„Löwen“ ist begehbarer Geschichte von Munderkingen

Restauratorin Barbara Meschke will in der Gemeinderatssitzung in Munderkingen erfahren, was der Zimmerer zu sagen hat. Ihr ist während der Untersuchung das Haus ans Herz gewachsen.

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  • Beeindruckt ist Barbara Meschke im „Löwen“ in Munderkingen von den hochwertigen Putzen, die sie fand (oben rechts). Im Flurbereich im Anbau ist besonders viel historische Substanz; rechts unten eine historische Brühwanne für Schweine im Keller. 3/4
    Beeindruckt ist Barbara Meschke im „Löwen“ in Munderkingen von den hochwertigen Putzen, die sie fand (oben rechts). Im Flurbereich im Anbau ist besonders viel historische Substanz; rechts unten eine historische Brühwanne für Schweine im Keller. Foto: 
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Ich war erst der Meinung, dass es eine grenzwertige Geschichte mit dem ,Löwen’ ist“, räumt Barbara Meschke ein. Mittlerweile befürwortet sie aber den Erhalt stark. „Das Hauptgebäude kann man lieben lernen, wenn man sich mit ihm beschäftigt.“ Die Munderkinger Restauratorin, die sich ansonsten viel religiösen Gegenständen aus der ganzen Diözese widmet, die im Depot in  Obermarchtal lagern, hat das ehemalige Gasthaus in Munderkingen genauestens untersucht und, wie berichtet, den Gemeinderat dazu informiert.

Eine sehr aufwendige, großflächige Rekonstruktion hält Meschke zwar aus Kostengründen für unwahrscheinlich, zumal es im Lauf der vielen Jahrhunderte, die das Gebäude gesehen hat, zu oft verändert wurde. „Es gibt weder einen bauzeitlichen noch barocken Zustand, der rückzuführen ist. Erst die Idee des Historismus könnte man, mit Verzicht auf sichtbares Fachwerk, übernehmen.“ Das setze voraus, dass der Bauzustand insgesamt noch stabil ist und es eine Möglichkeit gibt, das Haus an der Nordseite baulich anzuschließen. „Vielleicht ist auch ein freier Umgang möglich, mit Verwertung von Teilen, die erhalten werden können im Sinne einer modernen Rekonstruktion.“

Die Nähe zur Stadtpfarrkirche und die harmonische Einbindung in das historische Stadtzentrum mit Fachwerkbau sind wichtige Standortaspekte beim „Löwen“, schreibt Meschke in ihrer Untersuchung. „Die Höhe des stattlichen Haupthauses ist an dieser Stelle ein Blickfang und war im 18. Jahrhundert auch ein Maßstab, an dem nachfolgend angebaut wurde.“ Bis in das frühe 20. Jahrhundert sei viel investiert worden, um den Gesamtbau zu erhalten. „Die Kellerräume sind begehbare Geschichte von Munderkingen.“

Das Gebäude von 1600 – ein Teil des heute als Anbau angesehenen Teils rechts ist noch älter – sei zeitlich mit dem Rathaus vergleichbar. „Die Bedeutung des Hauptgebäudes wird heute bestimmt stark unterschätzt, weil es in letzter Zeit sehr heruntergekommen ist.“ Wer war der Bauherr von diesem gewaltigen Haus, fragt sich Meschke. „Munderkingen hatte in dieser Zeit so prominente Bürger wie Abt Konrad Kner!“ Das Problem, wie in Zukunft mit sehr alten Gebäuden umzugehen ist, werde die Stadt noch lange beschäftigen. „Da stehen wir noch am Anfang. Wo anfangen, wo aufhören?  Was sind Werte?“, stellt die Munderkingerin als Fragen. Entscheidend sei, wie eine Nutzung in der Zukunft aussehen könnte.

Das Dach sei wirklich „ansehenswert mit den meterlangen Balken, aus Vollholz gearbeiteten Konsolen, Trägerkonstruktionen mit Abbundzeichen, waghalsigen Überbauungen, der Andeutung von Stübchen, mit sichtbaren Bemühungen um Wärme in luftiger Höhe“. Im restaurierten Zustand verliere es vielleicht seinen Charme. „Trotzdem möchte man es nicht abreißen.“

Im Wohnbereich sei man überrascht, wie modern und einfach das Renaissancefachwerk eigentlich ist. „Der uralte Kern des Hauses ist so stabil gebaut worden, dass es heute noch im tadellosen Zustand stehen könnte, wenn es den Bewohnern im 18. Jahrhundert nicht zu ,langweilig’ geworden wäre“, spielt Meschke auf einen großen Umbau an. Auch 1870 – das Datum steht an einer Treppe – wurde vermutlich großzügig umgebaut. Der Fußboden bestand einst aus riesigen Bohlen. Vielleicht sei es möglich, im heute noch relativ gut erhaltenen Mitteltrakt historischen Bestand exemplarisch zu retten.

Studenten helfen lassen?

Meschkes Fazit: Man könnte – wenn sich alle Beteiligten dazu entschließen einzelne Teile rekonstruieren zu lassen – überlegen, Kontakt zu Hochschulen, aber auch zu Fachschulen aufzunehmen, die Restauratoren im Handwerk ausbilden. „Für dieses Objekt wäre dies eine finanzielle Unterstützung, für die Studenten bietet sich hier eine Spielwiese, an der sie historisches Handwerk sehen und in diesem Sinn nacharbeiten können.“ Auch das Freilegen der Fassade könne interessante Erkenntnisse bringen. Meschke ist nun gespannt auf die Ergebnisse des holztechnischen Untersuchungsberichts mit Instandsetzungskonzept vom Restaurator im Zimmererhandwerk Robert Ott, der in der morgigen Gemeinderatssitzung um 18.30 Uhr im Rathaus zu Gast ist.

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