Wenn rasche Hilfe nötig ist

Der Adventsloskalender ist eine der wichtigsten Quellen für den Sozialfonds " Bürger für Bürger" Ehingen. Der hilft, wo Menschen in Not sind. Dass er gebraucht wird, zeigt die Bilanz fürs aktuelle Jahr.

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Wer arbeiten will, muss mobil sein. Das kostet - Ausgaben fallen an für Fahrkarten oder Fahrzeuge. Das Geld dafür haben längst nicht alle, auch deswegen, weil es im sozialen Netz in Deutschland Lücken gibt, wie sich in vielen Fällen zeigt, in denen zum Beispiel das Jobcenter, aber auch Institutionen wie die Caritas beim Ehinger Sozialfonds "Bürger für Bürger" um Hilfe nachfragen: Hat jemand eine Arbeit oder eine Ausbildungsstelle gefunden und bisher Leitungen aus dem Arbeitslosengeld II bezogen, enden die Zahlungen mit dem ersten Tag der Anstellung. Den ersten Lohn gibt es aber erst Wochen später, und Rücklagen für die Fahrt zur Arbeitsstelle, die zwischen Munderkingen und Neu-Ulm etwa 166 Euro im Monat kosten kann, hat man nicht bilden können. Also hilft der Sozialfonds, mal mit 41,90 Euro für die Versicherung eines Rollers, mal mit einem Darlehen zum Kauf eines gebrauchten Autos.

Andere brauchen in solchen Situationen des Übergangs Hilfe, um eine Wohnung beziehen zu können. Ohne Übernahme der Kaution und Beihilfe zum Kauf einer Waschmaschine hätte eine junge Frau ihre Ausbildung zur Altenpflegerin nicht antreten können, weil sich Jobcenter und Agentur für Arbeit dafür als nicht zuständig erklärt haben. Für eine junge Verkäuferin war der Start in eine Vollzeitarbeit nur möglich, weil der Sozialfonds mit 250 Euro den ersten Monat überbrückt hat: ALG II wurde eingestellt, den ersten Lohn für ihre neue Arbeit erhält sie erst sechs Wochen nach Beginn. "Es mehren sich die Fälle, in denen wir helfen müssen, damit die Leute ihren Job antreten können", fasst Elisabeth Waibel vom DRK Ehingen diese Entwicklung zusammen.

Zahlreich sind 2015 Anträge für Menschen, die sich Wichtiges nicht leisten können: Wer nach Abzug von Miete und Nebenkosten von 200 bis 300 Euro leben muss, hat keine Reserven für Unvorhergesehenes. Eine defekte Waschmaschine, ein Staubsauger, ein Kühlschrank, ein Herd, eine hohe Nachzahlung von Nebenkosten - dafür fehlt dann das Geld. In solchen Notlagen braucht es Soforthilfen, für die der Ehinger Sozialfonds "Bürger für Bürger" steht. Bei Elisabeth Waibel vom Roten Kreuz und Michael Wichert von der Caritas laufen die Anträge ein.

Unverändert wichtig ist Hilfe bei Mietkautionen. Viele brauchen eine preisgünstigere, eine bessere, oder Familien mit Kindern eine größere Wohnung, erklärt Elisabeth Waibel, doch es fehlt oft das Geld für die Kaution. Hier hilft der Sozialfonds genauso wie in Fällen, wo der Verlust der Wohnung droht: Stromabstellungen für Familien mit Kindern, Soforthilfen im Trennungsfall. Machten Schicksalsschläge weitere Ausgaben nötig und die Mietzahlung war deshalb im Rückstand, so half der Sozialfonds, bevor die Kündigung drohte.

"Alleinerziehend mit Hartz IV" heißt eine andere Notlage, die häufig in den Anträgen steht: kein Geld fürs Schullandheim der Kinder, für die Betreuung in den Sommerferien, kein Geld für einen Ranzen, kein Erspartes, wenn gleich zwei Kinder eine Brille brauchen. Und auch hier kein Geld für ein Medikament. Und manchmal braucht es Beihilfen zum Kauf von Windeln.

Vor acht Jahren haben das Rote Kreuz Ehingen, die Caritas und die SÜDWEST PRESSE den Sozialfonds gegründet. Ein Netzwerk der Hilfe, das aus Respekt vor den Menschen in Not still arbeitet, aber schnell und direkt. Und das gebraucht wird: Bis Mitte Oktober hat es in mehr als 480 Fällen mit Zahlungen von mehr als 260 000 Euro geholfen. Das Geld dazu sind ausschließlich Spenden - von Ehinger Betrieben, die direkt spenden oder den Sozialfonds unterstützen, indem sie mit Gutscheinen den Adventsloskalender erst möglich machen. Von Bürgern, die den Kalender kaufen, von Service-Clubs, die Benefizkonzerte organisieren, und von der Aktion 100.000 der SÜDWEST PRESSE, die jährlich einen hohen Betrag bereitstellt.

Anträge an den Sozialfonds kommen vom Jobcenter, der Caritas, der Bruderhaus-Diakonie, von amtlich bestellten Betreuern, vom DRK, von Pfarrern und Krankenkassen, von Jugend- und Familienhilfen. Bis Mitte Oktober hat der Sozialfonds in diesem Jahr mit Zahlungen von insgesamt 47 433 Euro geholfen. Gleichzeitig sind in den knapp zehn Monaten 7730 Euro an zinslos gewährten Darlehen zurückgezahlt worden - auch das ein Zeichen, dass die Hilfe wirkt und die Menschen ihr Leben wieder besser gestalten können.

So helfen Sie helfen

Sozialfonds "Bürger für Bürger"hilft im Raum Ehingen Menschen in Not, für die

es sonst keine Hilfe mehr gibt. Ziel ist, die Notlage rasch zu beheben und ein Konzept zu erstellen, das neue Perspektiven schafft. Jeder Euro kommt an, alle Beteiligten im Sozialfonds arbeiten ehrenamtlich. Spenden sind möglich aufs Konto 9330465 des DRK-Ortsvereins Ehingen, Sparkasse Ulm, Stichwort "Bürger für Bürger".

SWP

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