Wenn Ehinger sich in Buenos Aires treffen

Von Georgien nach Argentinien: Kerstin Unseld aus Ehingen und ihre Familie leben derzeit in Buenos Aires. Sie arbeitet dort als Deutschlehrerin und erlebte kürzlich, wie klein die Welt doch sein kann.

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    Kerstin Unseld in der Deutschen Schule und mit Maximilian Reisch, den sie in der Deutschen Botschaft traf. Fotos: Privat
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Wie klein die Welt doch ist. Diese Erfahrung hat Kerstin Unseld, geborene Bieger, in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires gemacht. Die 34-Jährige arbeitet dort als Deutschlehrerin, ihr Mann Dennis ist an der deutschen Botschaft tätig. Vor kurzem, als Kerstin Unseld beim deutschen Botschafter eingeladen war, traf die Ehingerin auf einen jungen Mann mit Ehinger Wurzeln: Maximilian Reisch.

Mittlerweile ist Maximilian Reisch, der Enkel des Ehinger "Narrenvaters" Günter Reisch, wieder zurück in Deutschland. 1997 zogen er und seine Eltern nach Schwendi, wo der Vater, einst "Ochsenwirt" in Ehingen, seither den "Oberschwäbischen Hof" betreibt. Von November 2014 bis zum Februar 2015 absolvierte Maximilian Reisch in Buenos Aires ein Praktikum im Wirtschaftsdienst der Deutschen Botschaft.

Das Leben im Ausland ist für Kerstin Unseld nichts Unbekanntes: Als ihr Mann Arbeit in der Deutschen Botschaft in Tiflis bekam, bewarb sie sich als Deutschlehrerin für die georgische Hauptstadt. Nach einigen Jahren kehrten die beiden im April 2012 zurück nach Deutschland. Kerstin Unseld war hochschwanger, Sohn Samy wurde in Ulm geboren. Seit Juli 2013 lebt die Familie - auch Hund Lou ist mit von der Partie - im Norden von Buenos Aires, im Stadtteil San Isidro. Das erste Jahr habe sie ehrenamtlich für einen Verein gearbeitet, der Austauschprogramme für Kinder und Jugendliche organisiert, berichtet Kerstin Unseld. Dann, im Juli 2014, kam überraschend ein Angebot der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA): Sie könne an der Deutschen Schule Hurlingham als Bundesprogrammlehrkraft anfangen.

Dort werden gut 900 Schüler unterrichtet; bereits im Kindergarten wird spielerisch der erste Kontakt mit der deutschen Sprache hergestellt. In der Grundschule beginnt der Deutschunterricht, der zum Ziel hat, erfolgreich auf eine deutsche Sprachprüfung vorzubereiten. Sie habe tolle Kollegen und eine sehr nette Schulleiterin, sagt Kerstin Unseld, die sich darüber freut, im Ausland arbeiten zu können. Für einen so genannten MAP, kurz für das bürokratische "Mitausreisender Partner", sei das schon etwas Besonderes. Für Sohn Samy, der im Mai drei Jahre alt wird, fand sie einen Kindergartenplatz. "Er geht dort sehr gerne hin, es ist ein kleiner argentinischer Kindergarten mit einem schönen großen Garten und einem Pool für den Sommer." Samy lerne so zwei Sprachen, Deutsch und Spanisch.

Hurlingham, wo Kerstin Unseld unterrichtet, liegt etwa 25 Kilometer entfernt vom Zuhause der Unselds. "Normalerweise ist es hier richtig anstrengend, längere Strecken zu fahren, weil die Straßen immer total verstopft sind, aber mein Schulweg ist sehr angenehm, weil ich immer antizyklisch fahre."

Im vergangenen Jahr unterrichtete Kerstin Unseld die Klassen 7, 11 und 12. In diesem Schuljahr, das im Februar begonnen hat, lehrt sie in den Klassen 10, 11 und 12. Die Schüler der 12. Klasse kommen jedoch erst wieder im April nach Argentinien, seit Anfang des Jahres sind sie in Deutschland im Austausch. Jedes Jahr gehen die Zwölftklässler nach Deutschland, etwa nach Stuttgart, Bretten, München oder Kiel und Ende Juni kommen dann die deutschen Schüler nach Hurlingham.

Auch Maximilian Reisch war als Schüler in Argentinien: 2007/2008 ermöglichte es ihm der Rotary Club Ehingen, die elfte Klasse in Argentinien zu verbringen. Derzeit studiert er an der Universität Mannheim Philosophie und BWL. "Da mich das Auswärtige Amt immer interessiert hat, habe ich mich für ein Praktikum - zwar nicht ausschließlich in, aber doch mit Präferenz für Buenos Aires - an einer deutschen Botschaft beworben", berichtet er. Und so kam er in die argentinische Hauptstadt. Die Praktikumszusage hat Maximilian Reisch nicht nur einen Einblick in die Arbeit einer deutschen Botschaft ermöglicht. Er konnte auch seine frühere Gastfamilie und seine Freunde in Argentinien wiedersehen. "Wir haben Weihnachten und Silvester gemeinsam verbracht."

Maximilian Reisch kann von einer weiteren schönen Begegnung berichten: Einer der ersten Kollegen an der Botschaft, mit denen er sprach, ist mit einer Frau aus Nasgenstadt verheiratet. Und deren Mutter wiederum sei eine Schulfreundin seiner Patentante. "Das hat mal wieder gezeigt, wie klein die Welt ist beziehungsweise, dass die Schwaben einfach überall sind."

Das Leben in Argentinien sei nicht immer ganz einfach, sagt Kerstin Unseld. "Wir haben ein sehr schönes Haus, allerdings mit hohen Mauern, Elektrozaun, Alarmanlage und Stacheldraht." Es gebe viel Armut, die Inflation ist hoch. Kerstin Unseld, ihr Mann, ihr Sohn und Hund Lou werden voraussichtlich bis zum Sommer 2017 in Argentinien bleiben - "und dann dreht sich das Versetzungsrad erneut".

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