VHS: Tübinger entführen Munderkinger in traumhafte Welt

Die Tübinger Saloniker haben Salonatmosphäre in vorderösterreichische Mauern gebracht: Im Rathaussaal fanden sich 34 Besucher ein.

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Sängerin Katharina Zerres und die Tübinger Saloniker haben das kleine Munderkinger Publikum erfreut. Foto: Ingeborg Burkhardt

Wäre am Samstagabend im Rathaussaal ein Heuriger serviert worden, dann hätten die 34 Besucher des ersten Konzertes der VHS in der Herbst-/Wintersaison gemeint, dass sie im Wien des beginnenden 20. Jahrhunderts sind. Die vier Streicher, der Pianist und die Sängerin Katharina Zerres füllten für das Publikum den Rathaussaal in der einst vorderösterreichischen Stadt mit Walzern, Operettenmelodien, Märschen, frechen Liedern und Parodien, Chansons und Schlagern aus der fernen österreichischen Hauptstadt.

Es war eine kleine Auswahl der 300 000 Schlager und Melodien, die in der Kaisermetropole abends von klassischen Streicher-Ensembles gespielt wurden, in dem Wien, "in dem es vor 100 Jahren kein Radio und keinen Fernseher gab und keiner wusste, wie er ins Internet kommt", wie der Moderator und Streicher Salonorchesters vom Neckar scherzte. "Wir sind eine so genannte fünfstimmige Wiener Kaffeehaus-Ur-Besetzung, die ohne Bläser und Schlagzeug auskommt", fügte Peter Pasch hinzu. Der pensionierte Pädagoge lud die Zuhörer ein, mit den Tübinger Salonikern einzutauchen in die "traumhafte Welt der Schlager des beginnenden 20. Jahrhunderts". Mit Melodien und Hits, die in den Cafés, Restaurants, Gasthäusern, Hotels, in den Kurorten, privaten Salons und in Stummfilmkinos gespielt wurden, als die Leute noch jeden Abend fortgingen. Und die in den Zentren Wien, Berlin, Paris und Budapest live gespielt und gesungen wurden, bis die Schlager mit den aufkommenden Grammophonen und dem Rundfunk ihren Siegeszug um die Welt antraten und zu unvergessenen Hits wurden.

Die professionell ausgebildete Sängerin Zerres schlüpfte zur Begeisterung des Publikums in Rollen wie die der "feschen Lola" oder der "von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellten" Marlene Dietrich aus dem Blauen Engel. Über Enttäuschung hinweg helfen wollend, interpretierte das Quintett mit der Sängerin den Hit "Wer wird denn weinen wenn man auseinandergeht." Bevor es swingend weiterging zu "Bei mir bist Du schön. . .". Oder der Frage "Haben Sie schon mal im Dunkeln geküsst".

Bevor es im Ratshaussaal nach begeistertem Applaus dunkel wurde, stellten sich die Mitglieder des Ensembles, Peter Pasch (Violine solo), Rudolf Pasch (Violoncello) Reinhard Baumann (Kontrabass), Wolfram Erchinger (Violine obligato) sowie Dieter Oelkrug (Klavier) vor. VHS-Leiterin Simone Bertsche bedankte sich bei den Musikern für die schönen Stunden mit moderierter Zeitgeschichte. Mancher Besucher nahm zur Erinnerung auch noch eine CD des Ensembles mit.

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