Rheuma kommt zu kurz

Über die Herkunft und die Therapiemöglichkeiten von rheumatischen Erkrankungen sprach Internist Steffen Briem beim Gesundheitsforum in Ehingen. Es fehlten ausgebildete Fachärzte, sagte er.

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Ein Publikumsmagnet sei der Vortrag von Dr. Steffen Briem, Internist mit Schwerpunkt Rheumatologie und Chefarzt der Inneren Medizin am Kreiskrankenhaus Langenau, im Ehinger Gesundheitsforum gewesen, berichtet Melanie Bindl von der ADK GmbH für Gesundheit und Soziales. Er referierte zum zentralen Symptom aller Rheumaerkrankungen - dem Schmerz.

Schon die alten Griechen beschrieben Symptome chronischer Gelenkerkrankungen, sagte Briem. Im Mittelalter war vor allem die Gicht als Krankheit der Reichen, Völlerer und Schlemmer bekannt. Und heute stehe Rheuma für eine Autoimmunerkrankung des gesamten Körpers mit weitreichenden Folgen. Mehrere Millionen Deutsche leiden darunter. Früher ein Leiden des Alters, sei Rheuma heute längst altersunabhängig, auch Kinder und Jugendliche seien davor nicht gefeit. So vielfältig die Symptome, so verschieden auch die Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Verbindende Gemeinsamkeit der bis zu 400 Einzelerkrankungen sei der Schmerz. Typisch sind Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat mit charakteristischen Schmerzen, aber auch alle anderen Organe von Kopf bis Fuß können betroffen sein. Daraus folgten starke Bewegungseinschränkungen und eine enorme Beeinträchtigung der Lebensqualität.

Dabei komme der Schmerz schubweise, dazwischen auch mit Phasen völliger Schmerzfreiheit. Tritt er vor allem nachts und im Zusammenhang mit Beschwerden wie Müdigkeit, Haut- oder Magen-Darm-Beschwerden auf, sollte man an Rheuma denken. Die frühzeitige Diagnose sei entscheidend für den Verlauf. Zu häufig würden Symptome fehlgedeutet oder in ihrer Gesamtheit nicht gesehen, sagte Briem. So könne kostbare Therapiezeit verstreichen.

Entzündliche Rückenschmerzen - häufig nachts und mit Besserung bei Bewegung - , Schwellungen und Schmerzen an kleinen Fingern und Gelenken, anhaltende Sehnenschmerzen oder parallele Muskelschmerzen, meist an beiden Schultern oder Oberarmen sollten umgehend medizinisch geklärt werden, damit der Schmerz nicht chronisch wird. Auch Entzündungen im Blut mit unspezifischen Schmerzen (mehr als sechs Wochen) oder gleichzeitige entzündliche Veränderungen an mehreren Körperstellen wie Haut, Gelenken oder Nervensystemen seien charakteristische Symptome für Rheuma.

Weniger bekannt seien Einzelsymptome als Hinweis auf die Autoimmunkrankheit Rheuma. Eindeutige charakteristisch seien der kreisrunde Haarausfall, Einblutungen an Fingern und Zehen oder typische Schleimhautveränderungen.

Bei der Therapie sei man heute "mitten in einem Paradigmenwechsel", sagte Briem. Die neue Medikamenten-Generation der Biologika, die zielgerichtet in das Immunsystem eingreife, sei sehr erfolgversprechend. Aber auch eine frühzeitige Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten sprach er an. Den Patienten selbst könne niemand seine Verantwortung abnehmen, für eine gesunde Lebensweise, für die Auseinandersetzung mit der Krankheit und für aktive Mitarbeit. Für das Volksleiden Rheuma gebe es bislang noch immer zu wenige ausgebildete Fachärzte, was sich für Millionen von Patienten mit monatelangen Wartelisten widerspiegele.

"Rheuma kommt zu kurz", lautete das Resümee des Fachmanns am Ende seines Vortrages. Dies sei speziell am Kreiskrankenhaus Langenau mit der neuen Schwerpunktsetzung der Rheumatologie bereits anders geworden.

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