St. Stephanus in Erbstetten gilt als kunstgeschichtliches Kleinod

St. Stephanus in Erbstetten ist ein kunstgeschichtliches Kleinod mit zeitgenössischer Malerei von 1944. Johannes Lang erläuterte die Bilder.

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Johannes Lang erläuterte den Zuhörern die Besonderheiten der Erbstetter Kirche. Sie schmückt zeitgenössische Malerei.  Foto: 

Eine vollflächige Bemalung der Altarwand ist eine Besonderheit, über die die Kirche St. Stephanus in Erbstetten verfügt. Die Kirche wurde 1944 im Wesentlichen von Johannes Wohlfart ausgemalt, der die Altarwand, zwei Seitennischen, die Emporenbrüstung und das Deckenfresko malte. Auch über dem Eingang ist außen eine Szene dargestellt, in der der Künstler die Bewohner des Dorfes Erbstetten porträtierte. Der Ehinger Johannes Lang hat sich eingehend mit der Dorfkirche beschäftigt und stellte deren Innenausstattung am Sonntag einer Gruppe Interessierter vor.

Erbstetten mit der Kirche St. Stephanus wird schon 1208 erwähnt. Die Pfarrkirche ist spätgotischen Baustils, der Turm wurde Ende des 16. Jahrhunderts gebaut. Die Kirche ist mit spätgotischen Fresken ausgemalt, die die zwölf Apostel mit ihren Attributen sowie Christus als Weltenherrscher zeigen. Unter diesen Abbildungen steht das Glaubensbekenntnis geschrieben. Im Chorbogen ist das jüngste Gericht erkennbar. Bauherren der Kirche waren die Freiherrn von Speth-Schülzburg, deren Wappen sich an der Chordecke, an der Loge, am Taufstein und in den sogenannten Doggen der Kirchenbänke, den Füßen, finden lassen. Ein einheitliches Ensemble bildet die Ausmalung durch Johannes Wohlfart.

Der gebürtige Grazer, der an der Kunstgewerbeschule und an der Akademie der bildenden Künste in Wien studierte, hat in seinen Werken einen deutlichen Bezug zur Neuen Sachlichkeit. Man erkennt eine Ähnlichkeit mit Otto Dix, wenngleich Johannes Wohlfart nicht ganz so schonungslos mit seinen Sujets umging. An der Altarwand ist mit Gott Vater, der Taube und Jesus Christus die Dreifaltigkeit zu sehen.

In den Seitennischen malte der Künstler die Taufe Jesu und die Anbetung der Könige. Die Dargestellten wirken elegant, unnahbar und selbstbewusst zugleich. Bereits 1926 ging Wohlfart mit seiner Frau Auguste für ein Jahr nach Darmstadt. Dort könnte sich der neusachliche Stil in seinem Werk noch deutlicher ausgeprägt haben. Als Reaktion auf den immer stärker werdenden Nationalsozialismus vollzog Wohlfart eine Hinwendung zur Religion und wanderte 1930 mit seiner Frau nach Deutschland aus, wo sie bis 1969 lebten, ehe sie wieder nach Graz zurückkehrten.

Von den 1930er Jahren an erhielt Wohlfart fast nur noch von der Kirche Aufträge. Der Künstler habe in seiner Erbstetter Zeit mit seiner vierköpfigen Familie im Dorf gelebt und die Kinder seien auf verschiedene Höfe verteilt worden, berichtete Johannes Lang. Man ist versucht, sich vorzustellen, wie die Erbstetter in diesen armen Kriegsjahren die Entstehung ihrer Kirchenbilder Tag für Tag mitverfolgten.

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