Schüler helfen bei der Entstehung eines Naturerlebnishofes

Kinder lernen in der Natur viel, aber anders. Die Natur-Erlebnis-AG und die Technik-AG der Längenfeldschule geht einmal wöchentlich auf den Bauernhof von Michaela Haug. Dort entsteht ein Naturerlebnishof.

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Humus ins Hochbeet: Die Längenfeldschüler leisten auf dem Bauernhof auch körperliche Arbeit. Foto: Christina Kirsch

"Daheim würd" ich eh bloß vor dem Fernseher sitzen", sagt Christoph und rennt der Hündin Emma hinterher, die über den Hof von Michaela Haug flitzt. Später wird Christoph Pfähle zur Seite räumen, die den Zugang zum mobilen Hühnerstall versperren. Etwa 15 Kinder der Klassen drei bis sechs der Längenfeldschule toben, arbeiten und lernen in der Natur-Erlebnis-AG und im Technikunterricht auf dem Freigelände in Griesingen. Es entsteht derzeit ein Naturerlebnishof, der erhebliche finanzielle Unterstützung aus der Aktion "Bildung stärken" erhält.

"Wir bauen gerade ein Hochbeet", erklärt ein Junge und rollt mit seinem Mitschüler eine Rolle Draht aus. Das Drahtgeflecht soll das Beet von unten gegen Wühlmäuse schützen. Mit einem Meterstab messen die Jungs die Länge des Beets und überlegen, wie lang die Bahn sein muss, die sie mit der Drahtschere abschneiden sollen. "Vorne und hinten muss das noch etwa 10 bis 15 Zentimeter länger sein, damit ihr das an der Holzwand befestigen könnt", erklärt Heiner Sigmund, der mit Michaela Haug die Kinder anleitet und beim Bauen hilft. Doch rechnen, messen, Draht abzwicken und das Geflecht ans Holz nageln sollen die Kinder alleine.

Man lernt viel bei so einer Arbeit. Die Schüler der Längenfeldschule merken nicht nur, wie sperrig eine Drahtrolle sein kann, sondern erfahren auch, dass Draht sticht und körperliche Arbeit anstrengend ist. Außerdem haben sie sich beim Abschneiden prompt verrechnet und müssen Draht stückeln. Das Ausrollen der Drahtbahn geht auch nicht alleine. "Sie müssen sich Hilfe holen und zusammenarbeiten", meint die Lehrerin Michaela Haug. Später, wenn das Hochbeet aufgefüllt und bepflanzt ist, werden die Kinder ihre Arbeit auch kontrollieren können. War der Drahtunterbau dicht, oder hat doch eine Maus einen Zugang gefunden und womöglich die gelben Rüben angeknabbert?

Jeden Donnerstag kommen die Kinder der Naturerlebnis-AG unter der Leitung von Michaela Haug und die Schüler der Technik-AG mit ihrem Lehrer Jörg Eisele nach Griesingen. "Wir werden hier einen Hühnerstall bauen", sagt Jörg Eisele. Der Bauwagen steht schon. Der zukünftige Stall muss jetzt innen verkleidet werden. Die Hühner brauchen Stangen, Nester und eine Türe ins Freie, damit sie auf der Wiese picken können. Michaela Haug plant, möglichst verschiedene Hühnerrassen zu beheimaten. Momentan hocken noch zwei Meißner Widder, eine bedrohte Haustierart, unter dem Bauwagen und sind froh, dass die Kinder nicht an sie herankommen. "Wir haben viele seltene Tierarten hier", meint Michaela Haug. Im Tümpel unterhalb des Geländes fühlt sich ein Wildentenpaar wohl. Feldhasen, Rotmilane, Steinkäuze und den Wiedehopf hat sie schon entdeckt. Dazu braucht man jedoch Zeit, die die Kinder in den zwei Stunden am Donnerstagnachmittag nicht haben. Deshalb schaut Michaela Haug bereits in die Zukunft. "Im Zuge der Gemeinschaftsschule wollen wir einen Tag in der Woche als Praxistag einführen", sagt sie.

Dem Erleben in der Natur sind auf dem Hof fast keine Grenzen gesetzt. In einem benachbarten Wäldchen möchten sich die Kinder einen Unterschlupf bauen, andere träumen schon von den Küken, die in dem Hühnerstall aus dem Ei schlüpfen und die nächsten würden am liebsten in dem großen Tipi übernachten. Der Naturerlebnishof soll ein gemeinnütziges Projekt sein, das immer wieder mit anderen Einrichtungen kooperiert. "Wir hatten hier schon Steinzeitcamps", erzählt Michaela Haug, die auch ein Klassenzimmer einrichten wird.

Die Jungs wären am Donnerstagnachmittag gerne noch etwas länger geblieben. Denn es sei cool, Äste in das Hochbeet zu werfen, Erde zu schaufeln oder dem Hund hinterherzurennen, der "echt Highspeed drauf hat", japst Christoph völlig außer Atem. Im Turnunterricht hätte er sich freiwillig wahrscheinlich nicht so verausgabt.

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