Rechtenstein: Elmar Reitter will neue Wehranlage und Turbine bauen

Hochgefährlich sind die Einsätze von Elmar Reitter und seinen Mitarbeitern am Donauwehr in Rechtenstein, wenn Hochwasser droht. Ein Teil der Anlage soll nun, nach 110 Jahren, erneuert werden.

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Über einen schmalen Steg müssen die Mitarbeiter der Firma Reitter Wasserkraft immer noch gehen, um bei Hochwasser per Hand einige Dielen zu entfernen. Elmar Reitter will die Wehranlage durch eine moderne ersetzen.  Foto: 

Eigentlich kämpft er schon seit mehr als 20 Jahren um eine Stauerhöhung am Wasserkraftwerk in Rechtenstein, die im Zuge der nötigen Erneuerung des Wehrs kommen sollte. "Ich wäre mit 20 Zentimetern schon zufrieden gewesen", sagt der Wasserkraftanlagen-Betreiber Elmar Reitter. "Damit wäre die Wirtschaftlichkeit der Investition eher gegeben gewesen."

Inzwischen sei ihm die Stauerhöhung trotz vieler Gutachten, die dafür sprachen, "letztlich verleidet worden". "Überwiegend vom Regierungspräsidium und der Öko-Ideologie-Fraktion." Die Genehmigungsbehörde sei sehr restriktiv und höre nur auf den amtlichen Naturschutz, anstatt auch den Klimaschutz, dem der Strom aus Wasserkraft zugute kommt, und wirtschaftliche Interessen sowie die rechtliche Seite stärker zu sehen. Reitter: "Wir leben ohnehin in einer Kulturlandschaft und nicht in ursprünglicher Natur." Außerdem habe die Donau immer eine gewisse Dynamik: Im Winter könne man sie höher stauen als im Sommer. Und erst durch den Stau seiner Firma sei das Naturschutzgebiet Braunsel oberhalb der Gemeinde so schön und erhaltenswert geworden. "Ein Stau hat nicht nur negative, sondern auch viele positive Seiten, aber der amtliche Naturschutz will das nicht wahrhaben."

Das Kapitel Höherstauen ist inzwischen abgehakt, und nach etlichen weiteren Gutachten und Abstimmungen mit der Naturschutzbehörde und dem Landratsamt will Reitter im Februar oder März nun die Antragsunterlagen für die Erneuerung der Wehranlage einreichen. Im Zuge dessen will er zumindest eine vierte Turbine genehmigt bekommen. Investitions-Gesamtvolumen inklusive Fischtreppen: etwa drei Millionen Euro.

Die alte Wehranlage von 1904 soll durch eine neue, automatische ersetzt werden. Denn wenn die Messstationen anzeigen, dass ein Hochwasser im Anmarsch ist, muss der 63-Jährige noch immer mit zwei oder drei Mitarbeitern über den schmalen Steg auf dem Wehr gehen - meist ist schlechtes Wetter und es wird eine glitschige Angelegenheit - und einige Holzdielen mit einem großen Haken aus dem Wehr ziehen, um den Stau zu senken.

Ein neues Wehr muss also her, etliche Anlagenteile benötigen eine Betonsanierung, und außerdem kommt die erwähnte moderne Turbine zum Einsatz. Sie dürfte zwar um die 400.000 Kilowattstunden im Jahr zusätzlich produzieren, doch trotzdem werde sich die Investition erst in 30 Jahren rechnen. Nun muss quersubventioniert werden: Reitter besitzt noch zwei Anlagen in Zwiefaltendorf und bei Sigmaringen sowie einen Teil der Wasserkraftanlage bei Obermarchtal, und er verwaltet 16 weitere Anlagen; eine davon läuft in Südtirol.

Doch der Rechtensteiner, dem Bürgermeisterin Romy Wurm neulich beim Besuch des Landrats das Wort erteilt hat, um seine Sache vorzubringen, denkt in größeren Zeitabschnitten als der normale Unternehmer, der in drei Jahren seine Kosten drin haben wolle. "Die nächste Generation hat was davon. In meinem Gewerbe ist man sehr konservativ und bodenständig. Und man kann lange von der Substanz leben, weil man nicht oft investieren muss. Mein Projekt ist eines für die nächsten 100 Jahre."

Reitter geht davon aus, dass der Strompreis wieder steigen wird. Derzeit helfe die Umlage aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), dass Anlagenbetreiber annähernd den Preis bekommen, den der Strom in der Herstellung kostet. Von Subventionierung will er nichts hören. Schließlich müsse man auch den Klimaschutz der Wasserkraft sehen. "Wasserkraft ist auch eine sehr beständige Energie, sie ist gleichmäßig und grundlastfähig und hat damit eine gewisse Wertigkeit."

Der gebürtige Lauteracher wird schon bald die ersten Ausschreibungen für den Umbau am Donauwehr in Rechtenstein erstellen. Sobald die Genehmigung da ist - Reitter hofft auf den Sommer -, soll die Modernisierung losgehen. Ein Dreivierteljahr dürften die Arbeiten andauern, davon muss die Anlage etwa ein halbes Jahr lang stillstehen. Stromausfälle stehen der ältesten Ökostromgemeinde im großen Umkreis allerdings nicht ins Haus: Rechtenstein ist ans Netz der EnBW angeschlossen und bezieht daraus ganz normal weiter seinen Strom aus dem Umkreis.

Info Elmar Reitter beschäftigt acht Mitarbeiter in Vollzeit und fünf in Teilzeit. Das Wasserkraftwerk in Rechtenstein erzeugt im Jahr etwa 1,9 Millionen Kilowattstunden, davon werden 1,8 ins Netz der EnBW eingespeist. Der Rest wird im Betrieb verbraucht.

Geschichte der Firma Reitter
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