Schlaganfall hat viele Folgen

Wo kommt ein Schlaganfall her, wie ist er zu erkennen, zu behandeln und zu verhindern? Auf diese Fragen ging Michael Jamour, Chefarzt der Geriatrischen Rehabilitationsklinik Ehingen, in seinem Vortrag ein.

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550 Menschen erleiden alleine in Deutschland einen Schlaganfall - täglich. Landesweit leben ungefähr 500 000 mit Schlaganfallfolgen. Diese Zahlen und die Tatsache, dass der Schlaganfall weit vorne in der Statistik der Todesursachen steht, machen ihn zu einem Thema von großem Interesse. Das zeigte auch der Besucherandrang beim Gesundheitsforum im Ehinger Gesundheitszentrum, berichtet Daniela Rieker, Öffentlichkeitsreferentin der ADK-GmbH Gesundheit und Soziales. Dr. Michael Jamour, Chefarzt der Geriatrischen Rehabilitationsklinik Ehingen, referiert über Ursachen, Symptome und Therapiemaßnahmen.

Der Schlaganfall passiert im Gehirn und sei auch deshalb so bedeutsam. Denn dort können Störungen weitreichende Folgen haben, sagte Jamour. Ursachen für einen Schlaganfall seien akute Durchblutungsstörungen (80 Prozent) oder eine Gehirnblutung (20 Prozent). Bei einer so genannten transitorischen ischämischen Attacke (TIA) wird die Durchblutung des Gehirns kurz gestört, neurologische Ausfallerscheinungen treten auf. Diese können jedoch schnell vollständig abklingen, so dass ein Betroffener oft nicht merkt, dass er einen Schlaganfall erlitten hat. Beim kompletten Insult (Stroke) kommt es durch die Durchblutungsstörung zu Ausfällen, die entweder gar nicht oder nur kaum wiederhergestellt werden können.

Ursache für Mangeldurchblutung kann etwa eine Herzrhythmusstörung in Verbindung mit Vorhofflimmern sein. Dadurch bilden sich Thromben, die durch den Körper ins Gehirn gelangen und dort - je nach Größe - kleine oder große Blutgefäße verschließen. Solche Verschlüsse gibt es auch, wenn sich in verkalkten Arterien Bruchstücke ablösen, die in die Blutbahnen gelangen und im Hirn stecken bleiben.

Die Symptome des Schlaganfalls sind ganz unterschiedlich. Sie hängen davon ab, welche der drei Hauptarterien des Gehirns betroffen ist. Bei Verschlüssen im vorderen Bereich des Hirns kommt es hauptsächlich zu Lähmungen in den Beinen, im mittleren Areal zu Sprach- und im hinteren Bereich zu Sehstörungen. Bei Schlaganfällen in der rechten Gehirnhälfte treten die Folgeschäden in der linken Körperhälfte auf und umgekehrt.

Vorübergehende Ausfallerscheinungen könnten erste Alarmzeichen sein und müssten unbedingt ernst genommen werden. Im Akutfall sei sofort der Notarzt zu benachrichtigen. In vielen Städten gebe es heute bereits eine so genannte Stroke-Unit. Dort könne innerhalb kurzer Zeit - höchstens viereinhalb Stunden nach Symptombeginn) eine Akuttherapie (Lyse) helfen, bei der ein Blutgerinnsel "aufgelöst" wird. Gelingt dies, könnten Folgeschäden oft vermieden oder aber deutlich minimiert werden.

Jamour beschrieb auch medikamentöse Lösungen. Schädigungen oder Behinderungen nach einem Schlaganfall könnten körperlicher, kognitiver und psychischer Natur sein. Auf jeden Fall sollte dann dem Krankenhausaufenthalt gleich eine Anschlussheilbehandlung folgen. Ein Behandlungsteam könnte dann die "Alltagskompetenz" wieder erreichen. In der Regel sei eine ambulante Weiterbehandlung sinnvoll, deren Erfolg sei nachzuweisen.

Blutdruckkontrollen könnten einem Schlaganfall vorbeugen, verordnete Medikamente sollten konsequent eingenommen werden. Allein mit einem gut eingestellten Blutdruck könne das Schlaganfallrisiko drastisch gesenkt werden. Ein Leben ohne Nikotin, mit wenig Alkohol, fettarmer Ernährung und ausreichend Bewegung sei ebenfalls wichtig. Im Anschluss an seinen Vortrag beantwortete Jamour die zahlreichen Fragen der Zuhörer.

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