Von Engeln neben uns

Von Engeln und der Gottesmutter Maria handelten die Gesänge bei der geistlichen Abendmusik in der Liebfrauenkirche. Sopranistin Katarzyna Jagiello interpretierte auch den Komponisten Paul Hindemith.

|
Die polnische Sopranistin Katarzyna Jagiello sang, begleitet von Volker Linz an der Orgel, beim geistlichen Abendkonzert in der Liebfrauenkirche.  Foto: 

"Engel sind die Menschen neben mir, die mir zum Engel werden", sagte Wolfgang Steffel in seinen einführenden Gedanken zu den Engel-Liedern der geistlichen Abendmusik, die am Sonntagabend die Konzertbesucher in die Liebfrauenkirche eingeladen hatte. Es ging um Engel, die als Hüter, Wächter, Beistand und Schutzschild den Menschen zur Seite stehen. Das "müssen nicht Männer mit Flügeln sein", sang die Sopranistin Katarzyna Jagiello zu Beginn ein Lied von Rolf Schweizer. Vermutlich hat nämlich jeder Mensch seinen eigenen, persönlichen Schutzengel und somit wären es "sieben Milliarden Schutzengel auf der Welt, für jeden einen", führte Steffel aus. Wenn die sich nur nicht mal gegenseitig auf die Füße treten. Aber Engel haben ja nach den gängigen Vorstellungen nach Flügel zum Fliegen. Doch auch diese Vorstellung gab Steffel zu überdenken. "Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans nach Hause bringen", zitierte er einen Aphorismus, der fälschlich Georg Christoph Lichtenberg zugeschrieben werde.

Aus der Vielzahl der Engel- und Marienlieder hatten die Sängerin und Kirchenmusikdirektor Volker Linz am Klavier unter anderem "Das Marienleben" von Paul Hindemith herausgesucht. In den Worten von Rainer Maria Rilke handelten die Gesänge von der Geburt Mariä über die Verkündigung, der Passion und der Pieta bis zum Tode Mariä. Der Engel ließ in dieser Vertonung Marias Mann Joseph begreifen, was mit seiner Frau geschah. Obwohl das für einen einfachen Zimmermann eigentlich unbegreiflich ist. Und so ballte Joseph die Fäuste in Anbetracht dessen, "was Maria so verwandelt hat". Man hörte innere Aufruhr, Verzweiflung und nur tröpfelnde Töne in der Passion.

Eingängiger und den menschlichen Gefühlen näher sang Katarzyna Jagiello danach das bekannte Lied "Gott hat mir längst einen Engel gesandt" von Thomas Gabriel. Wunderbar interpretierte sie auch Felix Mendelssohn-Bartholdys Komposition "Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir". Wolfgang Steffel ging am Ende auf den Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer ein, der aus dem Berliner Kerker die ergreifenden Zeilen zu dem von Siegfried Fietz vertonten Gedicht "Von guten Mächten wunderbar geborgen" schrieb. Mit zuversichtlichen Gedanken und dem Abendsegen endete eine anspruchsvolle und besinnliche Abendmusik.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Volkstrauertag kein rückwärts schauendes Ritual

65 Millionen Menschen sind derzeit aut der der Flucht vor Gewalt. Auch ihrer gedachten gestern am Volkstrauertag die Bürger der Donaustadt Munderkingen. weiter lesen