Vergessenes Gutachten

Die Bahn verweist auf ihren Integralen Taktfahrplan und sagt, ein IRE-Halt in Erbach sei unmöglich. Ein Gutachten, das zu einem anderen Schluss gekommen war, scheint in Vergessenheit geraten zu sein.

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Kein IRE-Halt in Erbach. Ein Gutachten sagt das Gegenteil. Foto: Matthias Kessler

Die Idee klingt gut: Der "Sprinter" von Ulm nach Friedrichshafen hält nur in Biberach und Ravensburg, dafür legt der Interregio-Express (IRE) in Erbach und in Schemmerberg (Kreis Biberach) zwei zusätzliche Stopps ein. Diesen Vorschlag hat das Schweizer Beratungsunternehmen SMA im Auftrag der Interessengemeinschaft Südbahn erarbeitet und nach eigenen Angaben festgestellt, dass damit die Zahl der Fahrgäste um 20 Prozent steigen könnte.

Das Gutachten liegt seit Anfang Dezember vergangenen Jahres vor. Heiner Scheffold, stellvertretender Landrat des Alb-Donau-Kreises, sprach damals von einem erfreulichen Ergebnis für die Region, das aber einer näheren Prüfung bedürfe. Damit spielte er den Ball dem baden-württembergischen Verkehrsministerium zu, denn das Land schreibt über seine Nahverkehrsgesellschaft die auf den jeweiligen Strecken zu erbringenden Leistungen aus. Offenbar hat das Ministerium von Winfried Hermann (Grüne) das Gutachten bislang ignoriert. "Wir kennen noch keine Reaktion", sagte Bernd Weltin, Sprecher des Landratsamts gestern.

Auch für die Bahn scheint das SMA-Papier keine Rolle zu spielen. Eckart Fricke, Bevollmächtigter für Baden-Württemberg, erwähnt es jedenfalls in einem Schreiben an den Landtagsabgeordneten Martin Rivoir (SPD) aus Ulm nicht. Stattdessen betont Fricke (wie berichtet), der Integrale Taktfahrplan (ITF) für Baden-Württemberg erlaube keinen IRE-Halt in Erbach. Ziel seien "schnelle, umsteigefreie Linienverbindungen und neue Anschlussbeziehungen in Friedrichshafen Richtung Basel". Das sei mit der Elektrifizierung der Südbahn möglich, wenn die IRE-Züge wie bisher in Laupheim-West, Biberach, Bad Schussenried, Aulendorf, Ravensburg und Meckenbeuren halten.

Als es im Landtagsausschuss für Verkehr und Infrastruktur kürzlich um die Elektrifizierung der Südbahn ging, spielte das SMA-Gutachten ebenfalls keine Rolle. Minister Hermann betonte laut Protokoll die Notwendigkeit, noch in diesem Jahr die Finanzierungsvereinbarung mit dem Bund abzuschließen. Andernfalls könnte das Bundesverkehrsministerium das auf 226 Millionen Euro veranschlagte Projekt erneut einer Kosten-Nutzen-Analyse unterziehen. Dies könne sogar "das endgültige Aus" bedeuten. Dass nach dem SMA-Konzept die Zahl der Fahrgäste und damit der Nutzen steigen würde, erwähnte Hermann offenbar nicht.

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