Wer haftet für die Wildschäden?

Künftig kümmern sich Waldbesitzer und Jäger um den Schutz junger Bäume. Dabei kommt die Stadt den Jägern entgegen. Keine Einigung dagegen gab es bei deren Wunsch, die Haftung für Wildschäden zu begrenzen.

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Wildschweine richten zum Teil erhebliche Schäden auf Äckern an. Jäger und Landwirte sind sich uneins, wer dafür bezahlen soll.  Foto: 

Mit den Versammlungen der Jagdgenossenschaften Ehingen, Alb, Erbstetten und Rißtissen in der kommenden Woche geht im Raum Ehingen die Neuverpachtung der Jagden in die Schlussrunde. Im Vorfeld hat der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung die Neufassung der Pachtverträge beschlossen. Darin wird künftig, wie Oberbürgermeister Alexander Baumann vergangene Woche in der öffentlichen Sitzung bekanntgab, auf eine Rehwildbewirtschaftung mit behördlicher Abschussplanung verzichtet.

Neu in den Verträgen wird nach Angaben von Kreisjägermeister Johann Krieger auch sein, dass sich Waldbesitzer und Jäger die Kosten für den Schutz junger Bäume vor Verbiss durch das Wild teilen. "Die Eigentümer stellen das Material und wir bringen es an", berichtet Krieger über den Kompromiss, mit dem die Jäger zufrieden seien. Baumschutz werde durch den Umbau im Wald hin zu einem möglichst artenreichen Bestand immer mehr zum Thema; der bisherige Ansatz, mit der Jagd die Rehwildpopulation so zu regulieren, dass sich der Verbiss in Grenzen hält, reiche nicht mehr aus. Nach Angaben Kriegers sind zum Beispiel die harzreichen jungen Douglasien für Rehböcke ein Leckerbissen.

Keine Einigung gab es allerdings bei der Haftung für Wildschäden in der Landwirtschaft. Die Jägervereinigung Ehingen strebt hier, wie die in Ulm, eine Deckelung an. In den meisten Pachtverträgen müssen die Jäger unbegrenzt für Schäden aufkommen, die Landwirten entstehen, wenn zum Beispiel Wildschweine Maisfelder verwüsten. Das ist so, weil die meisten Jagdgenossenschaften, also die Gesamtheit der Waldbesitzer in einem Gebiet, die Verpflichtung, die das Bundesjagdgesetz zunächst ihnen als Grundstückseigentümer auferlegt, in den Pachtverträgen zu 100 Prozent auf die Jäger übertragen. "Das geht auch anders", sagt Krieger und verweist auf Beispiele in der Nähe wie Lauterach, Reutlingendorf und Münsingen, wo es bereits Haftungsbegrenzungen gebe. Auch im Kreis Neu-Ulm ist die Haftung des Jagdpächters für Wildschäden an der Ernte meist begrenzt; üblich sind dort etwa individuelle Deckelungen oder auch eine prozentuale Aufteilung.

"Die Jagd muss kalkulierbar bleiben", fordert Kreisjägermeister Krieger und stellt wie sein Ulmer Kollege Max Wittlinger schon mal als mögliche Konsequenz in den Raum, dass es künftig Jagden ohne Jäger geben wird. In Blaustein gibt es bereits erste Reviere, für die sich kein Jagdpächter gefunden hat. Dort bekommen Jäger nun kostenlos einen Begehungsschein, damit der Wildbestand nicht überhand nimmt. "Das muss jetzt jeder für sich selbst entscheiden", sagt Krieger mit Blick auf die anstehenden Neuverpachtungen im April, "ob er bereit ist, dieses Risiko zu tragen." Wittlinger formuliert es so: "Die Landwirte haben das Rundum-sorglos-Paket, sie sollen deshalb auch ihren Beitrag leisten." Dem widerspricht Hans Götz als Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ulm-Ehingen. "Wir haben auch Schäden, mit denen wir alleingelassen werden", sagt er mit Blick auf Biber und Dachs, für deren Verwüstungen Jagdpächter nicht aufkommen müssen. Im Übrigen sei es gelungen, in etwa 90 Prozent der Fälle, in denen ein Pächter besonders hohe Schäden zu begleichen hatte, eine Lösung im Einzelfall zu finden. Götz hat nichts dagegen, dass einzelne Landwirte ihrem Jagdpächter in der Frage der Haftung entgegenkommen, plädiert aber aus grundsätzlichen Erwägungen für die Haftungspflicht: Sie führe zu einem erhöhten Jagddruck, weil die Jäger sich kümmern müssten, die Wildschweine zu erlegen, um so die Schäden zu minimieren.

Es gilt aber als wahrscheinlich, dass im neuen Landesjagdgesetz, das Grün-Rot in diesem Jahr verabschieden will, auch die Landwirte bei Wildschweinschäden mit in die Pflicht genommen werden. Von einem Anteil von 20 Prozent ist die Rede. Es gebe die Zusage der Stadt, sagt Johann Krieger, in Ehingen auf das neue Landesjagdgesetz zu reagieren. Er macht aber auch klar, dass es mit dem neuen Gesetz zu Veränderungen kommen kann, auf die auch die Jäger reagieren müssten: "Wenn Niederwild, zum Beispiel Hasen, nicht mehr bejagt werden darf, sind einzelne Jagden hier völlig wertlos."

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