Polizei: Region ist sicher

Das Böse ist immer, aber nicht überall. Zumindest hat der Ulmer Polizeipräsident Christian Nill bei einem Informationsabend zum Schutz vor Einbrechern versichert: "Sie leben in einer sicheren Region."

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Der Polizist und das Einbruchswerkzeug: Thorsten Göthe mit Schraubenzieher.  Foto: 

Überall wirft der baden-württembergische Landtags-Wahlkampf seine Schatten voraus. Auch Monika Stolz (CDU) hat sich thematisch bereits positioniert und fürchtet angesichts "steigender Zahlen beim Wohnungseinbruch" und umherziehender Banden "schwerpunktmäßig aus dem osteuropäischen Raum" um die innere Sicherheit. In Erwartung eines "wirkungsvollen Handelns" seitens der Politik hat die Landtagsabgeordnete erwartungsgemäß Versäumnisse auf der Regierungsbank ausgemacht: "Ich sage Ihnen frank und frei, dass wir mit der Landesregierung nicht zufrieden sind."

Das Rezept der Ministerin a.D.: Mehr Polizisten brauche das Land. "226 zusätzliche Stellen sind uns zu wenig, wir hatten uns 420 zusätzliche Stellen gewünscht", sagt sie und fordert die Rückkehr von "Polizeifreiwilligen" zur gemeinsamen "Bestreifung von Wohngebieten", mehr Zivilfahnder auf den Straßen, um den "Fahndungsdruck zu erhöhen", ein "automatisches Kennzeichen-Erkennungssystem", wie in Bayern, und nicht zuletzt eine "kommunale Kriminalprävention" als zentrale vorbeugende Maßnahme. Deshalb waren auch Christian Nill und Kollegen zu einer Veranstaltung nach Wiblingen eingeladen, um den Zuhörern Tipps zur Sicherung der eigenen vier Wände zu geben.

Aufgrund seiner Erfahrung weiß der Ulmer Polizeipräsident, dass die gefühlte Bedrohungslage nicht selten größer ist, als die tatsächliche. "Das ist ein sehr emotionales Thema, das ist uns bewusst", zeigt Christian Nill Verständnis, weist aber gleichwohl auf die Faktenlage hin. So seien die Fallzahlen in der Region innerhalb der vergangenen zehn Jahre rückläufig: 2005 wurden 11 753 Delikte aktenkundig, 2014 waren es noch 10 762. Im Verhältnis der Delikte pro 100 000 Einwohner sei Ulm "seit vielen Jahren im Ranking der Großstädte im Land das Schlusslicht".

Nicht, dass es der Polizei an Arbeit mangle: "Im Durchschnitt kommt alle dreieinhalb Minuten ein Notruf", macht Nill deutlich. 2014 waren es rund 140 000, was letztlich alle fünf Minuten zu einem Einsatz im Betreuungsgebiet geführt habe - bei einer Fläche von 4200 Quadratkilometern und bei 900 000 Einwohnern. Für deren Sicherheit haben 1700 Mitarbeiter im Polizeipräsidium und den einzelnen Dienststellen zu sorgen. Auch wenn die Zahl der Einbruchdiebstähle in der vergangenen Dekade von 95 auf 139 pro Jahr angestiegen sind, sei die regionale Sicherheitslage gut, so Nill: "Wir leben in einer sicheren Region, aber wir dürfen uns nicht zurücklehnen."

Dass jeder Bürger dazu betragen kann, verdeutlichte Präventionsspezialist Thorsten Göthe, der zeigte, wie man mit wenigen Mitteln Wohnung und Haus vor ungebetenen Gästen schützen kann, die im Gegensatz zur landläufigen Meinung vermehrt zwischen 17 und 21 Uhr zuschlagen würden. Was ein Einbruchsopfer im Saal bestätigte, die zunächst nicht einmal bemerkt habe, dass jemand eingestiegen war. Göthe riet zur Fensterabsicherung mit Beschlägen, einer Dreifachverriegelung von Haustüren, Flachstahl-Arretierungen für Mäusegitter bei Kellerfenstern und gegebenenfalls zur Kombination von mechanischen und elektronischen Maßnahmen. Wegen des Entdeckungsrisikos ließen Einbrecher von ihrem Ansinnen ab, wenn sie es nicht innerhalb von 90 Sekunden ins Objekt schafften. Vor allem warnte er vor allzu großer Sorglosigkeit: "Gekippte Fenster sind so richtige Einladungen für Einbrecher."

Welche Vorkehrungen in Einzelfall zu treffen sind, verraten Göthe und Präventionskollegen auf Anfrage. 2014 seien rund 1700 Beratungen durchgeführt worden, erinnerte sich Nill und machte deren Nutzen deutlich: "Die sind kostenlos, aber nicht umsonst."

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