SPD-Ortsverein feiert 100-jähriges Bestehen

Der SPD-Ortsverein Ehingen feiert sein 100-jähriges Bestehen am Sonntag mit einem Festakt in der Lindenhalle. Die Festschrift umfasst 680 Seiten.

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"Achtung, der rote Fuchs geht um" - so reagierte der "Volksfreund für Oberschwaben" im Jahr 1914 auf die Gründung des SPD-Ortsvereins Ehingen. Das konservative Amtsblatt ermahnte seine Leser, "den Roten" wirksam entgegenzutreten. Um in dem damaligen Bild zu bleiben: Der Fuchs geht immer noch um, der SPD-Ortsverein Ehingen feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass findet am Sonntag, 11 Uhr, ein Festakt in der Lindenhalle statt.

Ludwig Dorner, Urgestein der Ehinger SPD, wird dabei die Festschrift vorstellen, die er anlässlich des Jubiläums erarbeitet hat. Fast ein Jahr lang habe er recherchiert, erzählt Dorner, "aber ganztags". Monatelang blätterte er im Ehinger Stadtarchiv durch alte Zeitungsbände. Denn der Ortsverein habe aus den ersten sechs Jahrzehnten seines Bestehens kein Material zur Verfügung. Erst seit den 1970er Jahren führe Georg Mangold ein umfangreiches Archiv der örtlichen Zeit- und Ortsvereinsgeschichte.

Schwierig war es, Informationen aus der NS-Zeit zu beschaffen. "Ab 1933 gabs nichts", sagt Dorner über die Zeitungsbestände des Stadtarchivs. Erst der Zugang zu einem privaten Archiv ermöglichte es schließlich, Lücken zu schließen. Dorner, dem die Aufarbeitung der NS-Zeit in Ehingen am Herzen liegt und der das Ausbleiben einer solchen kritisiert, hat während seiner Recherchen unter anderem herausgefunden, dass bereits in den ersten Wochen der NS-Diktatur Menschen aus Ehingen und Umgebung in so genannte Schutzhaft genommen wurden. Sie wurden ins Konzentrationslager Heuberg verschleppt.

Der Ortsverein wurde zwar erst 1914 gegründet, doch bereits mehr als 20 Jahre zuvor habe es nachweislich engagierte Menschen gegeben. Die Ehinger SPD war bis auf die Jahre des Verbots der Partei - 1915 bis 1917 und 1933 bis 1945 - unablässig aktiv. Die erste Wiedergründung erfolgte 1946. Die erste Wiedergründung? Ludwig Dorner hat Belege dafür gefunden, dass der Ortsverein nicht nur unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit Erlaubnis des französischen Militärgouverneurs wieder ins Leben gerufen wurde. Dorner hat weiter herausgefunden, dass einige Jahre später erneut eine Gründungsversammlung stattfand. Über die Gründe dieser doppelten Gründung könne aber nur spekuliert werden. "Wir wissen es nicht." Möglicherweise ging es um einen Änderung des Namens. Der chronologische Teil der Festschrift gliedert sich in zwei Teile: Zum einen erfährt der Leser, welche wichtigen Ereignisse in der Welt, in Europa und im Land stattfanden. Man habe sich dafür entschieden, die Nase immer auch über den Tellerrand des eigenen Ortsvereins hinauszustrecken, schreibt Dorner in seinem Vorwort.

Der zweite Teil der Chronologie befasst sich dagegen mit den Ereignissen, die unmittelbar vor Ort geschahen. 680 Seiten umfasst die Festschrift. Die Textpassagen ergänzen zahlreiche Abbildungen - Fotografien oder Reproduktionen von Zeitungsartikeln sowie Annoncen.

Der Ortsverein bietet die Festschrift in verschieden Varianten an: Es gibt sie sowohl in gedruckter Form als auch digital als PDF-Datei. Eine CD mit der Festschrift in digitaler Form kostet fünf Euro, sagt Dorner, der sein Werk beim Festakt im kleinen Saal der Lindenhalle vorstellen wird. Die Festrede hält Claus Schmiedel, Vorsitzender der SPD-Fraktion im baden-württembergischen Landtag. Grußworte sprechen Oberbürgermeister Alexander Baumann und die SPD-Europa-Abgeordnete Evelyne Gebhardt.

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