Bürgerversammlung in Granheim diskutiert über Flurneuordnung

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Ein neues Wegenetz im Blick: In einer ersten Bürgerversammlung in der Albhalle in Granheim ging es um die Information über den Stand des Verfahrens. Mitte November soll bei einem zweiten Termin ein Meinungsbild zur Flurneuordnung beschlossen werden. Foto: Sven Koukal  Foto: 

Noch bleiben den Menschen in Granheim rund vier Wochen, um sich ein Bild zu machen, in welchem Maß die Flurneuordnung ins Ortsbild eingreifen soll. Am 18. November soll dann bei der zweiten Bürgerversammlung zu dem Thema eine erste Entscheidung fallen. „Heute geht es darum, sich zu informieren und eine Meinung zu bilden“, erklärt Granheims Ortsvorsteher Franz Denzel. „Wir wollen die Leute ja nicht übergehen.“

Rund 60 Teilnehmer haben sich am Freitagabend bei der ersten Versammlung in der Albhalle einen Überblick zum Thema Flurneuordnung verschafft. Mehr als drei Stunden lang bekamen sie Ergebnisse vorheriger Workshops präsentiert. Bereits vor 40 Jahren hatte der Ehinger Albteilort einen ersten Anlauf zur Flurneuordnung unternommen. Doch damals war das Verfahren nicht zustande gekommen. „Der Strukturwandel macht nicht halt“, sagt Denzel mit Blick auf die Ortschaft, die einst Post, Schmied, Schule und Wirtschaften hatte. Heute fehlt vor allem ein entwickeltes Wegenetz; die Flurneuordnung könnte Abhilfe schaffen. Doch die Meinungen gehen noch immer auseinander. Dabei beschäftigt das Thema die Leute seit dem ersten Workshop am 13. Juni 2015. Von da an gab es neun abendliche Treffen. Insgesamt flossen mehr als 470 Stunden bürgerschaftliches Engagement in die Planung und Besprechung des möglichen Vorhabens. Fünf Schautafeln präsentierten am Abend detaillierten Schilderungen des Verfahrens sowie die Ergebnisse der Workshops.

Um „weiteres Licht ins Dunkel zu bringen“, fassten Marc Bierkamp und Henrik Höft vom Fachdienst Flurneuordnung des Landratsamts den aktuellen Stand zusammen. „Wir befinden uns noch ganz weit vor einer Flurneuordnung. Jetzt geht es darum, die Frage zu klären: Lohnt sich so ein Verfahren für Granheim“, erläuterte Moderator Bierkamp. Im Blick hat er dabei vor allem das Verhältnis von Bodenordnung und Wegebau: Der Arbeitsaufwand für den Wegebau sei im Vergleich gering. Die vielen kleinen Flächen sinnvoll zu formen und für die Bodenordnung zusammenzulegen, verlange allerdings einen großen Aufwand. Genau gegensätzlich verhalte es sich bei den Kosten: Dort ist die Bodenordnung weit billiger als der Wegebau.

Ziel sei in jedem Fall eine landwirtschaftliche Ausrichtung, äußerte sich der Granheimer Arbeitskreis. „Es ist bisher eine grobe Planung, wie beim Hausbau“, sagte Vermessungsingenieur Erik Glocker, der zusammen mit Peter Missel und Martin Rapp Erkenntnisse aus dem Arbeitskreis präsentierte. Die erste Schätzung: „Es wird rund 12 Kilometer mehr an Wegen geben.“ Verbesserungen wurden am Beispiel der Bereiche Hinter dem Hilsenbühl, Kalkwerk beim Luckenhof, Ziegelhütte sowie im Kreuzungsbereich Erbstetten und Mundingen vorgestellt.

Um möglichen Konsequenzen wie Flächenverlust oder Missformen entgegenzutreten, wird bei der Flurneuordnung per GPS neu vermessen. Der Eigentümer soll gegebenenfalls eine Ersatzfläche erhalten. „Es geht darum, Nutzungskonflikte, Eigentumssicherung und Rechtssicherheit zu garantieren“, sagte Bierkamp. Dazu erhalte jeder der 4400 Grenzpunkte eine Koordinate. Interessant: Nicht alle der jetzigen Grenzpunkte sind eindeutig. So sind 1600 unvollständig, 350 ohne Abmarkung, 900 nur grafisch verzeichnet. 1900 Stück stammen sogar noch aus dem Königreich Württemberg. Daher müsse das Liegenschaftskataster, das flächendeckende Register sämtlicher Flurstücke und deren Beschreibung, mit den tatsächlichen Wegen abgeglichen werden. Nötig sei es auch, die Informationen im Grundbuch zu aktualisieren. Möglich sei es, dass noch alte Besitzer oder Erbketten als Eigentümer geführt würden. Durch alle Workshops habe sich zudem das Thema Landabzug gezogen, also der Abzug von Land für gemeinschaftliche und öffentliche Anlagen, der von allen Teilnehmern an der Flurneuordnung nach dem Verhältnis des Wertes ihrer alten Grundstücke zu dem Wert aller Grundstücke des Flurbereinigungsgebiets aufzubringen ist.

Für die 900 Hektar Verfahrensfläche ergeben sich durch Erfahrungswerte aus anderen, abgeschlossenen Verfahren folgende Kosten: Schotterwege belaufen sich auf 90 Euro pro Meter, Asphaltwege auf 160, Grünwege auf 10 Euro pro Meter. Die Kosten für den Wegebau liegen in Granheim bei rund 1,5 Millionen Euro. Hinzu kommt ein Sicherheitszuschlag von 100 000 Euro. 2,2 Millionen Euro soll das gesamte Projekt kosten. Ein Teilnehmer muss so umgerechnet rund 1050 Euro pro Hektar bezahlen. Wie sich die Granheimer am Ende entscheiden, hängt von der zweiten Bürgerversammlung im November ab. Dann haben Ortschafts- und Gemeinderat das letzte Wort.

Verfahren Dass es in dem Verfahren keine unmittelbare Abstimmung der Beteiligten gibt, erklärt Marc Bierkamp vom Landratsamt mit Schwierigkeiten und dem Zeitaufwand bei der Umsetzung. Als Fragen stünden im Raum: Wie werden die Stimmen gewichtet? Pro Person oder gar pro Hektar Land? Wer kontrolliert die Abstimmung? „Eine Umfrage gibt Ortschafts- und Gemeinderat eine Entscheidungsgrundlage“, plädiert Bierkamp für das laufende Verfahren. Eine für eine direkte Abstimmung erforderliche Aktualisierung der Grundbücher würde nach Einschätzung der Fachleute zwei bis drei weitere Jahre in Anspruch nehmen. Bierkamp selbst wäre eine Wahl am liebsten. „Dann hätte man das sauberste Ergebnis.“ Aber bisher habe er durch die Um- und Abfrage immer ein eindeutiges Bild bekommen. „Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht.“ sk

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