Schule auf Prüfstand

Welche Auswirkungen haben die Veränderungen in der Bildungspolitik auf Ehingen? Darum ging es gestern im Sozialausschuss. Fazit: Ungeklärte Rechts- und Finanzierungsfragen müssen gelöst werden.

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Gemeinschaftsschule, der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung - das Bildungswesen ist in Bewegung. Die Änderungen und die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf die Stadt waren gestern Thema in der Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses des Gemeinderats. Auch die Leiter der weiterführenden Ehinger Schulen nahmen an der knapp zweistündigen Debatte teil. Bürgermeister Sebastian Wolf umriss die Änderungen. Aus dem Wegfall der Grundschulempfehlung ergebe sich eine große Problematik. Das Thema Inklusion "wird für uns als Schulträger große Auswirkungen haben".

Wie die Leiterin der Hermann-Gmeiner-Schule, Ursula Mittag, sagte, sei sie für ein qualifiziertes Elternrecht - für ein absolutes Elternrecht jedoch nicht. Max Weber, Leiter der Längenfeldschule, meinte, dass sich das Verhalten der Eltern "beim nächsten Durchgang" wohl etwas relativieren werde.

Die Anmeldezahlen für die weiterführenden Schulen zeigen deutliche Veränderungen: Stark zugelegt hat die Realschule (127 statt bisher 97 Schüler) und auch das Gymnasium (155 statt 140). An Längenfeld- und Michel-Buck-Schule haben sich die Anmeldungen halbiert. Sowohl Realschule als auch Gymnasium stoßen aufgrund der höheren Schülerzahlen an ihre Kapazitätsgrenzen. Wie Wolfgang Aleker, Leiter des Gymnasiums, sagte, gehe zwar jetzt ein Doppeljahrgang mit 175 Schülern, 155 rücken nach. Doch im kommenden Jahr gingen nur 75 Schüler. Das Gymnasium sei von den Klassen 5 bis 10 bereits das zweitgrößte im Regierungsbezirk. Allerdings liege die Zahl der Schüler, die an das Gymnasium kommt, deutlich unter dem Landes-Schnitt. Es gebe viele Realschüler mit Gymnasiums-Empfehlung. Paul Geiselhart (Realschule) berichtete, dass derzeit zwei Klassenräume fehlen.

Michel-Buck- und Längenfeldschule stellen sich von Klasse 7 an auf zahlreiche Neuzugänge ein - Schüler, die dann von Realschule oder Gymnasium kommen. Aktuell bestehe kein Handlungsbedarf, sagte Bürgermeister Wolf. Man müsse jedoch die Entwicklungen beobachten und bleibe mit den Schulleitern weiter in der Diskussion.

Zur Einrichtung einer Gemeinschaftsschule sagte Wolf, dass dies frühestens zum Schuljahr 2014/15 möglich sei. Die Akzeptanz der Eltern sei fraglich, schließlich ist die Gemeinschaftsschule nur als gebundene Ganztagesschule vorgesehen. Es sei schwierig, verlässlich und perspektivisch zu planen - ohne eine klare Aussage des Landes, wie die Entwicklung der weiteren Schularten gesehen wird. OB Alexander Baumann wünscht sich eine Übergangslösung zur Gemeinschaftsschule. Gegen deren derzeitige Einrichtung spreche, "dass es zu viele ungeklärte Rechts- und Finanzierungsfragen gibt". Dagmar Fuhr (Michel-Buck-Schule) sagte, für sie sei die Gemeinschaftsschule - sie und ihre Kinder haben selbst eine solche besucht - schon ein Thema.

Baumann hatte zwar eingangs darum gebeten, keine grundsätzliche politische Debatte zu führen, doch ganz ohne ging es dann doch nicht: Joachim Schmucker (SPD) äußerte unter anderem den Vorwurf, das Thema Gemeinschaftsschule nur auszusitzen, wurde jedoch von Baumann deutlich zurückgewiesen: Man blockiere nichts, "die Gemeinschaftsschule als dritte Schulart (neben Realschule und Werkrealschule) bedeutet Kannibalismus".

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