Sprecherin der Gemeinschaftsunterkunft im Mühlweg tritt ab

Claudia Zanker hat beim Helfertreffen in Ehingenihre Arbeit als Sprecherin der Gemeinschaftsunterkunft am Mühlweg nieder gelegt. Nicht aus persönlichen Gründen, betont sie.

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Hier freut sich Claudia Zanker (Mitte) über die Blumen, die ihr die Integrationsbeautragte Ursula von Helldorff (rechts) zum Abschied überreicht hat. Zuvor war die ehrenamtliche Helferin jedoch sehr ernst gewesem. Links Andrea Schilling von der Anlaufstelle „Perspektive Willkommen“.  Foto: 

Es war bewegend, als Claudia Zanker zu Beginn der Sitzung der Helfer in der Gemeinschaftsunterkunft Mühlweg ein Papier aus der Tasche zog und ihre Beweggründe für das Niederlegen ihres Amts erläuterte. Im Vorfeld hatte es bei den Helfern schon viel Bedauern zu dieser Entscheidung gegeben, denn Claudia Zanker ist nicht nur eine Frau, die sich kompetent einsetzt, sondern auch über arabische Sprachkenntnisse verfügt. Seit Bestehen der Unterkunft im Februar hat sie sich um die Menschen und ihre großen und kleinen Anliegen gekümmert.

Dabei birgt die Unterkunft am Mühlweg keine leichte Aufgabe. Manche Zimmer waren überbelegt und es gibt Reibereien kleineren und größeren Ausmaßes unter den Bewohnern. Das alles managte Claudia Zanker mit Bedacht. Was sie aufrieb, waren die Schwierigkeiten, die ihr von ganz anderer Seite in den Weg gelegt wurden. In ihrer Rede berichtete sie zunächst, dass sie sich gefragt habe, als bekannt wurde, das Flüchtlinge nach Ehingen kämen, wie sich die Übernahme gestalten würde.  Familien sollten untergebracht werden, ohne dass Zuständigkeitsbereiche geschaffen worden wären. Man habe auf die Mitarbeit der ehrenamtlichen Helfer gehofft. „Ich wurde als ehrenamtliche Sprecherin wiederholt auf meine Kompetenzschranken als auch auf den einzuhaltenden Datenschutz hingewiesen“, sagte Clauda Zanker.

Daraus hätten sich viele Fragen ergeben: „Wie sollten Kinder eingeschult beziehungsweise überhaupt in der Schule angemeldet werden? Wer hält Kontakt zu Lehrern und Schulleitern? Wer koordiniert den Elternsprechtag? Wie können Spielstunden eingerichtet werden ohne Wissen über Anzahl und Alter der Kinder? Wie Arzttermine vereinbart? Wie Mädchen zum Schwimmkurs ausgewählt werden? Wie Jugendliche zum städtischen Sommerprogramm angemeldet? Wie Kinder für das Zeltlager ausgewählt werden?“

Über alle Aktivitäten habe sie  die Sozialbetreuung informiert, dennoch sei mangelnder Informationsfluss beklagt worden. Ein Vorfall im Juli habe sofortigen Handlungsbedarf erfordert. Krankheits- und urlaubsbedingt sei jedoch keine Sozialbetreuung ansprechbar gewesen. Nach Rücksprache mit der Integrationsbeauftragten Ursula von Helldorff habe sie „entsprechende Maßnahmen“ eingeleitet.

„Mir jedoch wurde der Vorwurf einer falschen Situationslösung und mangelhafte Informationsweitergabe angelastet“, sagte Clauda Zanker. Ihre Lösungsvorschläge zur Schaffung von Arbeits- und Zuständigkeitsbereichen und einer entgeltlichen Mitarbeit seien im Sand verlaufen. „Die Arbeit im Mühlweg war für mich eine persönliche Herausforderung, die ich gerne weitergeführt hätte.“ Die positiven Spuren der Bewohner, wenn sie ihr mit offenen Armen entgegen kamen und sagten: „wenn du da bist, sind wir glücklich“ seien bleibend.

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