Literatur: Sabine Behn-Bartl über die Shortlist

Weniger dröge wäre besser: Ehinger Buchhändlerin Sabine Behn-Bartl über die Shortlist.

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Sabine Behn-Bartl tippt auf „Die Hauptstadt“.  Foto: 

Begeisterung über die Auswahl der Anwärter auf den Deutschen Buchpreis sieht anders aus. Einen Favoriten hätte Sabine Behn-Bartl aber dann doch. Wenn am 9. Oktober der „beste Roman des Jahres“ prämiert wird, würde sie am liebsten Robert Menasse als Gewinner sehen. „Es ist auch ein Krimi um die europäische Fleischindustrie. Ein zeitgemäßes Thema, amüsant und satirisch erzählt“, urteilt die Ehinger Buchhändlerin über „Die Hauptstadt“. „Es muss nicht immer deutsch-deutsche Geschichte sein oder das 19. Jahrhundert.“

Kritik übt Behn-Bartl an der Auswahl: „Wie die Entscheidung für die Liste zustande kommt, ist uns Buchhändlern ein Rätsel.“ Es scheint, „je abgehobener, je intellektueller, ja je dröger, desto besser“. Thomas Lehrs „Schlafende Sonne“ sei so ein Beispiel. Lehr, in diesem Jahr zum dritten Mal nominiert, überfrachte das Werk mit Metaphern. „Man kann kaum folgen“, moniert Behn-Bartl. Die Liste aber sollte nicht nur Feuilleton-Leser bedienen, sondern allen Lust auf Literatur machen. Die Anwärter auf den französischen Prix Goncourt oder den englischen Booker Prize „dürfen spannender sein und unterhalten“. In Deutschland hingegen „geht unterhaltsam gar nicht.“ Eine Untugend, bedauert Behn-Bartl. Dabei sei dieser Bücherherbst voller „Traum-Neuerscheinungen“.

„Meinen persönlichen Buchpreis bekommt Mariana Leky.“ Ihr Roman „Was man von hier aus sehen kann“ sei ein „Hammerbuch“. Und auch der Autor Peter Stamm hätte laut Behn-Bartl längst den Deutschen Buchpreis verdient. Dann gibt es doch Versöhnliches zur Shortlist 2017: Franzobels „Das Floß der Medusa“ sei bemerkenswert, Gerhard Falkners „Romeo oder Julia“ eine witzige Geschichte und den Roman „Außer sich“ der Debütantin Sasha Marianna Salzmann würde sie gerne lesen. 

Info Unterhaltung garantiert: Am 29. September, 20 Uhr, liest im Buchladen der preisgekrönte Poetry Slammer George Watsky aus seinem Werk „Wie man es vermasselt“ und wird von Schauspieler Steffen Nowak begleitet.

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