Politiker müssen auch raten

Im September ist Bundestagswahl. Jungwähler und Interessierte konnten sich in Frankenhofen ein Bild von den Parteien und Kandidaten machen. Sechs Politiker stellten sich Politik-, aber auch Ratefragen.

|
Vorherige Inhalte
  • Nicht nur trockene Antworten: Hilde Mattheis, Annette Weinreich, Wolfgang Baumbast, Heinz Wiese, Lisa Collins und Eva-Maria Glathe-Braun wurden von Christian Kornmayer und Karin Dengler (von links) befragt. Benjamin Kramer umschrieb das Sprichwort "Eine Hand wäscht die andere" und Glathe-Braun musste es erraten. Fotos: Elisabeth Sommer 1/2
    Nicht nur trockene Antworten: Hilde Mattheis, Annette Weinreich, Wolfgang Baumbast, Heinz Wiese, Lisa Collins und Eva-Maria Glathe-Braun wurden von Christian Kornmayer und Karin Dengler (von links) befragt. Benjamin Kramer umschrieb das Sprichwort "Eine Hand wäscht die andere" und Glathe-Braun musste es erraten. Fotos: Elisabeth Sommer
  • 2/2
Nächste Inhalte

Für einen Höhepunkt im Bundestagswahlkampf hat der Bund der Landjugend Württemberg-Hohenzollern mit einer Kandidatenbefragung gesorgt. Vertreter der sechs größeren Parteien waren in den Jugendraum in Frankenhofen eingeladen. Matthias Fundel, der Frankenhofener Landjugendleiter, hatte gleich zugesagt, als die Anfrage von der Geschäftsstelle in Bad Waldsee zur Ausrichtung dieser Podiumsveranstaltung bei ihm eingegangen war. Fundel und sein Stellvertreter Alexander Seele sind mit 21 beziehungsweise 19 Jahren selbst Erstwähler, an die sich die Veranstaltung hauptsächlich richtete.

20 Mitglieder hat die Landjugendgruppe in Frankenhofen. Allerdings kamen zu der Wahlkampfveranstaltung, die von der Landjugend für den gesamten Alb-Donau-Kreis ausgerichtet wurde, dann auch kaum mehr Zuhörer. Einige Auswärtige und auch Ortsvorsteherin Jutta Uhl mit Ehemann Josef reihten sich in die Zuhörerreihen ein, zu einer letztlich doch kurzweiligen Informationsveranstaltung, die auf jeden Fall mehr Besucher verdient hätte.

Mit Fragen zur Jugend- und zur Agrarpolitik sowie mit Interaktionen unter Einbeziehung von Zuschauern beschäftigten die beiden Moderatoren und Landjugendvorsitzenden Karin Dengler und Christian Kornmayer die Politiker. Den Fragen und Aufgaben stellten sich die Bundestagskandidaten Hilde Mattheis (SPD), Annette Weinreich (Grüne), Eva-Maria Glathe-Braun (Linke), Lisa Collins (Piraten) und Heinz Wiese (CDU) sowie der FDP-Kreisvorsitzende Wolfgang Baumbast als Vertreter des FDP-Kandidaten Frank Berger. Heinz Wiese erklärte auch, stellvertretend für Annette Schavan anwesend zu sein.

So wurden die Parteimitglieder zu ihrem persönlichen Wunschministeramt in Berlin befragt. Der Finanzbeamte Wolfgang Baumbast erklärte auf die hypothetische Frage, in Berlin gerne das Finanzressort führen zu wollen. Lisa Collins wäre als alleinerziehende Mutter in Ausbildung am liebsten Familienministerin. Die gebürtige Sächsin Eva-Maria Glathe-Braun würde gerne wieder ein Ministerium für Kultur einführen, und Hilde Mattheis möchte als bisheriges Mitglied des Bundesgesundheitsausschusses das Gesundheitsministerium leiten. Architektin Annette Weinreich würde das Bauministerium übernehmen und Heinz Wiese als ausgebildeter Lehrer das Bildungsministerium.

