Martina Geist stellt in der Städtischen Galerie aus

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Die Stuttgarter Künstlerin Martina Geist beim Auspacken ihrer Kunstwerke in der Städtischen Galerie Ehingen. Foto: Pia Reiser  Foto: 

Eines war der Künstlerin Martina Geist bei ihrem ersten Besuch der Städtischen Galerie Ehingen sofort klar: Ihre großformatigen Fahnen möchte sie in dem lichtdurchfluteten Raum gleich am Ende der Treppe aufhängen. So sind die riesigen Textilarbeiten das erste, was der Besucher ihrer Ausstellung „Zankäpfel und andere Früchte“ in der Galerie zu sehen bekommt.

Ab dem 30. Oktober stellt die Stuttgarter Künstlerin hier nicht nur ihre Fahnen, sondern auch Fotografien, Holztafeln, Holzschnitte und Objekte aus. Am Dienstag baute sie zusammen mit Anne Linder und Volker Sonntag vom Verein Kunstfreunde Ehingen im zweiten Stock der Galerie ihre Ausstellung auf. Martina Geist hatte sich  im Voraus überlegt, welche Werke in welchen Raum kommen. Doch die endgültige Anordnung kann sie nur durch Ausprobieren herausfinden. „Letztendlich muss ich sehen, wie es wirkt, bevor ich mich entscheide“, sagt Geist.

Zeichnung steht im Raum

Der Titel der Ausstellung begegnet dem Besucher schon im ersten Raum: Auf drei mal vier Meter großen, weißen Polyesterbannern, wie sie Firmen auch für ihre Werbung nutzen, prangen Früchte wie Kirschen und Äpfel neben dunklen Zweigen und Blätter. Das Tageslicht der Fenster schimmert durch den Stoff. „Damit steht die Zeichnung im Raum“, fasst Geist den Eindruck in Worte. Die Früchte sind im Moment ihr Thema. Äpfel, Zitronen und Kirschen sind auch auf ihren Holztafeln und Fotografien zu sehen. Die Ästhetik, die Farben und Formen der Früchte faszinieren die Künstlerin. Die meist abstrakten und reduzierten Arbeiten strahlen Ruhe und Konzentration aus. Im Kontrast dazu prangt auf dem Werk „Zankapfel“ neben dem Apfel ein Messer. „An dem Begriff Zankapfel hängen verschiedene Sachen mit dran. Wenn man sich die Weltpolitik anschaut, da gibt es gerade so viele Zankäpfel, aber auch in Familien“, erzählt die Künstlerin. Doch sie betont, dass der Titel des Werkes nicht inhaltlich zu sehen ist, sondern ein Anstoß zur Betrachtung sein soll.

Stillleben mit Bewegung

Die Arbeiten von Martina Geist ähneln Stillleben, sie zeigen abstrahierte Früchte, Tassen, Löffel. Und doch unterscheidet sie etwas von  klassischen Stillleben: „Bei mir haben sie etwas mit Bewegung zu tun, eine Veränderung ist im Gang.“ So scheinen die Kaffeebohnen auf der einen Holztafel zu purzeln und die Tasse auf der anderen scheint gerade vom Tisch zu fallen. Das Thema Zeit spielt bei Martina nicht nur in dem Sinn eine Rolle, dass etwas in der Bewegung verharrt ist, sondern auch beim Betrachten und beim Herstellungsprozess. Denn die Holzschnitte fertigt die Künstlerin noch mit Ölfarbe an, und diese braucht Zeit zum trocknen.

Bei den Arbeiten der Stuttgarter Künstlerin ist besonders, dass sie einen Druckstock meist nur für einen Holzschnitt verwendet, eine Druckplatte wird also nur einmal verwendet. Doch auch den Druckstock bearbeitet die Künstlerin und schafft so aus den Holztafeln eigene Werke. Sie ähneln den Druckschnitten, sind jedoch nicht gleich. Mit diesem Element spielt die Künstlerin: Sie hängt beide Arbeiten in unterschiedlichen Räumen auf und schafft ein Wiedererkennen beim Betrachter. „Eine Ausstellung hat auch immer etwas mit Raum zu tun. Es geht darum, wie ich ihn mit meinen eigenen Arbeiten verändern kann“, erklärt die Künstlerin. Deswegen mag sie auch die Räume der Galerie in Ehingen: Hier entstehen neue Beziehungen zwischen den Arbeiten, weil der Blick durch mehrere Räume wandern kann.  Pia Reiser

Info „Zankäpfel und andere Früchte“, vom 30. Oktober 2016 bis 15. Januar 2017 in der Städtischen Galerie Ehingen. Bei der Vernissage am Sonntag, 30. Oktober um 11 Uhr, führt der Kulturamtsleiter Andreas Ruess aus Bald Saulgau in die Ausstellung ein.

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