Reiseleiter in Sachen Kulinarik

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Vincent Klink signiert, daneben sitzt der Fahrer, der den Sternekoch wegen der Motorradpanne gefahren hatte.  Foto: 

Der kleine Saal der Lindenhalle war bei der Lesung mit dem Sternekoch Vincent Klink mit 200 Besuchern ausverkauft. Es hätte sich zwar noch ein Stuhl im Saal finden können, aber ein einzelner Herr blieb vor der Türe im Ledersessel sitzen und schaute etwas unglücklich vor sich hin. „Ich hätte mein Handy ja auch aus lassen können“, meinte er nach der Lesung. „Dabei habe ich mich so auf das VfB-Spiel gefreut“.

Eine Panne auf der Hinfahrt

Was war passiert? Der Buchautor und Sternekoch Vincent Klink war an dem sonnigen Nachmittag mit seinem Motorrad von Stuttgart nach Ehingen gefahren. In Blaubeuren versagte das Zweirad seine Dienste und Vincent Klink griff zum Handy, um sich abholen zu lassen. Für die Rückfahrt organisierte der Koch ein privates Taxi mit seinem Freund als Fahrer. Der musste dann auf das Fußballspiel am gleichen Abend verzichten. Auf die Frage, welche Maschine in Blaubeuren ihren Geist aufgegeben hatte, meinte der Freund nur „der hat mehrere, das weiß ich nicht“. Der Ersatzfahrer war an dem Abend der einzige, der über den Verlauf der Lesung wenig amüsiert war.

Die Zuhörer im kleinen Saal spitzten die Ohren, um ein paar Tipps für den nächsten Paris-Besuch zu bekommen. Das Buch „Ein Bauch spaziert durch Paris“ ist voll davon und man sah bei der Lesung Leute nach einem Kugelschreiber suchen. Denn die Tipps für einen Paris-Besuch wollte sich jeder aufschreiben. Vincent Klink, der seit 1991 in Stuttgart-Degerloch das Restaurant Wielandshöhe betreibt, ist nicht nur Koch, sondern auch Musiker und Reiseleiter in Sachen Kulinarik. Die Zuhörer nahm er mit auf den Trip nach Paris, für den er den Zug empfahl, obwohl der Stuttgarter Bahnhof aussehe wie ein explodiertes Atomkraftwerk.

Was man nicht verpassen sollte

Als echter Schwabe schaut Klink aufs Geld und verrät, dass er schon für 39 Euro nach Paris gefahren sei, weil er im Internet bei der französischen Staatsbahn buchte. Vom Gare de l’Est führt Klink den Leser zu den touristischen Sehenswürdigkeiten, aber auch zu Restaurants und in Bistros. Überall gab es Tipps, mit denen man ein Schlangestehen vor Museumstüren oder am Eiffelturm vermeiden kann. Der Autor empfahl den Museumspass und eine Reservierung im Eiffelturmrestaurant Jules Verne. Ein Menü sei dort zwar nicht ganz billig, aber erlebenswert. Außerdem komme man ohne Wartezeit nach oben und habe die atemberaubende Aussicht. Vincent Klink streute auf seinem Streifzug über die Seine-Insel und das jüdische Viertel auch Familiengeschichten und geschichtliche Episoden in seine Betrachtungen mit ein. So sei der Nationalstolz der Franzosen enorm. „Die Waterloo-Station finden Sie in London, aber nicht in Paris“, bemerkte der Autor. „Eine kleine Gemeinheit der Engländer, weil man von dort aus nach Paris kommt“.

Das Buch und die Lesung waren ein amüsanter Mix aus persönlichen Bekenntnissen, der Kunst des Genießens, feinen Beobachtungen von französischem Restaurant-Service und Kunstbetrachtungen. Es machte enorm Lust auf einen Besuch der Seine-Metropole.

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