Stadtführung: Die Besonderheiten der Müllerstraße

Johannes Lang erklärte bei einer Stadtführung die Besonderheiten der Müllerstraße in Ehingen.

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Die Müllerstraße in Ehingen ist nicht nach einem Beruf, sondern nach dem früheren Stadtschultheiß Franz Joseph Müller benannt. Das erklärte Stadtführer Johannes Lang interessierten Ehingern, die gemeinsam die Müllerstraße in den Blick nahmen. Man startete in der Lindenstraße am Haus von Max Buck und Clara Buck. Dieses Gebäude baute Max Buck 1877 für einen Wundarzt namens Munding. Im Ruhestand kaufte Max Buck das Haus zurück und errichtete die markante italienische Loggia. Auf diese Zeit geht auch noch der erhaltene Terrazzo-Boden zurück.

Viel neueren Datums ist die 1982 erbaute Lindenhalle des aus Indonesien stammenden Architekten Jan Ben Oei. „Wenn man sie so anschaut, dann kann man sich indonesische Einflüsse vorstellen“, meinte Johannes Lang. Auf der Homepage des Architekturbüros Oei-Architekten ist die Lindenhalle als Referenz aufgeführt. Der Platz hat jedoch eine reiche Vergangenheit. Hier stand eine Mälzerei, die zur Gaststätte Linde gehörte. Die „Linde“ befand sich 1837 an Stelle des heutigen neuen Rathauses. „Die Linde führte frisches Quellwasser vom Stoffelberg heran, was 1855 noch eine seltene Angelegenheit war“, erklärte Johannes Lang. Vor 200 Jahren gab es in Ehingen kaum Wasserleitungen. Ein Josef Straub aus Oberdischingen kaufte die Wirtschaft und bekam um 1900 wirtschaftliche Probleme, so dass 1922 das Ende der Brauerei kam. 1923 kaufte eine jüdische Aktiengesellschaft das Gelände auf und man baute ein Textilunternehmen, das 1937 unter den Nationalsozialisten arisiert wurde. Nach dem Krieg ging die Firma wieder an die rechtmäßigen Besitzer zurück und 1946 wurde auch wieder die Produktion der Reißerei aufgenommen. Doch der Betrieb rentierte sich mit dem Aufkommen von Kunstfasern immer weniger und wurde 1970 geschlossen.

Ein weiteres markantes Gebäude in der Müllerstraße ist das Kolleg St. Josef, das auch Josephinum oder „Kasten“ genannt wird. Hier führte Johannes Lang die Ehinger in die Kapelle mit den Kreuzwegbildern und dem Flügelaltar von Albert Burkart (1898 – 1982). Der Maler wird der Neuen Sachlichkeit zugeordnet. „Die Bilder hingen schon in der alten Konviktskapelle“, erklärte Johannes Lang. In der Kapelle befinden sich auch Glasfenster des Ulmer Glasmalers Wilhelm Geyer.

Auf halber Höhe der Müllerstraße auf der linken Seite hatte der Stadtschultheiß Müller eigene Hopfengärten, in denen auch römisches Gebrauchsgeschirr gefunden wurde. Am Wolfert endete der kleine Stadtspaziergang.

Biographie Franz Joseph Müller wurde 1830 in Emmelhofen bei Bodnegg geboren und hat 1861 in Ehingen die Wirtstochter Veronika Manz geheiratet. 1863 wurde er als Stadtschultheiß gewählt, in seine Amtszeit fällt auch der Neubau des Gymnasiums 1884/85. Müller war ab 1879 Mitglied im Reichstag für den Wahlkreis Württemberg 15 Blaubeuren-Ehingen. 1905 gab Müller, gesundheitlich geschwächt, sein Amt zurück; 1908 ist er in Ehingen gestorben. Im Wolfertpark erinnert ein Brunnen an ihn.

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