Neue Form der Bestattung: Anonymes Gräberfeld auf Allmendinger Friedhof

Die Gemeinde Allmendingen hat im Zuge der Friedhofsanierung ein Grabfeld für anonyme und für halbanonyme Bestattungen geschaffen. Dort können auch so genannte Sternenkinder beigesetzt werden.

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Das neue Grabfeld hinter der Aussegnungshalle bietet Raum für anonyme und halbanonyme Bestattungen.  Foto: 

"Wir haben uns Gedanken gemacht, welche neuen Bestattungsformen heute nachgefragt werden, die wir bislang nicht anbieten konnten", sagt Bürgermeister Robert Rewitz. Es zeigte sich, dass anonyme Bestattungen von Urnen immer wieder nachgefragt werden.

So wurde auf dem Allmendinger Friedhof ein neues Grabfeld angelegt. Dort können Urnen anonym bestattet werden. Möglich sind auch halbanonyme Beisetzungen: Der Name des Toten wird auf einer von insgesamt sieben Stelen angebracht. Das Feld ist auch Ruhestätte für so genannte Sternenkinder: Wiegt ein tot geborenes Kind weniger als 500 Gramm, besteht keine Bestattungspflicht. Eltern, die ihr Kind aber beerdigen möchten, können dies auf dem Grabfeld tun. "In der Hoffnung, dass das sehr selten passiert", sagt Rewitz. Der kleine Platz hinter der Aussegnungshalle sei "mehr als gelungen". Das Feld bietet Platz für 90 Urnen, man gehe von fünf Beisetzungen pro Jahr aus. Wo die Urne, die aus abbaubarem Material sein muss, vergraben ist, ist später nicht mehr zu sehen. Dass Blumen oder Kerzen abgestellt werden, ist nicht vorgesehen.

Die Stelen aus gelbem Travertin wurden in der Werkstatt des Steinmetzen und Steinbildhauermeisters Rolf Müllner gefertigt. Müllner ist aus Allmendingen, seine Werkstatt ist in Schelklingen. Der gelbe Travertin sei nahezu identisch mit dem Cannstatter Travertin. Dieser Stein, heute nicht mehr zu bekommen, kam auch einst rund um die Kriegsgräber auf dem Friedhof zum Einsatz, berichtet der Fachmann.

Bei der Gestaltung der 550 Kilogramm schweren Stele, die aus einem Stück gefertigt wurde, sei es um klare Formen gegangen. "Es soll neutral erscheinen", sagt Müllner. Weder religiöse Motive noch Symbole schmücken die schlanke Säule, deren durchbrochene Mitte immer wieder neue Durchblicke ermöglicht. Auch die Bronzeguss-Schrift, eine Finestra, mit der die Namen der Toten dargestellt werden, ist schlicht. Ein Muster, der Name Hermann Muster, ist an einer der Stelen montiert. Am Rand des Grabfelds wachsen Rosen und Lavendel, eine Felsenbirne wurde gepflanzt.

Noch nicht aufgestellt sind die drei kleinen Stelen, auf denen die Namen der Sternenkinder angebracht werden können. Auch eine Tafel, die Friedhofsbesucher über das Grabfeld und die Hintergründe informiert, fehlt noch, ebenso eine Sitzbank direkt neben dem Feld.

Die Art der Bestattungen hat sich gewandelt. Die Zahl der Urnenbeisetzungen nimmt seit Jahren zu, andere Bestattungsformen, zum Beispiel in Friedwäldern, werden gerne angenommen. Berücksichtigt man dies, sei ein gutes Argument für das Grabfeld, dass man in heimischer Erde bestattet werde, sagt Müllner.

Rewitz rechnet damit, dass die Generalsanierung des Friedhofs in vier, fünf Jahren abschlossen sein wird. Das neue Gräberfeld wurde im Zug des ersten Bauabschnitts angelegt. Der Weg, der den alten und den neuen Teil des Friedhofs trennt, wurde neu gestaltet, Buschwerk entfernt. Beim Eingangstor soll noch ein Rankgitter angebracht werden. Gesamtkosten: 80 000 Euro.

Für den zweiten Bauabschnitt sind 150 000 Euro veranschlagt, die Gemeinde hat Fördermittel aus dem Ausgleichstock beantragt. Die Mittelachse im alten Friedhof soll neu gestaltet werden, ferner wird hinter der Aussegnungshalle ein neuer Weg angelegt. Dort ist auch Platz für zwei neue Reihen Urnengräber. Offen ist, ob eine Urnenwand aufgestellt wird oder nicht. Weiter ist die Sanierung der Mauer ein Thema; auch die Aussegnungshalle bedarf einer Renovierung.

Am Mittwochabend hatte der Gemeinderat über die Gebühren beraten, die sich wegen des neuen Angebots ergeben. Nachdem Kämmerer Oliver Diebold die Kalkulation der Gebühren vorgestellt hatte, entspann sich eine Diskussion: Die vorgeschlagenen 1880 Euro für eine anonyme Bestattung auf dem Gräberfeld seien zu hoch, sagte Bürgermeister-Stellvertreter Manfred Huber. In anderen Gemeinden seien die Gebühren deutlich niedriger. In Erbach zahle man beispielsweise 700 Euro für eine anonyme Urnenbestattung, in Blaubeuren 790 Euro, in Heidenheim 539 Euro. Marianne Ostertag pflichtete Huber bei und befürwortete einen Kompromiss.

In die Berechnung der Gebühr fließen auch die Arbeitsstunden des Bauhofs ein, der das Grabfeld pflegen wird. Die vorgesehenen fünf Stunden pro Woche seien aber zu viel, meinte Huber. Er halte eineinhalb Stunden pro Woche für angemessen - und zwar von März bis Dezember. "Im Januar und Februar passiert auf dem Friedhof wirklich nichts." Leonhard Sontheimer sagte, dass sowohl die fünf als auch die eineinhalb Stunden ein Extrem darstellten und schlug eine Stundenzahl vor, die dazwischen liegt.

Huber stellte daraufhin den Antrag, die Gebühr auf Grundlage von drei Arbeitsstunden (Zeitraum März bis Dezember) zu berechnen. Dann sei man bei 991 Euro, gerundet 1000 Euro. Dem Antrag stimmten elf Gemeinderäte zu, fünf waren dagegen. Wie Veronika Balzer sagte, sei die zu pflegende Fläche "die sensibelste Grünfläche, die wir haben".

So kostet nun eine anonyme Bestattung auf dem Grabfeld 1000 Euro. Für die Beisetzung eines Sternenkindes in dem Gemeinschaftsgrabfeld zahlen Eltern 250 Euro. Die neue Gebührensatzung, die auch festlegt, wie viel zum Beispiel für ein einfaches Wahlgrab zu zahlen ist (1030 Euro) oder wie viel die Nutzung der Aussegnungshalle kostet (108 Euro), tritt zum 1. Juni in Kraft.

In der Sitzung wurde außerdem thematisiert, dass eine anonyme Bestattung günstiger ausfällt als eine Beisetzung in einem Grab mit Folgekosten. Die Entscheidung für das anonyme Grabfeld solle keine reine Geldentscheidung sein, sagte Rewitz. Es solle kein finanzieller Anreiz sein, sondern ein Angebot.

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