Von dem Mord an einem Zwölfjährigen

Ein Gedenkstein auf dem Emerberg hat den Schriftsteller Volker Demuth zu einer Erzählung inspiriert. Sie handelt von dem Mord an dem Buben Joseph Wiker. Morgen liest er sie im Riedlinger Kino.

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Vor kurzem ist der in Zwiefaltendorf lebende Autor Volker Demuth in Marbach für sein Gesamtwerk mit der Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung ausgezeichnet worden. Dazu gehört auch die Erzählung über den Mord an dem zwölfjährigen Joseph Wiker aus Emeringen, im Jahr 1818 begangen durch Michael Starkmann, dem zuvor von Wikers Vater entlassenen Knecht. Der Gedenkstein an seinem Spazierweg am Emerberg machte Demuth neugierig und ließ ihn die Untat recherchieren. Zu Hilfe kam ihm dabei eine Broschüre von Ulrich Dewald aus Münsingen, der diesen Fall in den 1990ern aufarbeite und aus Gerichtsakten zitierte.

Demuth hat den Fall literarisch verarbeitet und sich dabei auch von anderen Kriminalfällen Anfang des 19. Jahrhunderts anregen lassen: Wie geht man mit verarmten Menschen um, die sich gar nicht mehr anders zu helfen wissen, als ein Kapitalverbrechen zu begehen, das auch durch die Lebensumstände entstanden ist? Dann die Auseinandersetzung der Sühne aus theologischer Sicht in der Rechtsprechung, die größte Untat mit der größten Strafe zu vergelten. Demgegenüber stand ein neues Strafrecht, das die Lebensbedingungen des Delinquenten und seine politische Minderwertigkeit berücksichtigt sehen lassen wollte, mit dem Anspruch, die Psychologie eines Täters zu begreifen.

Darum bemühte sich damals Anselm von Feuerbach, an dem sich Starkmanns Pflichtverteidiger Keppler aus Ehingen orientierte. Ein aktuelles Thema, sagt Demuth. Keppler hatte Erfolg: Starkmann wurde nicht gerädert, sondern durch das Schwert hingerichtet. Volker Demuth lässt die Leser in seiner Erzählung "Starkmann. Ein Fall" teilhaben an den Gedanken und Befindlichkeiten des Kindes, das durch die Wälder von Emeringen unbeschwert Zwiefalten zustrebt, wo es Lateinunterricht erhält und auch an jenen Michael Starkmanns - vor der Tat sowie im Gefängnis.

Erschienen ist die Erzählung in dem Band "Die Ufer des Tages" des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg. Nicht nur die Erzählung wird morgen von 20 Uhr an im Riedlinger Kino zu hören sein. Als Besonderheit gibt es sie als Hörspiel mit verschiedenen Rollen. So können die Besucher den Kriminalfall aus unterschiedlicher Perspektive verfolgen. Starkmann selber komme dabei nicht zu Wort. Es wird in vier Handlungssträngen über ihn gesprochen, so auch über seine Hinrichtung am 5. Juni des Jahres 1820 vor 7000 Menschen in Münsingen, die ihren Niederschlag in Winfried Aßfalgs preisgekröntem Buch "Strafen und Heilen" fand.

Eine besondere Herausforderung war die visuelle Umsetzung des Hörspiels, der sich mit Demuth der Riedlinger Fotograf Thomas Warnack stellte. Die Fotos seien keine Bebilderung des Falles, erläutert der Autor. Die Geschichte solle im Kopf des Zuschauers entstehen, ob im Gerichtssaal oder an den Orten draußen, wo sie spielt.

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