Telekom und Post lassen Reutlingendorf im Stich

Vier Wochen ohne Post, Telefonstörungen, kaum Mobilfunknetz: Die Reutlingendorfer fühlen sich abgehängt, auch wenn sie gern auf dem Land leben.

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„Wir haben das Landleben hochleben lassen“, sagt Ortsvorsteher Georg Baur über die Ortschaftsratssitzung im Obermarchtaler Teilort Reutlingendorf. „Wir leben recht gern auf dem Land, haben aber auch berechtigte Interessen.“ Und so stand auf der Tagesordnung nicht weniger als „Daseinsvorsorge“ in Sachen Festnetz, Mobilfunk, Post und Internet. Nachdem während des Streiks vier Wochen lang keine Post zugestellt wurde und ein Mitarbeiter der Post auf Anfrage meinte, ihm sei durchaus bewusst, dass so etwas Firmen an den Rand ihrer Existenz bringen kann, war Baur der Kragen geplatzt. „Das darf einfach nicht sein“, wollte er in der Sitzung einmal loswerden.

Dies gelte auch für die Telekom, die möglicherweise immer nur umklemmt, statt Störungen im Dorf wirklich zu beheben und die einem Anwohner einen Festnetz-Neuanschluss neulich zunächst verwehren wollte mit dem Argument, es seien keine „Doppeladern“ mehr frei. Später bekam er dann doch noch seinen Anschluss. Allerdings hat Baur bei der jetzigen Erschließung des Baugebiets „Halde“, zu dem er ebenfalls informierte, Bedenken, ob ein besserer Verteilerkasten wirklich fürs ganze Dorf eine Besserung bringt wie angekündigt.

Auch beim Mobilfunk sieht es mau aus, auch hier macht niemand Hoffnung auf Besserung. Der Mobilfunkmast für Reutlingendorf steht in Zwiefalten, und dazwischen steht der Emerberg. Wie auf einem Aushang eines neuen „Freundeskreises T...Dörfle“ zu lesen ist, der nach der Sitzung beim Brunnen hing, könne man froh sein, wenn man einen „Strich“ Empfang hat, und wer sein Handy nutzen will, müsse meist sein Haus verlassen. „Kommunikation ist heutzutage ein existenzielles Grundbedürfnis“, macht Baur eindringlich auch in Richtung Politik klar, dass es nicht sein könne, dass nur noch Profit gelte und ein Dorf wie seines auf diese Weise unter die Räder kommt. Die Bemühungen von Heiner Scheffold vom Landratsamt, für jedes Dorf einen Breitbandanschluss zu ermöglichen, seien zwar sehr gut. Allerdings solle man sich auch mal die Frage stellen, warum heutzutage Kommunen – und damit der Steuerzahler – dafür aufkommen müssten, das Netz auszubauen. „Wir haben ja keine hohen Ansprüche, aber inzwischen scheint nur noch die Gewinnmaximierung der Konzerne zu gelten, und da wird billigend in Kauf genommen, dass Teile des Netzes einfach brach liegen.“

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