Volkshochschule Ehingen feiert 70-jähriges Bestehen

Die Volkshochschule Ehingen feierte ihr 70-jähriges Bestehen unterhaltsam, hochkarätig und anregend.

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Eine Volkshochschule ist eine Bildungseinrichtung. Ganz gemäß dieser Maxime war auch die Jubiläumsfeier zum 70. Geburtstag der Ehinger Kultureinrichtung anregend, gebildet und hintersinnig. Sie reichte von intelligentem Klamauk eines Bernd Gnann bis zum griechischen Dichter Homer. Unterhaltung paarte sich mit Anspruch.

Die VHS feierte mit ihren Gästen im Franziskanerkloster ein Geburtstagsfest, an dem weder die Geburtstagstorte noch der intellektuelle Vortrag zum Weltverständnis einer pluralistischen Gesellschaft fehlte. Kluge, wohl gesetzte Worte wechselten mit kabarettistischen Einlagen. Der Jubiläumsabend zog sich zwar mächtig in die Länge, aber man erlebte Beiträge, bei denen sich die Akteure nicht scheuten, dem Bildungsanspruch zu frönen. Eröffnet wurde die Geburtstagsfeier vom Montagschor, der als so etwas wie der Hauschor der VHS firmiert. Unter der Leitung von Wolfgang Gentner sang der Chor Schlager aus dem Jahr 1947, dem Gründungsjahr der VHS: „Rose vom Wörthersee“, „Hallo schönes Fräulein“ und „Amor, Amor“.

Oberbürgermeister Alexander Baumann ging in seiner Rede auf die Anfangsjahre der VHS ein, die ihr Programm für das Jahr 1967/1968 auf einem Din-A-4-Blatt unterbrachte. Im letzten Jahr kam die VHS auf ein Programm mit über 8000 Kursstunden. In den Anfangsjahren prägte Walter Frei die VHS, die damals Volksbildungswerk hieß. In den 70er Jahren war es Karl-Otto Schöfferle, der der Einrichtung ihr Profil gab.

Mit der Kamera durch Ehingen

Untergebracht in der einstigen Gaststätte Linde an der Stelle des heutigen Rathausneubaus, wechselte die VHS später in die heute nicht mehr bestehende Villa auf der gegenüber liegenden Straßenseite und zog dann ins Franziskanerkloster. Das erfuhr man im Filmbeitrag des Kabarettisten Bernd Gnann, der am Geburtstagsnachmittag mit der Kamera durch Ehingen flanierte und die Mitarbeiter der VHS an verschiedenen Wirkungsstätten interviewte. Dem Kabarettisten liefen auch einige Passanten vor das Objektiv, die den Beitrag humorvoll würzten. So bejahte ein Mann in der Fußgängerzone die Frage, ob er die VHS kenne mit der Bemerkung,  das habe doch was mit dem Fernsehen zu tun. Er meinte die Videotechnik.

Auch die langjährigen Mitarbeiterinnen und Dozenten der VHS kamen zu Wort. Roswitha Schrode, die seit 44 Jahren der VHS angehört, erzählte vom Werdegang der VHS und an der Konviktskirche wunderte sich Bernd Gnann, „dass hier die Glocken am Samstag um Fünfe eine Viertelstunde läuten“. Bernd Gann ließ kurz vor dem Geburtstagsevent in einem Nebenzimmer Walter Frei zu Wort kommen, interviewte die Helfer im Hintergrund und beendete seinen Beitrag punktgenau live im Saal mit den Gästen, die begeistert applaudierten.

Zuvor hatte Verbandsdirektor Hermann Huba einen Festvortrag zur Institution Volkshochschule gehalten und die Ehinger VHS als leistungsstark bezeichnet. Mit ihren Unterrichtsstunden pro Einwohner liege sie 40 Prozent über dem Landesdurchschnitt. Sie richte ihr Programm zudem treffsicher an den Bedürfnissen der Bevölkerung aus, was dadurch dokumentiert werde, dass ein hoher Prozentsatz der Kurse stattfindet. Bei einem Blick in die Zukunft sprach der Redner von großer Ungewissheit. Die Zuwanderung verändere die Gesellschaft. Der Wertepluralismus der westlichen Gesellschaft sei das Ergebnis jahrhundertelanger konfessioneller Auseinandersetzungen und die Integration sei eine Bildungsaufgabe, die die Unterschiedlichkeit der Kulturen erkennen, aushalten und nutzen müsse. Doch der Nutzen der Zuwanderung rechtfertigt für Huba die Kosten. Die VHS sieht er als Schule für Europa. Man müsse sich jedoch von normativen Gewissheiten verabschieden. Im lebensbegleitenden Lernen sieht er für die VHS und die Gesellschaft eine gute Perspektive.

Antikes Streitgespräch

VHS-Leiter Peter Dunkl deutete die VHS als Institution, die Anzeichen von Reife, aber keine Alterserscheinungen zeige. Sein Dank galt den Mitarbeiterinnen, die es verstünden, gut miteinander und mit ihm umzugehen. Als „Dinosaurier, der hier ausgestellt wird“, trat Walter Frei ans Pult und bewies wieder einmal, dass man seinem Publikum auch griechische Dichter in einer für heutige Ohren ungewohnten Syntax zumuten kann. Ein antikes Streitgespräch zwischen Homer und Herodot befasste sich mit dem Eigennutz, der, wenn er auch Gemeinnutz ist, zum Wohl des Staates beiträgt. Das rundum gelungene Fest glitt mit dem feierlichen Anschnitt der Geburtstagstorte in den geselligen Teil über.

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