Weizen im Hitzestress

Pralle Sonne und wochenlang kein Regen: Auf den Feldern in der Region dörrt es vor sich hin, die Erträge leiden. Und in den Wäldern steigt die Feuergefahr, Flieger halten nach möglichen Brandherden Ausschau.

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Junge Leute aus dem europäischen Ausland starten eine Lehre im Bezirk der Handwerkskammer Ulm.  Foto: 

Eine neue Hitzewelle trifft die Region. Laut Vorhersage wird die Temperatur heute auf bis zu 35 Grad nach oben schnellen - und für lange Schlangen vor Freibädern und Eisdielen sorgen. Sonnenhungrige können das Wetter unbesorgt genießen, Regen ist laut Wetterdienst nicht in Sicht. Wieder nicht. Schon seit Wochen sehnen die Landwirte einen ausgiebigen Niederschlag herbei. "Einen Landregen, der gemütlich kommt" - und eine gute Weile andauert, wünscht sich Mathias Härle, der - zusammen mit Rochus Kaifel - Bauernobmann im Erbacher Teilort Dellmensingen ist. Rund 15 Haupt- und Nebenerwerbslandwirte vertritt das Duo, alle leiden unter der Hitzewelle, die Felder vertrocknen lässt.

"Der Winterweizen ist im Totmodus", berichtet Härle. "Er schaltet ab." Der Fachmann spricht von "Notreife", das Getreide hört auf zu wachsen und bildet kümmerliche Ähren aus. "Die Zahl der Körner bleibt gleich, aber sie sind viel kleiner." Folglich schrumpft auch der Ertrag. Selbiges gilt für die Wiesen, auf denen das Viehfutter heranwächst. Oder besser: heranwachsen soll. Aufgrund von Wassermangel und Hitze treten Gräser, Klee und sonstige Wiesenpflanzen in einen Wachstumsstreik.

Auch der Mais - der je nach Sorte ab Mitte September geerntet wird - ist derzeit dringend auf Regen angewiesen. "Er kommt in die Blüte", sagt Härle. Fehlt in dieser Phase Feuchtigkeit, kommen keine anständigen Kolben zustande.

75 Milchkühe hält Härle in seinem Betrieb, Mais ist die Futtergrundlage. Fällt die Ernte schlecht aus, muss er Getreide zufüttern. Überdramatisieren will er die Lage aber auch nicht. Wegen der Hitze sei mit geringeren Erträgen zu rechnen, wie viel niedriger diese ausfallen werden, sei indes noch nicht klar. Zudem komme dann der Marktmechanismus ins Spiel: Geringere Mengen führen in der Regel zu höheren Preisen, was die Ernteausfälle der Bauern zumindest teilweise kompensiere.

Auch Georg Bendele, stellvertretender Vorsitzender des Bauernverbands Ulm/Ehingen, hält nichts davon, schon jetzt in Larmoyanz zu verfallen. "Im Donaugebiet gibt es noch genug Feuchtigkeit", sagt der Landwirt. Allerdings wirke sich das Wetter durchaus aus: Bei der Wintergerste - die vielfach bereits eingebracht ist - rechnet Bendele mit einem Ertragsrückgang von etwa 20 Prozent im Vergleich zu normalen Ernten. Bei Weizen, Mais, Raps und anderen Feldfrüchten müsse nun abgewartet werden. Regnet es aber auch in absehbarer Zeit nicht, werde es für die Bauern zusehends problematisch.

Helmut Schick vom Fachdienst Landwirtschaft im Landratsamt des Alb-Donau-Kreises geht davon aus, dass sich Hitze und Trockenheit negativ auswirken werden. So sei die optimale Temperatur für Getreide etwa im Bereich von 16 bis 20 Grad. "Der Hitzestress macht Weizen und Sommergerste zu schaffen", erläutert Schick. Mais vertrage die Hitze deutlich besser, leide jedoch unter der Trockenheit.

Probleme gibt es nicht nur auf den Feldern, sondern auch in den Ställen. 50 Milchkühe hält Bauernverbands-Vize Bendele in seinem Betrieb in Langenau, die Ventilatoren im Stall laufen auf Hochtouren, der Zugang zur Weide ist offen. Allerdings gehen die Tiere ungern nach draußen in die Sonne, auch ihnen ist es einfach zu heiß. "Bei 35 Grad verlieren die Tiere die Fresslust", berichtet Bendele. Und geben in der Folge auch weniger Milch, der Rückgang könne bis zu 15 Prozent der üblichen Milchleistung betragen.

Ganz ähnlich stellt sich die Situation jenseits der Landesgrenze im Landkreis Neu-Ulm dar, das ergibt ein Anruf bei Rupert Goldstein vom Landesamt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Krumbach. Viel hänge insbesondere von Lage und Bodenbeschaffenheit der Felder ab. Im Illertal etwa, wo auch Kiesabbau betrieben wird, sei die fruchtbare Schicht vergleichsweise dünn. Der Boden kann weniger Wasser speichern - und trocknet entsprechend schneller aus. Goldstein kann der aktuellen Wetterlage auch Positives abgewinnen: Zum Heumachen ist diese ideal.

Kreisbrandrat Bernhard Schmidt richtet seinen besorgten Blick in diesen Tage weniger auf die Äcker und Wiesen als auf die Wälder im Landkreis Neu-Ulm. Gerade im Süden des Kreises gebe es größere Waldgebiete. Und die Hitze hat das Gehölz ausgedörrt. Die Regierung von Schwaben bewertet die Waldbrandgefahr mittlerweile mit Stufe 4 - auf einer fünfstufigen Skala. Schmidt geht davon aus, dass heute wieder Erkundungsflüge stattfinden werden, um eventuelle Brandherde aufzuspüren.

In diesem Jahr hat es in den Wäldern im Kreisgebiet noch nicht gebrannt, das Risiko ist jedoch recht hoch. In der Regel lösen Menschen die Brände aus, die die Feuerwehr vor große Herausforderungen stellen, wenn sie nicht umgehend entdeckt werden. Dann wird es oft schon schwierig, genügend Wasser zum Löschen heranzuschaffen.

Vorsicht im Wald

Brandgefahr Um die Waldbrandgefahr einzudämmen, gibt der Neu-Ulmer Kreisbrandrat Bernhard Schmidt einige Tipps: kein offenes Feuer im Wald; keine glimmenden Zigarettenstummel wegwerfen; nur eingefriedete, ausgewiesene Grillplätze

benutzen und dort die Glut danach mit Wasser oder Erde vollständig löschen.

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