Türkisch-islamischer Kulturverein Ditib kümmert sich um 30 Flüchtlinge

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50 Mitglieder arbeiteten bei der Ditip im Schichtdienst mit. Foto: Ingeborg Burkhardt  Foto: 

Die Moschee in Munderkingen an der Rottenacker Straße ist schon lange zu klein für die 90 Mitglieder des türkisch-islamischen Kulturvereins der Ditib, der vor knapp 30 Jahren offiziell aus der Taufe gehoben wurde. Mit der Ankunft der gleich-gläubigen Flüchtlinge sei es noch problematischer geworden, sagt der Vorsitzende Hasan Yolcu. Von den rund 50 Flüchtlingen, die in Munderkingen oder in den umliegenden Gemeinden leben, kämen die meisten zum Beten, vor allem Syrer.

Noch immer stehe die Genehmigung aus für den Neubau ihrer Moschee, der auf dem Parkplatz des Heims geplant ist, dem einstigen Bistro „Walk In“ am Angerweg. Am Vorabend ihrer Herbst-Kermes haben sie in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Bürgern die Ehinger Moschee gezeigt.

Geselligkeit standen am Samstag und am gestrigen Sonntag bei der Herbst-Kermes in und um das „Walk In“ im Vordergrund. 50 Frauen und Männer arbeiteten im Schichtdienst, um Spezialitäten ihrer Heimat herzustellen und zu servieren. Vor allem am Sonntag in der Mittagszeit waren diese „auch über die Straße“ gefragt. Viele Munderkinger kamen zum Fest und auch der evangelische Pfarrer Michael Hain kehrte beim Kulturverein ein, den es schon seit 1973 in kleinen Kreisen gab, wie der in Munderkingen geborene Vorsitzende sagt.

Fünf Flüchtlingsfamilien mit 30 Personen betreue der türkisch-islamische Kulturverein nicht nur mit Essen und anderen Dingen, sondern auch mit Gesprächen. „Mehr ist einfach nicht möglich weil die meisten von uns arbeiten gehen.“ Doch für diese Menschen, die nach der Flucht hierher kamen, seien Gespräche und das gemeinsame Beten wichtig. Beobachtet hat er, dass die jungen Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern den Kontakt scheuen, manchmal zum Beten kämen, aber sonst „unter sich bleiben.“

„Wir suchen dringend Häuser, in die beispielsweise Flüchtlinge aus Untermarchtal ziehen können. Die Leute haben kein Auto und dort gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten und keine Verkehrsanbindung“, sagt er. Der Kulturverein habe eine Familie im Dachgeschoss der Moschee an der Rottenacker Straße einquartiert. Mehr Räume hätten sie aber nicht, bedauert der Vorsitzende, bevor er seine Kermes-Schicht als Fleischzuschneider antritt und nur noch kurz erklärt, dass der Verein noch keine Rücklagen für die neue Moschee habe: „Unsere Mitglieder geben dann alles auf einmal, wenn es soweit ist.“

Austausch In der Reihe „Blick hinter die Kulissen“ besuchten mehr als 20 Munderkinger die Ehinger Moschee, die dem türkischen Ditib-Verband angeschlossen ist. Den Höhepunkt bildete das Abendgebet, bei dem die Besucher anwesend waren. Die Besucher aus Munderkingen erfuhren, dass Moscheen, aufgrund des Bilderverbots im Koran, nur kalligraphische Darstellungen enthalten dürfen, zum Beispiel Verse aus dem Koran oder die Namen des Propheten Mohammed sowie der ersten vier Kalifen aus den Anfängen des Islams.

Architektur Beeindruckt äußerten sich Besucher über die zehn Meter hohe Kuppel, die der Akustik dient. „Den Iman muss man nicht unbedingt sehen, aber hören können, zumal er gegen die Gebetsnische spricht“, erklärte Ditib-Vorstandsmitglied Engin Mutlu die Funktion des Rundbaus.  Die Gebetsnische sei immer in Richtung Mekka ausgerichtet.

Vortrag Der Imam der Moschee betonte in einem theologisch gehaltenen Vortrag die Friedfertigkeit des Islams, der von Terroristen in ihrem Sinn böswillig instrumentalisiert würde. Diese Gewaltbereitschaft spiegle nicht den wahren Charakter der Religion wider. Er beklagte, dass die Medien in Deutschland zu negativ über den Islam berichten würden, deshalb seien Begegnungen wie diese für beide Seiten wichtig. „Wir müssen miteinander reden, nicht übereinander“, bilanzierte die VHS-Leiterin Simone Bertsche die Veranstaltung. bu

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