Schreinermeister Kiem aus Hütten befragt Angela Merkel

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Schreinermeister Gunter Kiem aus Hütten in einem ZDF-Beitrag (Abbildung aus der ZDF-Mediathek). Am 14. September befragt Kiem die Kanzlerin in der Sendung „Klartext, Frau Merkel!“.  Foto: 

Die schlechte Internet-Versorgung des 383 Einwohner zählenden Dorfes Hütten ist bald Thema der großen Politik. Denn die Bundeskanzlerin beantwortet in der ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel!“ Fragen von Schreinermeister Gunter Kiem aus Hütten. Ein Team des Fernsehsenders war bei Kiem und hat einen Film über die Situation der Schreinerei und des Ortes gedreht.

Kiem hat da bereits etwas Erfahrung. Denn vor einigen Wochen strahlte das ZDF schon einen Beitrag mit ihm aus. Der Sender hatte Bürger aus ganz Deutschland zu ihren Problemen befragt. Kiem spricht dort tatsächlich Klartext: „Wir zahlen Steuern wie andere auch und haben genauso einen Anspruch auf eine schnelle Internetverbindung“, sagt er. Eine gute Datenverbindung gehöre heute zur Grundversorgung wie ein Wasser- und Stromanschluss, findet er. Für die Schreinerei sei der Anschluss an das Datennetz enorm wichtig. Nicht nur, dass Baupläne online geschickt werden. Mittlerweile werden auch die Maschinen über das Internet gewartet. „Bei uns stand kürzlich eine Maschine zwei Tage lang, weil der Techniker nicht über das Internet darauf zugreifen konnte“, berichtet er. Die in Berlin verkündete Internet-Offensive sei im Schmiechtal nie angekommen, heißt es im Beitrag des ZDF.

Live im Studio in Berlin

Kiem ist jetzt gespannt, was die Kanzlerin auf seine Fragen antwortet. Er selbst wird während der Live-Sendung im Studio in Berlin sitzen. 150 Bürger sind insgesamt eingeladen. Jeder darf Fragen stellen. 50 Bürger sind wie Kiem vorher ausgewählt worden, weil sie stellvertretend für viele ein besonders drängendes Problem ansprechen. Damit er schnell wieder bei der Arbeit im Schmiechtal ist, nimmt Kiem den Flieger nach Berlin. „Die Familie hat erst einmal ungläubig geschaut, als die Anfrage vom ZDF kam“, berichtet er. Die Tochter habe das gar nicht geglaubt, dass der Vater bald im Fernsehen zu sehen ist. „Aber wenn ich die Chance für so etwas erhalte, dann sage ich doch nicht Nein“, meint er. Dass der Fernsehsender bei ihm anfragte, hat mit Kiems Stellung beim Landesfachverband der Schreiner zu tun. Dort ist er zuständig für die Ausbildung. Das ZDF suchte jemanden, der zu diesem Thema etwas zu sagen hat. Und das hat der Schreinermeister: Die Zahl der Lehrlinge als auch die der Ausbildungsbetriebe geht zurück, berichtet er. Es gebe immer mehr reine Montagebetriebe, die nur noch Fertigteile einbauen. Damit werde die Industrie gestärkt, aber das Handwerk verliere mehr und mehr an Wert. „Während die Kanzlerin im Ausland gerne das Duales System anpreist, geht im Alltag manches aus dem Leim“, schreibt das ZDF dazu. Gegen den Abwärtstrend helfen laut Schreinermeister Kiem vor allem die Berufsfachschulen. Aber die gebe es eben nicht in jedem Bundesland.

Im Interview mit dem Reporter kam die Sprache auch auf die schlechte Internet-Anbindung Hüttens. Das ZDF sah die Bedeutung des Themas und wählte Kiem aus, da gleich einmal bei der Kanzlerin nachzufragen. „Ich bin gespannt, wie sie so als Mensch ist“, sagt Kiem jetzt vor Live-Sendung. Große Überraschungen bei den Antworten werde es aber wohl nicht geben – dazu sei Merkel zu sehr Profi.

Info Die Live-Sendung „Klartext, Frau Merkel! Bürger fragen die Bundeskanzlerin“ ist am Donnerstag, 14. September, 20.15 Uhr, im ZDF zu sehen. Der bereits gezeigte Beitrag mit Schreinermeister Kiem ist in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Mehrere Millionen Euro nimmt die Stadt Schelklingen in die Hand, um Kernstadt und Teilorte wie Hütten mit schnellem Internet zu versorgen. Es werden Leerrohre für Glasfaserleitungen verlegt. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit „Komm.Pakt.Net“,  dem Zusammenschluss der Landkreise und Kommunen zur Breitbandversorgung.

Problem sind die privaten Betreiber, die den ländlichen Raum mit Datenleistungen bedienen sollen. Für sie lohnen sich kleine Orte oft nicht. Schelklingens Bürgermeister Ulrich Ruckh spricht von einem „Marktversagen“. Immerhin: In Hütten gibt es Aussichten, dass ein Betreiber tätig wird.

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