Ungemein witzig und spannend: Ingrid Noll liest im Ehinger Buchladen

Mit Ingrid Noll las im Ehinger Buchladen eine ungemein witzige und lebenslustige 79-jährige Autorin, die ihr neuestes Buch „Hab und Gier“ vorstellte. Schwarzhumorig ist auch dieses Werk der Vielschreiberin.

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„Zuerst möchte ich Ihnen ein paar Grabinschriften vorlesen“, begann die Autorin Ingrid Noll im ausverkauften Ehinger Buchladen ihre Lesung. Als Einstimmung auf einen Grabspruch in ihrem neuen Werk „Hab und Gier“ gab Ingrid Noll Sprüche wie „Hier ruhen meine Gebeine. Ich wünschte, es wären Deine“ oder den Spruch eines Gentlemans mit „Gestatten Sie, dass ich liegen bleibe“ zum Besten. Sie wohne in Weinheim, meinte die Autorin, und gehe gar nicht so ungern auf dem dortigen Friedhof spazieren. „Mein Mann kann dann gleich seine ehemaligen Patienten besuchen“, scherzte die Autorin, die mit einem nicht mehr praktizierenden Arzt verheiratet ist. „Mein Buch ist aber gar nicht lustig“, machte sie unmittelbar darauf die Kehrtwende und verwies auf ihre Lieblingsthemen Mord und Totschlag. Gute Tipps, wie man jemanden schnell und schmerzlos umbringen könne, erhalte sie wiederum von ihrem Ehemann.

Üblicherweise sind es in Ingrid Nolls Romanen die Frauen, die ihre Ehemänner oder Liebhaber auf unkonventionelle Weise um die Ecke bringen. Das liege daran, dass Frauen mehr über sich und ihre Gefühlswelt reden, erklärte die Autorin nach der Lesung. Zur männlichen Gefühlswelt fehle ihr ein bisschen der Zugang, obwohl die Männer in ihren Romanen langsam auch als Kriminelle in Erscheinung träten. In ihrem neuesten Buch „Hab und Gier“ sind es jedoch wieder die Frauen, die morden. In diesem Fall kann man es sogar als Auftragsmorde sehen. Der Auftrag kommt vom ehemaligen Arbeitskollegen der Heldin Karla, der umgebracht zu werden wünscht. Als Lohn für diese Tat stellt er Karla seine Weinheimer Villa einschließlich allen Zubehörs in Aussicht. Geschwätzig, wie Ingrid Nolls Heldin nun mal ist, weiht sie ihre Freundin Judith ein. Die wiederum kann es nicht lassen, einem ziemlich verkommenen und mittellosen Freund alles zu erzählen.

Einleitend ist es in dem Krimi eine Grabinschrift, die für Karla einen Hinweis auf das Eheleben des Witwers Wolfram gibt. „Bleib wo du bist“, ließ Wolfram auf das Grab seiner Verblichenen schreiben. Dieser Spruch wird auf den folgenden 250 Seiten immer wieder vorkommen. So viel sei verraten: Karla und Judith geben dem verlockenden Angebot nach, aber der Mord entwickelt sich anders als geplant. Die Verfilmung des Buchs sei bereits in Vorbereitung, verriet Noll. Auch das nächste Buch stehe vor der Vollendung und komme zu ihrem 80. Geburtstag heraus. Sie schreibe jedoch nur nach Lust und Laune, bekannte Ingrid Noll, deren vier Enkelkinder in der Nähe wohnen und die Oma öfter besuchen. Ihre Ideen schnappe sie bei Zugfahrten auf. Auch beim Bügeln fiele ihr das eine oder andere ein. Ingrid Noll begann ihre Karriere als Autorin erst mit 50 und bringt seitdem alle zwei Jahre einen Roman heraus. „Dann haben wir ja noch Chancen“, meinte eine Leserin.

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