Vom Friedhof der Fremden zum Soldatenfriedhof

Vor 200 Jahren wurde der Soldatenfriedhof erstmals erwähnt. Im Spital Nummer 4 in Obermarchtal starben von März bis August 1814 täglich 10 bis 15 Patienten. Im Dorffriedhof war schon vorher kein Platz mehr.

|

Erstmals urkundlich erwähnt ist der Soldatenfriedhof zwischen Unter- und Obermarchtal 1814. Als "Friedhof der Fremden" hatte er an der Ost-West-Achse, der "Heerstraße" entlang der Donau, schon mehrere Jahrhunderte bestanden. Auch durchreisende Obdachlose und Handwerker, die hier starben, oder Menschen der Region, die den Freitod suchten, wurden hier beerdigt. Die letzte Ruhe fanden auch Soldaten, die während der Gefechte in Oberschwaben, der Schlacht bei Meßkirch 1800 oder danach, im Obermarchtaler Lazarett starben. Die meisten der weit mehr als 1000 Bestatteten verstarb 1814 bis 1816 im Militärspital im Schloss Obermarchtal. Täglich seien es 10 bis 15 gewesen, berichtet der Historiker Dr. Helmut Veitshans aus Mössingen. Es waren Soldaten aus Europa, aus Deutschland, Österreich, Böhmen, Frankreich, Polen, Russland und Ungarn, die während der napoleonischen Kriege verletzt, nach der Völkerschlacht in Leipzig 1813 auf der Flucht oder auf dem Marsch in die Schweiz oder nach Frankreich waren, aus überfüllten Lazaretten hierher verlegt oder Opfer der Typhus-Epidemien wurden oder einfach an Entkräftung starben.

"Hier ruhen verbunden im Frieden des Todes Soldaten von allen Teilen Europas", steht auf einem Gedenkstein von 1946 am Eingang des Soldatenfriedhofs, wie er seit 1814 genannt wird. Der damalige Förster Norbert Jäger setzte sich beim Fürsten Thurn und Taxis dafür ein, dass er den Friedhof als Gedenkstätte gestalten durfte und die im Ort bestatteten Militärangehörigen umgebettet wurden. Er setzte zwei Schilderhäuschen, bemalt mit den Farben der Nationen, die hier vereint sind, an den Eingang. Als Zeichen für den frühen Tod junger Menschen errichtete er über einem Sammelgrab einen abgebrochenen Obelisken. Am 8. Juni 1829 wurde die Ehrenstätte im Beisein von 300 Mann der Bürgermilizen aus Ehingen, Munderkingen, Zwiefalten und Obermarchtal in Uniform, mit Musik und mit Militärsalven, eingeweiht. Norbert Jäger und seine Frau wurden auf ihren Wunsch nach ihrem Tod inmitten der Soldaten beigesetzt. Aus den Weltkriegen kamen 27 deutsche Gefallene hinzu. 1955 wurde der Soldatenfriedhof neu gestaltet, um die 1500 Personen nahmen danach an der Weihestunde mit Landrat Dr. Wilhelm Tauscher und dem Landtagsabgeordnetem Tiber Fundel sowie den Bürgermeistern aus dem Landkreis teil. Dabei wurde die Ehrenstätte des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge in die Obhut der Gemeinde Obermarchtal übergeben, die die Pflege an die Feuerwehr übertrug. Zuletzt fand 1993 dort eine Feierstunde französischer Veteranen der Division des Marechal Ledere mit Soldaten der Bundeswehr statt, zum Gedenken an Opfer der Kriege.

Info Details über die Einquartierungen und Einrichtung von Lazaretten im Kloster Obermarchtal bis 1803 nach der Französischen Revolution und während der Kriege von Napoleon bis zur Verbannung beschreibt Dr. Winfried Nuber im vom Geschichtsverein Munderkingen herausgegeben Buch "Aus der Geschichte des Klosters Obermarchtal". Darin geht er auch auf den Soldatenfriedhof ein. Der Autor des Untermarchtaler Heimatbuches, Wolfgang Rieger, hat dem Soldatenfriedhof ebenfalls ein Kapital gewidmet. Die Forschungsergebnisse von Dr. Helmut Veitshans aus Mössingen hat Bürgermeister a. D. Hermann Branz unserer Zeitung zur Verfügung gestellt.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Dachsanierung des evangelischen Gemeindezentrums: Keine Leute, kein Geld

Die evangelische Kirchengemeinde hat in den letzten Jahren viel gebaut und sieht sich außerstande, für eine komplette Dachsanierung des evangelischen Gemeindezentrums am Wenzelstein aufzukommen. weiter lesen