Von der Schrottkiste zum Schmuckstück

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Liebevoll streicht Mario Novak mit einer Hand über den neu glänzenden roten Lack des Sportcoupés. Es ist ein Alfa Romeo Montreal, gerade mal 4000 Modelle wurden davon in den frühen Siebzigern gebaut. Zwei davon stehen in Novaks Werkstatt an der B 465 in Ehingen. Die Autos gehören ihm aber nicht, es sind Fahrzeuge, die er für seine Kunden bearbeitet. Ein blitzblank glänzendes Modell wartet darauf, dass ihn sein Besitzer abholt. Das andere Modell allerdings sieht weniger fahrtauglich aus: Zwar ist die Karosserie schon schön rot lackiert, aber Lichtabdeckungen und Reifen fehlen noch.

„Das ist mein Reich“, verkündet der 30-Jährige grinsend und öffnet die Motorhaube des unfertigen Autos. „Wir haben die Räder runter gemacht, die Felgen müssen noch lackiert werden“, sagt er. Außerdem wurde der Unterboden mit Trockeneis gereinigt. Diese Art der Reinigung wird angewendet, wenn eine Oberfläche gesäubert, aber nicht beschädigt werden soll, ist also prädestiniert für die Oldtimer-Aufbereitung. Dabei werden die Trockeneis-Partikel mit Druckluft auf die Schmutzschicht geblasen. Durch die extrem niedrige Temperatur des Trockeneis (-78° C) verhärtet sich der Schmutz, zieht sich zusammen und wird spröde – die Schmutzschicht bricht auf und löst sich von der Oberfläche.

Auto bis zu 100 000 Euro wert

Das ist die Kunst des Restaurierens: Bearbeiten statt Ersetzen. „Wir ersetzen so wenig wie möglich“, sagt Novak. Umso mehr Originalteile im Auto verbaut sind, desto höher steigt der Wert desselben. Und gipfelt in der „Magic Number“ – die magische Zahl ist dann erreicht, wenn Motor, Karosserie und alles drum herum die gleiche Herstellernummer hat, erklärt Novak. Dann kann ein fertig restaurierter Montreal, der aus seiner Werkstatt rollt, schon mal 100 000 Euro wert sein. Novak zeigt auf den Motorraum des fertigen Alfa Romeo Montreals: Alles liegt sauber und da, wo es anscheinend hin gehört.

Ein bisschen Patina sei noch vorhanden, sagt Novak und zeigt offensichtlich zufrieden auf die kleinen Altersflecken oder den alten Schlauch, die noch im Motorraum zu sehen sind. Originalität spielt eben eine große Rolle. So werden beispielsweise auch alte Ledersitze nicht einfach frisch bezogen: Risse werden mit Flüssigleder gestopft und dann abgeschliffen, mit einem ganz feinen Papier erklärt Novak.

Wenn er morgens aufsteht, kommt er gern hierher – in seine eigene Werkstatt. „Autos haben mich immer schon interessiert und ich hab´ schon immer daran herum geschraubt“, erzählt er. Vor knapp fünf Jahren hat sich der gelernte Industriemechaniker dann mit einer Werkstatt für Fahrzeugaufbereitung selbstständig gemacht, und rutschte dann erst durch seine Kunden in die „Oldtimer-Szene“. Das Wissen über die Restaurationen brachte er sich selbst bei. Mittlerweile hat er drei 450-Euro-Arbeiter im Team, die ihm bei den Arbeiten helfen.

Arbeit mit Herzschmerz

Heute, nach 30 bis 40 Autorestaurationen, redet Novak noch immer von seinem Traumberuf. Länger zu arbeiten ist kein Problem für ihn, schließlich weiß er, wofür er es tut. „Es ist das, wofür ich lebe - außer für meine Familie und den Hund.“ Dementsprechend viel Herzblut fließt in seine Arbeit und ebenso groß ist der Herzschmerz, wenn er eines „seiner“ Autos nach etwa einem Jahr Bearbeitung wieder an den Besitzer übergibt.

Das Traumauto gibt es zwar auch, aber das hat er nicht auf seinem Hof stehen, sagt Novak. Noch nicht. Es wäre auf jeden Fall ein Lamborghini – er zeigt auf die Lamborghini-Schilder, die überall die Wände zieren. Seine Bekannten wissen um seine Vorliebe, auch, dass das Baujahr eine entscheidende Rolle spielt. „Ganz ehrlich, ich würd´ mir einen Oldtimer zulegen.“ Die heutigen Autos seien einfach nicht mit den alten Modellen zu vergleichen, sagt Novak. „Früher hatten die Autos Charakter, waren individuell, heute sieht alles gleich aus.“

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