Steinerne Soldat soll wieder aufgerichtet werden

Der in Munderkingen nicht unumstrittene steinerne Soldat, Teil des Kriegerdenkmals, soll offenbar wieder aufgerichtet werden. Bürgermeister Michael Lohner will sich zu dem Vorgang nicht äußern.

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  • Der Soldat ist verschwunden, der Platz an der Friedhofsmauer ist leer. 1/3
    Der Soldat ist verschwunden, der Platz an der Friedhofsmauer ist leer. Foto: 
  • Bei den Gedenksteinen wurde indes ein Sockel gegossen. An dieser Stelle soll der Krieger, der von 1934 bis 2008 in den Anlagen an der Donau stand, wohl einen Platz finden. 2/3
    Bei den Gedenksteinen wurde indes ein Sockel gegossen. An dieser Stelle soll der Krieger, der von 1934 bis 2008 in den Anlagen an der Donau stand, wohl einen Platz finden. Foto: 
  • Bei den Gedenksteinen wurde indes ein Sockel gegossen. An dieser Stelle soll der Krieger, der von 1934 bis 2008 in den Anlagen an der Donau stand, wohl einen Platz finden. 3/3
    Bei den Gedenksteinen wurde indes ein Sockel gegossen. An dieser Stelle soll der Krieger, der von 1934 bis 2008 in den Anlagen an der Donau stand, wohl einen Platz finden. Foto: 
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Der steinerne Soldat hat während der vergangenen Jahrzehnte in Munderkingen schon für viele Diskussionen gesorgt. Nun wird ein weiteres Kapitel aufgeschlagen: Der 2008 neben der Friedhofsmauer zur Ruhe gebettete Krieger ist verschwunden, der Platz ist leer. Dafür ist neben den Gedenksteinen für die Opfer beider Weltkriege, gleich beim Haupteingang, ein Fundament betoniert worden.

Nach Informationen unserer Zeitung soll der Soldat dort - es handelt sich um eine deutlich prominentere Stelle als die neben der Kirchhofmauer - aufgestellt werden. Die Kosten für die Arbeiten übernehmen einige Sponsoren. Der Soldat selbst befindet sich dem Vernehmen nach derzeit bei einem Fachmann, der ihn sanieren soll.

Bürgermeister Dr. Michael Lohner will zu dem Vorgang nichts sagen. "Dr. Lohner wird sich zum ehemaligen Kriegerdenkmal am Volkstrauertag bei seiner Rede äußern. Vor dem Volkstrauertag wird dazu nichts bekannt gegeben", lautete gestern die Antwort auf eine Anfrage bei der Stadtverwaltung.

Im Mai, bei der Jahresversammlung des Geschichtsvereins, hatte Lohner sich noch zu dem Soldaten geäußert. An eine Aufrichtung des auf einem dicken Betonsockel liegenden Soldaten sei schon der sehr, sehr hohen Kosten wegen nicht zu denken, hatte Lohner gesagt. Weiter denke er daran, die Pflege des Kriegerdenkmals an die Bürgerwehr zu übertragen. Diese hätte somit eine weitere sinnvolle Aufgabe.

Der wuchtige Soldat ist umstritten. Die einen sehen in ihm ein würdiges Denkmal, das an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs erinnert, für die anderen ist es ein kriegsverherrlichendes Relikt aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Dies formuliert auch der in Munderkingen lebende Journalist Wolfgang H. Schmid in einem 2008 veröffentlichten Artikel über die Zeit des Nationalsozialismus deutlich: "Sichtbare örtliche Zeichen des NS-Staates und seiner aggressiven Remilitarisierung sind Kriegerdenkmale, die (. . .) wie in Munderkingen zu Weihe- und Aufmarschplätzen der NS-Bewegung gestaltet werden." Die Gestaltung der Figur gilt als typisch für die NS-Zeit: Das Mahnmal drückt keine Trauer aus, zeigt kein Leid. Stattdessen dominieren, unterstrichen von Stahlhelm und Schwert, Härte und Kälte. Vor dem mehr als fünf Meter hohen steinernen Soldat, aufgestellt im Jahr 1934 zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkriegs, fanden regelmäßig Aufmärsche der Nationalsozialisten statt. Der Krieger war dabei nur Teil einer Anlage, zu der auch Wege, Treppen und Weiteres gehörten. Eigentlich hätte das Denkmal in der Nähe der Kirche positioniert werden sollen, doch die Nationalsozialisten pochten auf einen Platz, den sie ganz in ihrem Sinne nutzen konnten. Hergestellt wurde der Soldat aus Steinquadern, die von der früheren Rechtensteiner Eisenbahnbrücke stammten.

Um an die Toten des Ersten und des Zweiten Weltkriegs zu erinnern, waren bereits Ende der 1950er Jahre die Gedenksteine auf dem Friedhof aufgestellt worden. An den Seiten des Soldaten finden sich lediglich die Namen der Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg. In den 80er Jahren sollte der steinerne Krieger aus der Anlage an der Donau verschwinden, die Erinnerung an die NS-Zeit entfernt werden - doch auch daraus wurde nichts. Schließlich ging die Stadtverwaltung die Neugestaltung des Bürgerparks an. Bei einer Bürgerversammlung kamen die Munderkinger zu Wort. Nach der Versammlung kam der Gemeinderat zu dem Schluss, dass das Mahnmal auf dem Friedhof untergebracht werden solle. "Es war richtig und wichtig, dass wir die Bürger umfassend informiert und in die Meinungsbildung einbezogen haben", wurde Bürgermeister Lohner damals zitiert. 2008 also wurde der Soldat, den manche auch gerne spöttisch als "Springerlesmodel" bezeichnen, auf den Friedhof gebracht. Dort, neben der Mauer, ruhte er - bis jetzt.

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