Naturana macht Aldi Platz

Zur besseren Müllverwertung wollte die Stadt 1990 das „Ehinger Modell“ einführen. Das Krankenhaus sollte eine Tiefgarage bekommen. 1965 war die Ausbreitung der Tollwut großes Thema im Raum Ehingen.

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Das Gebäude der Naturana an der B 465 wurde 1990 abgerissen. Die Produktion der Miederwaren-Herstellung war nach Munderkingen verlagert worden. Aldi plante auf diesem Gelände einen Neubau mit Parkplätzen.  Foto: 

Vor 25 Jahren

Das Verwaltungsgericht Sigmaringen entschied vor 25 Jahren, dass das Wochenendhaus des Generals Hermann Fraidel in Oberdischingen abgerissen werden müsse und wies seine Klage dagegen ab. Der General hatte nach Abbruch seines alten Häuschens an selber Stelle einen größeren und höheren Neubau errichtet. Erlaubt hatte ihm Oberbürgermeister Johann Krieger jedoch nur einen Wiederaufbau des alten Wochenendhäuschens, hieß es im Bericht. Auch die Baurechtsbehörde habe Fraidel nie darüber im Zweifel gelassen, was er wie groß bauen dürfe. Nach Auffassung der Kammer war durch den Neubau die „Splittersiedlung“ in dem Markungsbereich verfestigt worden. Gerade das solle verhindert werden.

Die Stadt Ehingen kündigte „neue Wege bei der Müllentsorgung“ an. Um der Entsorgung wiederverwertbarer Stoffe mehr Rechnung zu tragen, wollte sie zum einen das Sammelcontainer-Netzwerk ausweiten und zum anderen „Mobile Sammelstellen“ in allen 17 Teilorten sowie in Dettingen, im Wenzelstein- und Stadiongebiet einrichten. Mit diesem „Ehinger Modell“ wollte die Stadt eine Vorreiterrolle im Landkreis einnehmen, begründeten OB Krieger und der damalige Finanzchef Heinz Seiffert. Die einzelnen Stellen sollten demnach einmal pro Monat angefahren werden, damit die Bürger dort direkt innerhalb einer Anlieferzeit von einer Stunde ihre Wertstoffe abgeben könnten.

Zur Überraschung vieler Ehinger Bürger wurde das Gebäude der Naturana an der B 465 abgerissen. Der Gemeinderat hatte der Aldi-Ansiedlung auf dem Gelände der Firma Naturana schon vor geraumer Zeit zugestimmt. Die Produktion des Miederwaren-Herstellers war bereits vor längerer Zeit nach Munderkingen ausgelagert worden. Viele Bürger hatten jedoch angenommen, das bisherige Fabrikgebäude werde nur umgebaut. Tatsächlich plante Aldi einen Neubau samt Parkplatz.

Das Kreiskrankenhaus Ehingen sollte eine Tiefgarage erhalten. Den Planungsauftrag dazu hatte nun der Sozial- und Kulturausschuss des Kreistags vergeben. 121 Fahrzeuge sollten darin parken können. Die 123 Parkmöglichkeiten ums Krankenhaus herum reichten bei weitem nicht mehr aus, sagte dessen Dezernent Wolfgang Neumeister.

Die achte Auflage der „Allmendinger Gesundheitstage“ erlebte vor 25 Jahren einen „Besucheransturm wie nie zuvor“, berichtete unsere Zeitung. Tauschende Besucher waren in die Festhalle gekommen, um sich bei den Ausstellern näher zu informieren. Auch die Vorträge waren gefragt. Beim Thema Cholesterin drohte die Aula der Schule angesichts von 450 interessierten Besuchern beinahe zu platzen.

Der städtische Kindergarten für die sechs Alb-Teilorte in Dächingen bot offenbar nicht mehr genug Platz für alle zu betreuenden Kinder. Das zumindest meinte eine Initiativgruppe, die eine Erweiterung forderte. Demnach seien auf der Alb 15 Kinder mit Anspruch auf Kindergartenplatz unberücksichtigt geblieben. Zudem biete die Einrichtung bereits jetzt schon zu wenig Platz pro Kind: statt der vorgeschriebenen 2,2 Quadratmeter nur 2,06. Laut Stadtverwaltung gab es neun über Dreijährige, die den Kindergarten nicht besuchten, doch nur für eines davon sei ein Antrag auf den Besuch gestellt worden.

Der Schelklinger Gemeinderat gab grünes Licht für die Neugestaltung des Schmiechtals und des Aachbettes. Für die Renaturierung wurden Landeszuschüsse von 70 Prozent für Planung, Grunderwerb und Ausführung in Aussicht gestellt. Der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Ulm, Josef Schäfer, schwärmte: Damit könne das 12,5 Kilometer lange Schmiechtal „noch mal so schön werden“.

Vor 50 Jahren

Im Altkreis Ehingen hatte sich vor 50 Jahren die Tollwut ausgebreitet. Sie griff nun auch auf Haustiere über und stellte damit zugleich eine reelle Gefahr für die Menschen dar. Wie in manchen anderen Landkreisen seien zudem Weiderinder davon befallen. Für die Weiterverbreitung sorgten laut Bericht vor allem infizierte Füchse. Diese habe man im Frühjahr versucht, mittels Begasungsaktionen zu vernichten. Weil der Erfolg nicht durchschlagend war, seien nun auch die Jäger aufgerufen, um „der tödlich verlaufenden Krankheit“ zu begegnen. Zudem wurden Hundehalter gebeten, ihre Tiere stets angeleint zu lassen.

Die Schulden der Gemeinden in Baden-Württemberg waren im Vergleich zu Mitte der 50er Jahre um das Vierfache gestiegen – im Vorjahr sogar besonders stark, schrieb unsere Zeitung 1965. Bei den Kommunen im Kreis Ehingen seien demnach die Schulden von 1954 bis 1965 von rund 2,7 Millionen auf rund 11,9 Millionen Mark angewachsen (pro Kopf von 67 auf rund 260 Mark). Damit lagen sie jedoch deutlich unter Landesdurchschnitt (332 Mark pro Kopf-Verschuldung). Im Kreis Ehingen seien die unrentierlichen Schulden aber vergleichsweise hoch; sie machten rund 58 Prozent aller Schulden aus (Landesdurchschnitt: 42 Prozent). Auch die Steuerkraft-Summe habe deutlich unter dem Landesdurchschnitt gelegen. Die Hauptschuldentreiber: Der Bau von Schulen.jir

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