Stadt übernimmt Asylbewerber

Aus der stark belegten Gemeinschaftsunterkunft des Kreises am Mühlweg ziehen Familien aus. Die Stadt übernimmt sie in ein Haus mit vier Wohnungen.

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Handwerker haben das von der Stadt gemietete Vier-Familien-Haus Anfang der Woche noch hergerichtet.  Foto: 

Es tut sich was im Umfeld der stark belegten Gemeinschaftsunterkunft des Kreises für Flüchtlinge und Asylbewerber im Mühlweg 28: Gestern ist eine neunköpfige Familie aus Syrien dort aus- und einige hundert Meter weiter in das Gebäude Mühlweg 58 eingezogen. Die Stadt hat dieses Haus mit vier Wohnungen zum 1. August angemietet, wie Sprecherin Bettina Gihr gestern auf Anfrage bestätigt. „Dieses dient zur Anschlussunterbringung, zu welcher wir als Stadt gesetzlich verpflichtet sind.“ In Kürze werden nach Angaben Gihrs  eine weitere Familie aus der Gemeinschaftsunterkunft Mühlweg 28 sowie zwei Familien aus der Unterkunft in der Berkacher Straße ebenfalls dorthin umziehen. Und: „Unsere Mitarbeiter werden sich in bewährter Weise um die Bewohner kümmern.“ Nach Angaben der Stadt sind für das Haus Mühlweg 58 maximal 27 Personen in der Erstbelegung vorgesehen.

Weil aber mit dem Umzug in die Anschlussunterbringung für diese Menschen die Sozialbetreuung durch Fachkräfte des Kreises nicht mehr greift, hoffen die Stadt und der Freundeskreis Migranten, dass sich aus dem Helferkreis für den Mühlweg 28 ehrenamtliche Helfer bereit erklären, sich für die Familien im Mühlweg 58 zu engagieren.

Mit dem Wechsel von zunächst zwei Familien aus dem Mühlweg 28 in die Anschlussunterbringung der Stadt gibt es eine erste Entlastung in der Gemeinschaftsunterkunft des Kreises, der Haus A und B ursprünglich für 120 bis 130 Menschen geplant hatte. Tatsächlich lebten dort aber bis gestern 179 Personen, wie Sprecher Bernd Weltin auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE mitgeteilt hat. Gleichzeitig kündigte Weltin weitere Verlegungen an. Die Unterkunft im Mühlweg 28 sei zwar durch die Kreisbau sehr großzügig gebaut worden, so dass eine erhöhte Belegung stattfinden konnte, erklärt Weltin, was bei dem bis Frühjahr 2016 hohen Zustrom von Flüchtlingen auch notwendig gewesen sei. „Ziel der Kreisverwaltung ist es aber, für den Mühlweg 28 zu einer Belegung von rund 130 Personen zu kommen. Deshalb werden von dort auch weitere Personen in Unterkünfte außerhalb Ehingens verlegt, entweder in andere Gemeinschaftsunterkünfte des Landkreises oder in die vorgezogene Anschlussunterbringung in andere Kommunen im Kreisgebiet. Daran arbeiten wir gerade. Im Laufe des Monats August soll diese Aktion dann abgeschlossen werden.“

Damit reagiert der Kreis auf die entwickelte Kritik im Umfeld der Gemeinschaftsunterkunft. Zwar gab es, wie Bettina Gihr mitteilt, bei der Stadt bisher nur eine Beschwerde aus dem Kreis der Anwohner, aber eins darunter gibt es durchaus Unmut über die Belegungsdichte, die wiederum die Betreuung erschwert als auch die Arbeit des Sicherheitsdienstes schwieriger macht. Und ehrenamtliche Helfer fühlen sich angesichts der Fülle der Aufgaben schlicht alleingelassen.

Der Kreis hat im Mühlweg 28 in Ehingen wie in anderen Gemeinschaftsunterkünften Verwaltungspersonal und Sozialarbeiter, die aber nur für Stunden vor Ort sind: Montag und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 15 Uhr, Dienstag von 9 bis 12 Uhr und mittwochs von 9 bis 11 Uhr. Sprechzeiten und Telefonnummern hängen im Gebäude aus; außerhalb der Sprechzeiten können zu den Dienstzeiten die Mitarbeiter telefonisch kontaktiert oder Termine vereinbart werden.

Als positiv bewertet die Kreisverwaltung die Entwicklung in Sachen Lärm und Ruhestörungen. Anfang Juli hat Sozialdezernent Josef Barabeisch einem Anwohner mitgeteilt, dass er hoffe, dass sich die Situation in der Unterkunft durch einen Aufsichtsdienst in der Nacht verbessern werde, vor allem mit Blick auf laute Musik und anderen Lärm. Dieser private Aufsichtsdienst ist, wie Weltin jetzt erklärt, im Auftrag des Landkreises eingesetzt worden. Der Fachdienst Flüchtlinge und Integration sei sowohl im Kontakt mit den Anwohnern als auch mit dem Aufsichtsdienst. Dieser wurde zum Beispiel auch während des Ramadans oder  bei begründeten Beschwerden etwa wegen Lärm temporär erhöht, um die Nachtruhe besser gewährleisten zu können. „Das Feedback der Nachbarn zeigt uns, dass dies gut funktioniert hat. Der Aufsichtsdienst bleibt dort zunächst weiterhin tätig, auch nach der Reduzierung der Bewohnerzahlen.“

Auf die Frage, ob der Kreis mit Blick auf Schulbesuch, Sprachunterricht, Arbeitsvermittlung oder -gelegenheiten Notwendigkeiten für zusätzliche Maßnahmen sieht, verweist Weltin auf die aktuell laufende Prüfung, ob es Bedarf an niederschwelligen Sprachkursen in Ehingen gibt. „Bei entsprechender Rückmeldung wird baldmöglichst ein neuer Kurs über den Landkreis ermöglicht“, sagt Bernd Weltin.

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Kommentare

06.08.2016 17:36 Uhr

Ein Satz der es in sich hat

"oder in die vorgezogene Anschlussunterbringung in andere Kommunen im Kreisgebiet.“

In einer Nacht- und Nebelaktion wurden aus der Nachbarstadt anerkannte Asylbewerber bei uns im Haus untergebracht. Niemand wusste Bescheid! Die Stadt nicht, der lokale Helferkreis nicht, erst recht nicht die direkten Anwohner/Nachbarn. Die standen dann da, von denjenigen die sie abgesetzt hatten keine Spur. In den ersten Wochen war ich folglich ungefragt derjenige, der sich um falsche Jobcenter Bescheide, ungewollte Verträge mit Telekommunikationsanbietern … kümmern konnte.
Ich kann nur jedem der in diese Situation kommt sagen: viel Spaß mit dem Kennenlernen fremder Kulturen!

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