Per Shuttle zur Venus

Ein "Eiszeit-Shuttle" soll die Fundorte der Schwäbischen Alb verbinden. Mit dem Bus kämen dann Gäste an den Schelklinger Hohlen Fels. Fachleute haben gestern Ideen zur Präsentation der Eiszeitkunst diskutiert.

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Reiner Blumentritt mit einer Nachbildung der Venus von Schelklingen. Bei der Diskussion gestern wurde auch die Bedeutung der Museumsgesellschaft Schelklingen, deren Vorsitzender Blumentritt ist, für die Eiszeitkunst in der Region betont. Jetzt ist ein regelmäßiger Bus-Shuttledienst an Wochenenden zu den Fundorten geplant.  Foto: 

Venus, Löwenmensch, Mammut - die Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Gestern haben Fachleute bei der Mitgliederversammlung des Tourismusverbandes Schwäbische Alb in Blaubeuren darüber diskutiert, welche Chancen es für den Kulturtourismus in der Region gibt.

"Dinge wertvoll machen" - dies sei wichtig, um das Interesse der Gäste zu wecken, sagte Jürgen Steiner, Geschäftsführer des Verbandes, zu Beginn der Diskussion. Dazu könne etwa das Prinzip der "Schatzkammer" dienen, mit der Kustodin Stefanie Kölbl die Schelklinger Venus im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren präsentiert.

Kölbl brachte im Übrigen eine spannende Anregung in die Diskussion: Bei einer Unesco-Tagung im Sommer sei sie auf eine Form gestoßen, wie in Nordspanien per Buspendelverkehr verschiedene Fundstellen gemeinsam präsentiert werden. Wichtig sei dabei, dass der Gast nicht merke, dass er es mit verschiedenen Institutionen, Landkreisen und Gemeinden zu tun habe. Es gebe etwa eine einheitliche Telefonnummer, unter der alles zum Besuch der Fundorte erfahren werden könne.

Eine gute Idee sei das, befand der Verbandsvorsitzende, Reutlingens Landrat Thomas Reumann. Es gebe im Übrigen durch das Biosphärengebiet ja bereits Erfahrung, wie mit den Infozentren viele verschiedene Orte als großes Ganzes präsentiert werden können. Herbert Saum (Landkreis Göppingen) schlug eine "Rulaman"-Tour vor, die die Handlungsorte des bekannten Romans von David Friedrich Weinland unter anderem im Achtal erkundet.

Kontrovers verlief die Debatte, als es um die Anerkennung der Fundstätten als Weltkulturerbe ging. Kölbl, Patricia Friderich vom Archäopark Vogelherd und Ewa Dutkiewicz von der Universität Tübingen veranschlagten eine längere Zeit für die Anerkennung - der Zeitrahmen "sechs Jahre" wurde genannt. Das war Thomas Reumann zu viel. Man müsse sich selber ein ehrgeiziges Ziel setzen, dann sei das auch in kürzerer Zeit zu schaffen. Immerhin: "Die Unesco wartet auf unseren Antrag", sagte Kölbl. Es müsse aber klar sein, dass es mit der Anerkennung als Weltkulturerbe auch Schutzfunktionen für die Fundstellen gebe. Da sei es schon von Bedeutung, wo etwa Busse an den Fundstellen halten dürfen.

Rolf Koch vom Ehinger Stadtmarketing sprach sich in der Fragerunde entschieden dafür aus, nur mit einem Gesicht für die Eiszeitkunst zu werben. So wie die Mona Lisa für Paris und die Nofretete für Berlin stehe, könne die Venus für die Einzigartigkeit der Funde der Schwäbischen Alb stehen. Ein Zuhörer schlug sogar vor, "alle Eier in ein Nest" zu legen und die Schwäbische Alb allein über die Eiszeitkunst zu präsentieren. Wandern und Radfahren könne man schließlich in ganz Europa. Das ging Reumann etwas zu weit. Es gebe etliche Leuchttürme, mit denen die Schwäbische Alb präsentiert werden soll.

Um den Tourismus zum Wirtschaftsfaktor zu machen, müssten Hotels und Gaststätten ausgebaut und Campingplätze angelegt werden, sagte die Urgeschichtlerin Ewa Dutkiewicz. Den Nordosten der Alb will der Verband im Übrigen als "Weltkulturreich" vermarkten. Der Plan für das Radwegenetze steht unter dem Titel "Zweistromland": Die Radwanderwege an Donau und Neckar sollen mit einem "Querspangensystem" verbunden werden. 2013 will der Tourismusverband Hotels und Anbieter von regionalen Produkten vernetzen.

Um alle Aktivitäten finanzieren zu können, hat die Mitgliederversammlung die Beiträge für die Landkreise erhöht, die künftig 408 000 statt bisher 277 000 Euro bezahlen. Der Alb-Donau-Kreis trägt knapp 43 000 Euro (bisher 28 000).

Jürgen Steiner hat jetzt vor, 2014 einen "Eiszeit-Shuttle" einzurichten. Der Plan ist, dass Busse an Sonn- und Feiertagen viermal am Tag in Ulm starten und Besucher zu den Fundorten - auch Schelklingen - und den Ausstellungsorten der Eiszeitkunst bringen.

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