Michael Sinn ist Praktikant in der Seelsorgeeinheit Ehingen

Michael Sinn hat viele Berufe und eine Berufung. Der Theologe ist Praktikant in der Seelsorgeeinheit Ehingen.

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Neu in der Seelsorgeeinheit: Michael Sinn ist seit einer Woche in Ehingen.  Foto: 

Michael Sinn sucht die Herausforderung. „Ich würde gerne den Schülern der Berufsschule vermitteln, wofür Religion gut ist“, sagt der Theologe, der vor einer Woche in der Seelsorgeeinheit Ehingen Stadt als Jahrespraktikant angefangen hat. Nun gehören Berufsschüler nicht gerade zu denjenigen, um die sich die Religionspädagogen reißen, aber Michael Sinn würde die Halbwüchsigen sogar den Drittklässlern vorziehen.

Michael Sinn hat sich in der Seelsorgeeinheit Ehingen als Jahrespraktikant vorgestellt. Bei dem Wort „Praktikant“ hat man eher keinen 51-Jährigen vor Augen, der seine Diplome aufzählen kann wie die Finger an der Hand. Der gebürtige Essener berichtet von seinen Berufen als Heilpraktiker, Masseur und medizinischer Bademeister. Von 2001 bis 2011 arbeitete er als Physiotherapeut in der Schweiz und wuchs in dem Züricher Quartier Wollishofen in die kirchliche Gemeindearbeit hinein. Doch diese zehn Jahre sind nur ein kleiner Ausschnitt eines Lebens, in dem sich bei allem Unsteten eine Gestalt durchzieht. „Christus gehört zu den Dingen, die immer bleiben“, sagt der Theologe. Jesus Christus als Lebensmittelpunkt scheint für Sinn unverrückbar. „Er zieht sich durch wie ein roter Faden“, meint der Theologe. Doch bis es zu dieser Unverbrüchlichkeit kam, ging Michael Sinn einen kurvigen Lebensweg mit einige Sackgassen.

„Im Alter von 16 Jahren kam ich zu einer Baptistengemeinde in Essen“, erzählt er. Damals gefiel dem Heranwachsenden die Diskussionsfreude der Freikirche, die er jedoch nach ein paar Jahren als eine Art Lifestyle-Christentum erkannte. „Haare vorne kurz, hinten lang, wollten wir Fun haben und am liebsten zum Surfen nach Kalifornien“, schmunzelt Michael Sinn. Man diskutierte über Gott und die Welt. Der junge Michael Sinn mittendrin. In dem jungen Mann reifte die Begeisterung für die Theologie, die aber noch nicht den richtige Boden gefunden hatte. Von der Baptistengemeinde trennte er sich im Streit, „weil die mir auch nach sechs Jahren noch keine Verantwortung übertragen wollten“. Als diplomierter Physiotherapeut ging der Mann aus dem Ruhrgebiet in die Schweiz, weil dieser Beruf dort ganz anders geschätzt wird. In Deutschland leide der Beruf nach wie vor unter mangelnder Anerkennung. Als Experte für manuelle Therapie am Bewegungsapparat arbeitete Michael Sinn an einem chiropraktischen Zentrum. „Als ich mit der Ausbildung anfing, dachte ich, mir begegnen Menschen mit Sportverletzungen“, sagt Michael Sinn. Der Sport war ihm seit seiner Kindheit vertraut. Aufgewachsen zwischen drei Fußballplätzen in Essen und mit einem Vater, der gerne kickt, bestand die Jungenwelt hauptsächlich aus einem runden Leder. Zumindest die sportliche. Kirchlich diente er als Ministrant. „Aber dann begegneten mir als Physiotherapeut immer mehr Menschen, die krank sind, Schmerzen haben und Heilung suchen“, berichtet Michael Sinn. Dass Heilung nicht nur eine körperliche Sache ist, sondern ganzheitlich gesehen werden muss, führte Michael Sinn zu einer Coaching-Ausbildung und letztlich auch zur Theologie. An der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt schloss er 2016 ein Magisterstudium der Theologie und ein Bachelorstudium der Philosophie ab. Eine große innere Erfüllung und Ruhe fand der Theologe bei Exerzitien mit österreichischen Jesuiten. „Diese 10 Wochen haben meine Gottesbeziehung in Ordnung gebracht“, weiß Michael Sinn. Er habe gelernt auf Gott zu hören. Das Meditieren ist auch weiterhin eine große Kraftquelle für ihn.

Michael Sinn hat sich nach seinem Studium bei der Diözese Rottenburg-Stuttgart für die Stelle in Ehingen beworben und strebt eine Ausbildung als Pastoralreferent an. Für Ehingen kann er sich neben dem Unterrichten auch vorstellen, als Lektor tätig zu sein und Andachten zu halten. Michael Sinn möchte auch gerne Bildungsveranstaltungen für Erwachsene zu Lebensfragen anbieten. Außerdem spielt er Gitarre „von Bach bis Rock n‘ Roll“ und hat Erfahrung mit der Umsetzung von Kirchenliedern in Jazz. Das hört sich alles nach Tatkraft und einem Füllhorn an Ideen an. Man darf gespannt sein.

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