Mit Fragen an einzelne oder nur einen Teil der Kandidaten versuchten die Fragesteller, stereotype Politikerantworten zu vermeiden, was meist auch gelang. SPD, Linke und Piraten begrüßen die Absenkung des Wahlalters bei Kommunalwahlen auf 16 Jahre. "Wir sind sogar für 14 Jahre", erklärte die 26-jährige Piraten-Kandidatin und bekam besonderen Applaus. Heinz Wiese musste sich allein der Frage stellen, mit wem er außerhalb seiner Partei tauschen möchte, um letztlich bei der Grünen Kathrin Göring-Eckardt anzugelangen. Die Zuhörer erfuhren, dass Hilde Mattheis verschiedene Organisationen ehrenamtlich unterstützt, Annette Weinreich am liebsten bei Alnatura einkauft, Eva-Maria Glathe-Braun Heimat mit Sachsen und Ulm verbindet, Lisa Collins zwar gläubig ist, aber keiner Konfession angehört und Wolfgang Baumbast philosophische vor politischen Vorbildern hat.

Die Veranstaltung lief sachlich ab, doch beim Thema "Ehrenamt" entbrannte ein Streit über Tafelläden, die der FDP-Vertreter als toll ansieht, "weil der Staat nicht alles auffangen kann", von Hilde Mattheis hingegen als Zeichen dafür stehen, dass etwas nicht funktioniert. Die Grüne Weinreich betonte, dass auch das Ehrenamt nicht missbraucht werden dürfe, um vormals versicherungspflichtige Tätigkeiten in Kindergärten auf Eltern abzuwälzen. "Ein Ehrenamt sollte jeder einmal gemacht haben", meinte Weinreich aber grundsätzlich. Uneinigkeit gabs auch bei "Gesamtschule" und "Gemeinschaftsschule". Ein Zuhörer warf der CDU vor, hier nur "auf den Zug aufgesprungen" zu sein, der davor "als pfui" galt.

Bei den Interaktionen mussten die Kandidaten je nach Würfelzahl einen Begriff gezeichnet oder per Wortbeschreibung durch einen Zuschauer ihrer Wahl erraten. Die Frankenhofener Thomas Engst, Marc Faßnacht, Benjamin Kramer, Josef Uhl sowie Simone Rundel aus Oberessendorf und Timo Otto aus Winterstettenstadt bei Ingoldingen wurden als Akteure einbezogen.

Ein einfaches Wort wie Jugendraum oder ein Sprichwort wie "Eine Hand wäscht die andere" waren mit so schwierigen Leitsätzen wie "Zukunft schafft, wer gemeinsam anpackt" oder "Akzeptanz landwirtschaftlicher Produkte" zu erraten.

Damit wurde die Zielrichtung der Landjugend verdeutlicht, ebenso mit der Frage, was die Einzelnen mit der Ererbung eines mittelständischen landwirtschaftlichen Betriebes anfangen würden. Von "erst einmal Googeln" der Piratin über "Geschäftsführer einsetzen" der SPD-Frau bis "Eigenbewirtschaftung und Suche nach einer Bäuerin" des FDP-Kreisvorsitzenden lauteten die Antworten. "Ohne Ausbildung geht die Betriebsführung heute nicht mehr", sagte Christian Kornmayer.

Die abschließende Fragerunde nutzen die Landjugendmitglieder und Besucher, wobei die Definition des Wortes "Massentierhaltung" wieder eine Diskussion auslöste. Schwindel sei auch auf kleinen Höfen möglich, meinte Heinz Wiese. Gemeint sei die Behandlung von Tieren als Ding, wogegen sie ist, definierte Lisa Collins.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Dank dem Ersparten gut unterwegs

Im Jahr eins des neuen Haushaltsrechts mahnt Ehingens Oberbürgermeister Alexander Baumann, bei Investitionen auch an die Folgekosten zu denken. weiter lesen