Ist die Kehrwoche typisch schwäbisch?

|
Vorherige Inhalte
  • "Umfrage zur Kehrwoche im Rahmen des Peak: Echt schwäbisch". Heike Herrmann  Foto: Corinna Jirmann 1/6
    "Umfrage zur Kehrwoche im Rahmen des Peak: Echt schwäbisch". Heike Herrmann Foto: Corinna Jirmann Foto: 
  • "Umfrage zur Kehrwoche im Rahmen des Peak: Echt schwäbisch". Silvia Beckmann  Foto: Corinna Jirmann 2/6
    "Umfrage zur Kehrwoche im Rahmen des Peak: Echt schwäbisch". Silvia Beckmann Foto: Corinna Jirmann Foto: 
  • "Umfrage zur Kehrwoche im Rahmen des Peak: Echt schwäbisch". Michaela Hartmann  Foto: Corinna Jirmann 3/6
    "Umfrage zur Kehrwoche im Rahmen des Peak: Echt schwäbisch". Michaela Hartmann Foto: Corinna Jirmann Foto: 
  • "Umfrage zur Kehrwoche im Rahmen des Peak: Echt schwäbisch". Rosanna Olschewski Foto: Corinna Jirmann 4/6
    "Umfrage zur Kehrwoche im Rahmen des Peak: Echt schwäbisch". Rosanna Olschewski Foto: Corinna Jirmann Foto: 
  • "Umfrage zur Kehrwoche im Rahmen des Peak: Echt schwäbisch". Benedikt Hecht  Foto: Corinna Jirmann 5/6
    "Umfrage zur Kehrwoche im Rahmen des Peak: Echt schwäbisch". Benedikt Hecht Foto: Corinna Jirmann Foto: 
  • 6/6
Nächste Inhalte

Heike Herrmann (49)

aus Ennahofen:

„Ich finde die Kehrwoche nicht typisch schwäbisch. Früher habe ich im Kreis Leipzig in einem Dreifamilienhaus gelebt, da wurde auch regelmäßig samstags gekehrt und jeder hat sich daran gehalten. Allerdings hat jeder nur sein eigenes Stockwerk gemacht. Jetzt haben wir ein eigenes Haus ohne Gehweg davor, sondern mit einem geschotterten Feldweg, da fällt das Kehren weg.“

Silvia Beckmann

aus Dellmensingen:

„Ich bin zwar Schwabe, aber ich halte mich nicht so ans Protokoll. Ich putze einfach dann, wenn es dreckig ist, ohne das genau festzulegen. Generell ist die Kehrwoche meiner Ansicht nach schon etwas typisch Schwäbisches. Das sieht man in unserer Siedlung ganz gut: Kehren, Rasen mähen, Gartenarbeit, das wird alles fleißig erledigt, meistens am Samstag. Da ist es immer wie geleckt.“

Michaela Hartmann

aus Ehingen:

„Nein, die Kehrwoche ist überhaupt nicht typisch schwäbisch. Ich habe schon in mehreren Bundesländern gelebt, und da gibt es keine großen Unterschiede zu hier – eher im Gegenteil. In Ehingen wohne ich in einem Drei-Parteien-Haus ohne offizielle Putzregeln. Jeder macht halt seine Treppe, aber ohne festen Tag, ohne Kontrolle. In Sachsen kenne ich ganze Stadtteile fast nur mit Hochhäusern. Und in denen gelten meist sehr feste Putzregeln. Da nimmt man es oft sehr genau.“

Rosanna Olschewski (23)

aus Altbierlingen:

„Ich finde, die Schwaben halten sich alle akribisch an die Kehrwoche. Ich wohne bei meinen Eltern im Einfamilienhaus und muss im Haushalt selber regelmäßig ran, auch kehren und Laub fegen. Ich finde es sinnvoll, wenn es so festgelegt ist: Einmal pro Woche, dann gibt es auch keine Ausrede. Früher hatte ich eine Mietswohnung in Wiblingen, da kümmerte sich eine Putzfrau ums Treppenhaus. In größeren Städten wird es sicher häufiger an Fremde vergeben.“

Benedikt Hecht

aus Frankenhofen:

„Mein Eindruck ist: Die Schwaben sind etwas lockerer geworden. Heute haben mehr Leute als früher ihr eigenes Haus, so wie wir. Und da macht man das Putzen oder Kehren nicht mehr an einem bestimmten Wochentag fest. Wenn viele Blätter runter fallen, kehrt man halt öfter als sonst. Der Winterdienst wird natürlich auch erfüllt. Man kehrt einfach nach Bedarf, statt nach festen Regeln. Und man achtet auch nicht mehr so darauf, was der Nachbar macht, selbst bei uns auf dem Dorf ist das inzwischen so.“ Corinna Jirmann

Historisches zur Kehrwoche

Bereits 1492 verordnete der Landesherr für die Stadt Stuttgart, dass jeder Bürger „seinen Mist alle Woche hinausführen“ solle, damit die Stadt rein bleibe. Auch die „Gassensäuberungsverordnung“ von 1714 sprach von einer Pflicht zur wöchentlichen Reinhaltung. Und die Straßen-Polizei-Ordnung von 1811 legte fest, dass niemand davon ausgenommen sei. Ob jemals ein Ordnungsgeld verhängt wurde, ist nicht bekannt, war aber wohl angesichts aufmerksamer Nachbarn gar nicht notwendig. Erst im Dezember 1988 wagten es der damalige OB Manfred Rommel und die Stadträte, den Paragrafen 4 abzuschaffen, der besagte, dass „mindestens einmal wöchentlich“ zu reinigen sei. Die neue Verordnung schrieb nur eine Reinigung bei Bedarf vor, also bei tatsächlicher Verschmutzung. Prompt folgte eine kontroverse Diskussion in der Bevölkerung. Rommel sah sich daher genötigt zu betonen, es handele sich nur um öffentliche Flächen, nicht um Hausflure und Treppenhäuser. (Quellen: Wikipedia, Stuttgarter Zeitung).

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Scherben erzählen vom Mittelalter

Die archäologischen Grabungen auf der Baustelle der Volksbank bringen mittelalterliche Siedlungsstrukturen zum Vorschein und lassen Rückschlüsse auf den Alltag der Bewohner zu. weiter lesen