgebracht, Helene Fischer habe es erneut populär gemacht. „Wer ist eigentlich Helene-Fischer-Fan?“, fragte Gentner in die Runde. Niemand outete sich. Das sei ein erstaunliches Phänomen, dass „ich fragen kann, wo ich will, ich finde keine Helene-Fischer-Fans“, schüttelte der Chorleiter in gespielter Überraschung den Kopf.

Lied auf Schwedisch

Mit „Juchhe, juchhe, juchhe, der erste Schnee“ besangen die Stammtischler eine weiße Pracht, die Jahr für Jahr mehr auf sich warten lässt und zum Schlittschuhläufer-Walzer war man versucht mitzuschunkeln. Das Santa Lucia-Lied sangen die Hobbysänger sogar auf Schwedisch. „Es ist sehr schön, auch mal neue Lieder zu hören“, meinten Patrick Marx und Markus Buck. Im zweiten Teil wünschte sich jeder Stammtisch ein Lied und so kam im Gespräch auch die Geselligkeit nicht zu kurz.

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