Vier Zeugen, wenig Klarheit

Großer Aufwand, kleine Wirkung: Im Ehinger Amtsgericht ging es erneut um den Angriff zweier Männer auf einen Pizzaboten. Das Urteil steht aus.

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"Die Vernehmung der vier französischen Zeugen hat zum Sachverhalt nicht allzu viel Neues ergeben", stellte Richter Wolfgang Lampa gestern fest. Im Ehinger Amtsgericht ging es erneut um den Angriff auf einen Pizzaboten. Zwei Männer, 44 und 51 Jahre alt und Mitglieder der Bandidos - der ältere ist so etwas wie der Sicherheitschef seiner Truppe -, sollen den jungen Mann Ende Juli 2011 mit Schlägen und Tritten attackiert haben.

Grund für die Attacke: Ein Dutzend bestellter Pizzen wurde zu spät geliefert. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus, die den beiden angeklagten Männern gefährliche Körperverletzung vorwirft. Bereits Ende Februar war der Fall verhandelt worden, die Verteidiger hatten jedoch auf die Aussage weiterer Zeugen bestanden (wir berichteten). Vier von ihnen waren nun aus dem französischen Nizza angereist.

Der Dolmetscher rückte aus Stuttgart an und ein halbes Dutzend Polizisten hatte im sowie vor dem Sitzungssaal Position bezogen. Die Bandidos sorgen immer wieder wegen Gewaltdelikten für Schlagzeilen. Die vier Franzosen konnten jedoch kaum Erhellendes beitragen. Ja, sie hätten draußen laute Stimmen gehört. Einer wollte dann aus dem Fenster der Wohnung gesehen haben. Doch "un disput" - sei er verbaler oder körperlicher Art - hatte keiner von ihnen beobachten können. Sie hätten nicht viel mitbekommen, sagten die Männer aus. Diejenigen von ihnen, die von der Wohnung im ersten Stock nach unten gingen, kamen offenbar erst an, als der Pizzabote bereits weg war. Es sei letztlich auch schwer, allein anhand der Stimmen einen Streit zu erkennen, meinten die Männer. Das Deutsche sei, im Vergleich zum Französischen, viel lauter, härter, kehliger.

Auch zwei weitere Zeugen aus der Region konnten nichts Neues beitragen. Die Zeugen hätten seiner Einschätzung nach die Wahrheit gesagt, meinte Richter Lampa. "Die Frage ist schlichtweg die: Glaubt man der Darstellung des Geschädigten oder den Angeklagten?"

Der Pizzabote wurde gestern lediglich von seiner Anwältin Michaela Christ vertreten. Er hatte angegeben, dass er, als er die Pizzen lieferte, zunächst von dem 44-Jährigen geschlagen wurde. Dann sei der 51-Jährige dazugekommen, habe ihn in den Klammergriff genommen und ebenfalls geschlagen. Davon geht auch die Staatsanwaltschaft aus. Der 51-Jährige bestreitet die Vorwürfe. Er sei hinzugekommen, als das Gerangel vorbei war.

Der 44-Jährige ließ seine Anwältin Christine Thurau eine Erklärung verlesen. Demnach habe der Pizzabote ihn angegangen, provozierend am Auto gelehnt. Da habe er ihm eine Backpfeife gegeben, es kam zum Gerangel, man sei gemeinsam unglücklich gestürzt. Dem 44-Jährigen steht demnächst ein Verfahren wegen Bildung bewaffneter Gruppen ins Haus. Mihael Milosevic, Anwalt des 51-Jährigen, brachte als Theorie ins Spiel, dass auch ein anderer für den Klammergriff verantwortlich sein könnte. Nun soll - am Dienstag, 29. Mai, 13.30 Uhr, auch nochmal der Pizzabote aussagen.

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